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Spielname:
Zero Time Dilemma

Typ:
3DSWare Spiel

eShop Preis:
39,99 €

Publisher:
Aksys Games

Developer:
Spike Chunsoft

Genre:
Adventure

Release:
28.06.2016 (erschienen)

Multiplayer:
nicht vorhanden

Altersfreigabe:
Frei ab 18 Jahre

Screenshots:
Spiel mögen:

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Review: Zero Time Dilemma

Tjark Michael Wewetzer, 05.07.2016

3547°

2

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Es ist mal wieder Zeit für tödliche Spiele, wohlbehütete Geheimnisse und das Beste, was die Fantasy-Wissenschaftskiste zu bieten hat! Mit Zero Time Dilemma will uns das Team rund um den Szenario-Chef Kotaro Uchikoshi endlich die Antworten liefern, die uns der Vorgänger Virtue's Last Reward vor über drei Jahren schuldig blieb. Dementsprechend an dieser Stelle statt der üblichen Einleitung zwei Warnungen: Fans der Vorgänger sollten am besten umgehend zuschlagen und möglichst blind in das neue Ausbruchs-Abenteuer gehen, denn es lebt von seinen Überraschungen und ist gewohnt gut gelungen. Wer hingegen noch nicht mit der Zero Escape-Reihe in Kontakt gekommen ist, sollte idealerweise vorher sowohl 999: Nine Hours, Nine Persons, Nine Doors auf dem DS und das bereits erwähnte Virtue's Last Reward gespielt haben. Auch wenn sich Zero Time Dilemma durchaus ohne Vorkenntnisse verstehen und bewältigen lässt, macht ihr es euch auf diese Weise unnötig schwerer, den Durchblick zu behalten und nehmt euch dabei noch die packende Story zweier hochspannender Meisterwerke vorweg. Entsprechend werden wir auch in unserem Test nicht um ein paar Spoiler bezüglich der zwei Vorgänger herumkommen – ihr seid also gewarnt! Doch genug des Vorworts: Für alle Leser, die genaueres über die Qualität der Spielfilm gewordenen Visual Novel wissen möchten, haben wir noch unseren ausführlichen Test.

Das Leben ist ungerecht, findet ihr nicht?
Zero Time Dilemma erzählt die – leider nur in englischer Sprache verfügbare – Geschichte des Vorfalls auf einem Testgelände in Nevada, der in Virtue's Last Reward lediglich angedeutet wurde und von entscheidender Bedeutung für die Zukunft ist. Den Grund erfahren wir auch relativ schnell: Ein maskierter Mann, der sich Zero nennt, hat neun Leute in seine Gewalt gebracht und in einem Luftschutzbunker eingesperrt, der eigentlich für Testzwecke auf isoliertem Raum gedacht war. Jetzt ist er Schauplatz des tödlichen Entscheidungsspiels, bei dem drei Teams mit je drei Personen ums nackte Überleben kämpfen. Wollen sie das Tor in die Freiheit öffnen, brauchen sie im Prinzip lediglich sechs Passwörter. Diese gibt Zero allerdings nur heraus, wenn jemand stirbt – ein Passwort pro Opfer. Und da bietet es sich doch gut an, dass gleich das erste Spiel eine Abstimmung ist, bei der die voneinander isoliert agierenden Gruppen dafür stimmen können, welches Team zuerst exekutiert wird.

Was auf den ersten Blick wie eine Wiederholung des in Virtue's Last Reward angeklungenen Themas über Vertrauen und Zusammenhalt erscheint, entfaltet postwendend seine eigene Note. Der Twist hier ist nämlich, dass ihr die Geschichte aller drei Teams abwechselnd erlebt und zwischen den Kapiteln frei unter allen freigeschalteten Story-Fragmenten eure nächste Wunschszene auswählen dürft. Im Hinblick auf die erwähnte Exekutionswahl bedeutet das, dass ihr selbst in der Hand habt, welche Gruppe stirbt. Diese Erzählweise stiftet jedoch gerade zu Beginn äußerst schnell Verwirrung. Nicht selten fragt ihr euch, wann die Episoden genau stattfinden und wie sie in Relation zu den anderen Bauteilen stehen – ein gewollter Effekt, den auch die Charaktere selber spüren. Immerhin werden abgeschlossene Fragmente zu einem automatisch angelegten Zeitstrahl hinzugefügt, der euch im Laufe des Spiels Klarheit verschafft.

Die Qual der Wahl
Ebenfalls jederzeit über das Baumdiagramm sichtbar ist, wo ihr mit euren Entscheidungen andere Wege einschlagen könnt. Das von Zero so betitelte Entscheidungsspiel stellt euch nicht selten vor schlichtweg sadistische Wahlmöglichkeiten, die das Leben eurer Charaktere bedrohen. So erzählt der Wärter der Anlage etwa einem Team, das es möglicherweise mit einem tödlichen Virus infiziert sei und nur ein anderes Virus als Heilmittel gegenwirken kann. Es bestünde aber auch die Möglichkeit, dass es sich gar nichts eingefangen haben – in dem Fall würde die Injektion des vermeintlichen Gegenmittels zum Tode führen. Diese potentiell schwerwiegenden Entscheidungen werden aber leider ebenfalls durch den Erzählstil von Zero Time Dilemma gemindert. Da man nach vielen Wahlen praktisch direkt wieder zur Kapitelauswahl katapultiert wird, erwischt man sich schnell dabei, die verschiedenen Ausgänge mechanisch abzuklappern, ohne sich allzu viele Gedanken um den Ausgang zu machen. Wollt ihr die Geschichte zu einem Abschluss bringen, ist das zudem auch bitter nötig. Diverse Handlungsfragmente eröffnen sich euch nämlich erst, wenn ihr bestimmte Enden – ob schlechte oder „richtige“ - gesehen habt. Dadurch fällt es gerade zu Beginn schwer, sich in die Story einzufühlen. Seid jedoch beruhigt: Das Spiel kriegt die Kurve und wird gerade im Mittelteil, wenn die ersten großen Enthüllungen anstehen, richtig spannend. Zwar mag das Ende wiederum nicht ganz mithalten können, aber zumindest beantwortet Zero Time Dilemma tatsächlich viele offene Fragen und lässt hauptsächlich gewollten Raum für Spekulationen offen.

Obwohl die dramatischen Wendungen und das Aufdecken der Mysterien des Entscheidungsspiels zweifelsohne ein Hauptanreiz des Adventures sind, so spielen die Charaktere natürlich ebenfalls eine bedeutende Rolle – immerhin sollten wir sie ja mögen, wenn wir ihnen aus der Patsche helfen sollen! Hier glänzt Zero Time Dilemma nahezu anstandslos. In einem Team erleben wir beispielsweise, wie Phi und Sigma – die Protagonisten von Virtue's Last Reward - an der Seite der unschuldig naiv wirkenden, neuen Teilnehmerin Diana versuchen, den Machenschaften des Spiels auf den Grund zu gehen und eine schlimme Zukunft zu verhindern. In der zweiten Gruppe, bestehend aus 999-Veteranen Junpei und Akane sowie dem engagierten Feuerwehrmann Carlos, lernen wir mehr über die Möglichkeiten, dem Schicksal ein Schnippchen zu schlagen. Der dritte und letzte Trupp versammelt wiederum den unscheinbaren Normalo Eric, die aufreizend gekleidete Mira und den unheimlichen Q, die im Zuge ihrer Story-Fragmente mehr über sich selbst erfahren. Doch egal, welche Mannschaft ihr nun verfolgt, erfahrt ihr in den Zwischensequenzen viel über ihre Denkweise, Sorgen und Nöte. Was sie als Mensch ausmacht und wofür sie leben. Nur wenige Situationen werden euch völlig kalt lassen, viele hingegen unweigerlich ans Herz gehen. Wir schämen uns nicht zu sagen, dass die ein oder andere Träne geflossen ist.

Fluchtspiel
Haben wir noch etwas vergessen? Ach ja, richtig! Die Rätselräume! Gelegentlich findet sich euer aktuelles Team nämlich in einem abgeschlossenen Raum wieder und hat eine Aufgabe zu erfüllen – was nicht selten mit einem Entscheidungsspiel endet. In diesen Abschnitten wird von euch relativ simple Denkarbeit nach Point-and-Click-Manier gefordert. Ihr klappert die Räumlichkeiten nach allerlei interessanten Gegenständen ab, sucht Hinweise und nutzt diese, um umliegende Rätsel zu lösen. So will in einem Raum etwa ein Code für ein Kühlschrankschloss mit Richtungstasten aufgespürt werden, während ein anderer von euch fordert, anhand von Klanghinweisen einen Kran zu bedienen. Der Schwierigkeitsgrad fällt dabei generell eher moderat aus, zumal ihr meist mit einer überschaubaren Anzahl von Objekten interagieren könnt. An zwei Stellen rächt sich jedoch die geringe Auflösung der 3DS-Bildschirme, die das Erkennen der Lösung ungemein erschweren. Und nicht nur bei diesen Aufgaben zeigen sich Probleme: Auch das Freilegen mancher Pfade bei den Entscheidungsspielen ist teilweise ziemlich unintuitiv gelöst. Stellt euch also zumindest auf kleine Verzweiflungsphasen ein.

Steuerung:
Wenn ihr euch den Kopf zermatert, steht euch dabei wenigstens die Handhabung des Spiels nicht im Weg – zumindest größtenteils. Ihr könnt die Knobelkammern entweder klassisch mit dem Circlepad und den Aktionstasten des 3DS lösen oder alternativ per Stylus alles bedienen. Letztere Variante hielten wir für deutlich angenehmer, da sie gerade bei kleineren, aufzuspürenden Objekten deutlich präziser agierte. Leider ist sie nicht perfekt: Das Bewegen des Bildausschnitts durch Ziehen mit dem Touchpen erweist sich stellenweise als etwas hakelig und die an sich lobenswerte Notizfunktion, mit der ihr auf zwei bildschirmgroßen Seiten kleine Anmerkungen und Puzzle-Hilfen aufnehmen könnt, verfügt kurioserweise über eine spürbare Eingabeverzögerung. Kurze Punkteingaben werden dabei gar nicht erst registriert. Da es schon nicht allzu viel zu steuern gibt, fällt dieses Manko natürlich erst recht auf. Außerdem könnt ihr euch die Notizen und andere Hinweise nicht mehr auf den oberen Bildschirm legen lassen, während ihr ein Puzzle bewältigt.

Grafik:
Zero Time Dilemma hat sich endgültig vom in 999 begonnenen Visual-Novel-Stil verabschiedet und setzt stattdessen voll und ganz auf dreidimensional animierte Zwischensequenzen, die gelegentlich auch mal ziemlich ausufern. Während die Charaktermodelle an und für sich für 3DS-Verhältnisse technisch gut aussehen, sofern man die häufigen Matschtexturen auf Kleidungsstücken und das Kantenflimmern ignoriert, lassen die Animationen und beizeiten auch das Charakterdesign zu Wünschen übrig. Viele Bewegungen wirken furchtbar steif, einige Gesichtszüge albern und unnatürlich. Zudem bedeutet der Umstieg auf diese Sequenzen nun, dass ihr zwar jederzeit euren Spielstand sichern könnt, beim Laden jedoch an den Anfang der Szene zurückgesetzt werdet. Aller Kritik zum Trotz funktioniert die neue Erzählperspektive allerdings und macht gerade die dynamischeren Action-Szenen deutlich mitreißender. Einen 3D-Tiefeneffekt sucht man übrigens vergebens. Schade eigentlich, wo wir doch dieses Mal tatsächliche 3D-Modelle auf dem Bildschirm haben.

Sound:
Zu einem bedrückenden Szenario gehört eine ebenso bedrückende Klangkulisse. Die ist mit dem gelungenen Soundtrack des Spiels zweifelsohne gegeben und vermittelt euch gelungen die schier auswegslose Situation, in der sich die Teilnehmer befinden. Kommt es zur Puzzle-Phase, wird das musikalische Thema wiederum aufbrausender, treibender. Das stachelt an. Eher gemischt nehmen wir die englische Sprachausgabe auf. Zwar sind lobenswerterweise alle Dialoge in den Zwischensequenzen vollständig vertont, die Qualität der Performance schwankt nur leider stark. Das macht gewisse Szenen auch schon mal unfreiwillig komisch, gerade in Kombination mit den bereits erwähnten, etwas steifen Animationen. Wer sich lieber auf Japanisch zuquasseln lassen möchte, kann dies übrigens alternativ ebenfalls tun.

Fazit:
Ist Kotaro Uchikoshi nun also mit Zero Time Dilemma ein würdiger Abschluss für die im Vorgänger eingeleitete Geschichte und damit auch für Zero Escape insgesamt geglückt? Trotz einiger Probleme, die wir hier erörtert haben, finden wir: Ja! Klar kann man sich darüber monieren, dass der Einstieg vielleicht etwas zu wirr ist und der Geschichte gegen Ende ein wenig die Puste ausgeht. Oder dass die Rätsel entweder in die Kategorie „relativ einfach“ oder „unintuitiv lösbar“ fallen. Und auch an den Animationen für die Zwischensequenzen hätte man definitiv feilen können. Dennoch liefert das Spiel Antworten auf die wichtigsten Fragen, die uns Virtue's Last Reward hinterließ, und gerade der Mittelteil ist so unheimlich spannend geworden, dass wir unseren 3DS gar nicht mehr aus der Hand legen wollten. Das Gefühl der Aufregung, wenn die ersten Geheimnisse gelüftet werden und die Teile des Puzzles langsam ihren Platz einnehmen, ist eine der großen Stärken des Adventures. Die im Vergleich zum Vorgänger wieder deutlich bodenständigeren Charaktere lassen euch zudem mitfühlen, an ihren Schicksalen teilhaben – und sie stärken euren Wunsch, einen Ausweg aus dem Entscheidungsspiel zu finden. Als Fan der Reihe sollte man hier ohnehin ungesehen zuschlagen, keine Frage. Wenn ihr neu an Bord seid, empfehlen wir euch vorher zumindest einen Blick auf Virtue's Last Reward zu werfen, um dann die voraussichtlich letzte Flucht in vollen Zügen genießen zu können.

Hat nun einiges an Schlaf nachzuholen: Tjark Michael Wewetzer [Alanar] für Planet3DS.de

Leserwertung:

Noch keine
Deine Wertung:

-
Eine hochspannende Erzählung erster Güte, deren fragmentierte Struktur Stärke und Schwachpunkt zugleich ist.

Wertung

STORY:

8.0

RÄTSEL:

7.0

CHARAKTERE:

8.0
8
von 10

Treibende Handlung…

Komplexe Erzählung lädt zum Mitdenken ein

Interessanter Perspektivenwechsel

Rätsel lockern die Geschichte gekonnt auf

Dynamischere Zwischensequenzen

Nahezu komplett vertont

Japanische und englische Tonspur enthalten

…die gen Ende an Fahrt verliert

Nicht alle Puzzles intuitiv lösbar

Eingabeverzögerungen bei der Notizfunktion

Steife Animationen

Qualität der engl. Sprachausgabe schwankt

Keine deutschen Texte

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