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Spielname:
Shin Megami Tensei IV

Typ:
3DSWare Spiel

eShop Preis:
19,99 €

Publisher:
Atlus

Developer:
Atlus

Genre:
Rollenspiel

Release:
30.10.2014 (erschienen)

Multiplayer:
nicht vorhanden

Altersfreigabe:
Frei ab 12 Jahre

Screenshots:
Spiel mögen:

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Review: Shin Megami Tensei IV

Tjark Michael Wewetzer, 13.11.2014

8402°

6

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Dass wir das noch erleben dürfen! Nach über einem Jahr absolutem Stillschweigen, das nach der Europa-Ankündigung im Rahmen einer Nintendo-Direct-Ausgabe folgte, ist Shin Megami Tensei IV doch tatsächlich noch bei uns erschienen. Leider zwar „nur“ als Download-Fassung im eShop und lediglich in englischer Sprache, dafür aber auch zum Preis von 19,99 Euro. Nach all der Wartezeit hat sich aber natürlich auch eine gewisse Erwartungshaltung aufgebaut - schließlich möchte man nicht das letzte Jahr völlig umsonst auf ein Lebenszeichen gewartet haben, nur um beim ersten Spielstart eine bittere Enttäuschung zu erleben. Warum das Rollenspiel aus dem Hause Atlus zwar mächtig eigenwillig ist und doch (oder vielleicht gerade deswegen) eure Aufmerksamkeit verdient, verraten wir euch in unserem Test.

Neugier ist der Katze Tod
Ganz fernab von irgendwelchen Apokalypsen startet ihr eure Reise im fernöstlichen Königreich von Mikado, wo ihr eure Prüfung zum Samurai ablegt – ein Ritual, dem sich unzählige Jünglinge regelmäßig unterziehen und dessen Bestehen nur wenigen vergönnt ist. Ihr zählt glücklicherweise zu diesen Auserwählen und kämpft für eine dämonenfreie Welt. Dass es dabei nicht bleibt, dürfte einigen angesichts des Titels dieses Spiels schon von vornherein klar sein. Eines Tages taucht nämlich ein mysteriöser schwarzer Samurai auf, der den Frieden gefährdet und sein Lager augenscheinlich im Herzen des örtlichen Dämonenhorts, eine als Naraku bekannte Höhle, aufgeschlagen hat. Ihr nehmt die Verfolgung auf und stolpert dabei in einen Konflikt, der je nach eurem Verhalten gegenüber den Bewohnern der Welt verschiedene Ausgänge haben kann.

Allerdings benötigt ihr alleine schon zum Erreichen dieses Punktes einiges an Durchhaltevermögen. Shin Megami Tensei IV ist nämlich gnadenlos. Allein während des Tutorials können unaufmerksame Spieler bereits sehr schnell das Zeitliche segnen. Zunächst einmal erlernt ihr nämlich eines der Kern-Features der Reihe: Die Verhandlungen mit den Dämonen. So könnt ihr im Kampf euren Zug dazu verwenden, mit einem der Gegner einen Plausch zu starten und ihn mit etwas Geschick (oder reinem Glück bei den Multiple-Choice-Antworten) auf eure Seite ziehen. Menschliche Mitstreiter gibt es zwar auch, diese mischen aber eher als zufällig eingesetzte und von der K.I. gesteuerte Gastkämpfer mit. Euren kleinen Dämonen-Zoo hingegen könnt ihr direkt befehligen und bei Bedarf sogar durch andere groteske Gestalten auf eurer Ersatzbank austauschen.

Was daran jetzt eigentlich so schwer sein soll, dass man bereits in den ersten Spielminuten Bekanntschaft mit dem Fährmann der verlorenen Seelen machen kann? Das liegt vor allem am rundenbasierten Kampfsystem selbst. Bei dem sogenannten Press-Turn-System bekommen beide Seiten bei ihrem Zug je eine Aktion pro aktivem Team-Mitglied zugesprochen. Das Kontingent lässt sich jedoch schnell verdoppeln, indem man gezielt auf die Schwächen der Gegner eingeht. Fackelt man beispielsweise den grinsenden Schneemann Jack Frost ab, wird euch eine Zusatzaktion für den Spielzug gutgeschrieben. Umgekehrt verliert ihr eine Aktion, wenn euer Angriff seine Wirkung verfehlt, absorbiert oder geblockt wird. Die Regeln gelten selbstverständlich auch für eure Gegner, weswegen ihr bei der Auswahl eurer Dämonen und Ausrüstung tunlichst dafür sorgen müsst, eure Schwächen zu minimieren. Andernfalls braucht es nur eine missglückte Verhandlung, bei der das Spiel direkt zum Zug des Gegners springt, oder einen unglücklichen Überraschungsangriff und schon liegt ihr in der Kiste. Abseits von HP-Boosts und Stärkungszaubern gibt es zudem keine Möglichkeiten, eure Verteidigung zu stärken – ein dazugehöriger Statistik-Wert existiert nämlich schlichtweg gar nicht.

Hart aber fair
Macht das Shin Megami Tensei IV nun zu einem unfair schweren Dungeon Crawler? Mitnichten! Trotz des fordernden Schwierigkeitsgrads bleiben die meisten Gefechte in einem fairen Rahmen. Wenn man erst einmal weiß, wo etwa die Bosse ihre Schwächen haben und wie ihr eure Hilfsmittel in Item- oder Skill-Form einzusetzen habt, wird jede noch so harte Herausforderung knackbar. Zudem könnt ihr euren Charakter mit beim Levelaufstieg erhaltenen Statistik-Punkten quasi nach euren Wünschen stärken: Wollt ihr euch lieber auf Nahkampf-Fertigkeiten konzentrieren? Dann investiert in Stärke. Oder schlägt euer Herz doch eher für die diversen Zauber des Spiels? Dann wäre der Magie-Wert eure Anlaufstelle. Die dazugehörigen Skills müssen allerdings von Dämonen erlernt werden. Haben diese nämlich alle für ihre Spezies verfügbaren Fertigkeiten erlangt, was in der Regel nach wenigen Levelaufstiegen der Fall ist, könnt ihr einige von ihnen für euer persönliches Repertoire übernehmen oder bereits vorhandene stärken. Danach könnt ihr eure teuflischen Begleiter gleich zur Fusion weitergeben und zu anderen, stärkeren Kreaturen mit brandneuen Skills verschmelzen lassen.

Ihr seht also, es gibt einige Tricks, mit denen ihr den schwierigen Kämpfen Herr werden könnt – wobei das Spiel nach dem knallharten Einstieg dank der zunehmenden Vielfalt der euch zur Verfügung stehenden Dämonen spürbar einfacher wird. Es gibt auch keine Zufallsbegegnungen, um die ihr euch Gedanken machen müsst. Sämtliche Feinde sind als schemenhafte Würfelgebilde bei euren Märschen durch die Straßen und Höhlen sicht- und häufig sogar umgehbar. Sollte euch das als Hilfe noch nicht reichen, hat Atlus zwei weitere Gnaden-Features implementiert. Wir sprachen vorhin von einem Fährmann der verlorenen Seelen. Das war keine Metapher! Beißt ihr ins Gras, trefft ihr auf den Dämonen Charon, welcher praktisch in Arbeit ertrinkt und euch daher gegen eine gewisse Gebühr – bezahlbar in Ingame-Geld oder mit 3DS-Spielmünzen – wieder ins Leben holen kann. Nach einigen Fehlversuchen schaltet ihr zudem einen niedrigeren Schwierigkeitsgrad frei, welcher die Gegner deutlich abschwächt und euch mit einer Vielzahl von kleinen Heilgegenständen eindeckt. Zusammen mit der Option, praktisch jederzeit außerhalb von Kämpfen im Spielmenü speichern zu können, halten sich die Frustmomente hier trotz der Herausforderung insgesamt also in Grenzen.

…und wo muss ich jetzt hin?
Selbiges kann man allerdings nicht über die Story oder eher die Bewältigung dieser sagen. So begeistert der Einstieg zwar ungemein, sobald man aber die Welt des schwarzen Samurais erreicht, bricht das Gerüst spürbar in sich zusammen. Bevor es mit der Haupthandlung weitergeht, wollen scheinbare Nebengeschichten erledigt werden, deren Bezug zum Großen und Ganzen auf den ersten Blick alles andere als ersichtlich ist. Beispielsweise sollt ihr früh im Spielverlauf eine scheinbar wichtige Basis aufsuchen. Nachdem ihr die erreicht habt, wird die dazugehörige Quest jedoch schon als abgeschlossen deklariert und der Handlungspunkt komplett fallengelassen. Das sorgt für ein etwas fragmentiert wirkendes Spielerlebnis und in Kombination mit der etwas wirr wirkenden Weltkarte, die ihr im Spielverlauf bereisen müsst, kann es beizeiten auf die Motivation drücken. Immerhin gönnt man euch dafür ein gewisses Maß an Handlungsfreiheit, sodass ihr eurem Erkundungsdrang nachgehen könnt.

Das wird vor allem bei den zahlreichen Nebenquests wichtig. In Tavernen und Bars könnt ihr nämlich Aufträge an Land ziehen, die sich über das Spielmenü jederzeit aufrufen lassen. Das können einfache Lieferaufträge sein, aber auch Kampf-Herausforderungen mit Minibossen und Eskort-Missionen stehen auf dem Programm. Gerade wenn ihr bei der Haupthandlung aufgrund eines mächtigen Gegners mal hängen bleibt, lohnt sich das Absolvieren dieser Quests – dabei springen durchaus hilfreiche Stärkungs-Items, Rüstungsteile oder einfach nur Geld und ein Stapel Erfahrungspunkte für euch raus. Außerdem lassen sie euch teilweise noch tiefer in die mysteriöse Welt eintauchen, die im Zentrum von Naraku auf euch wartet.

Steuerung:
Wie es sich für ein Rollenspiel mit rundenbasierten Gefechten gehört, ist die Tastenbelegung weitestgehend eingängig und bei der Navigation durch die düsteren Gebiete wird euch nicht sonderlich viel Fingerfertigkeit abverlangt. Über die X-Taste könnt ihr höchstens zu einem Initiativangriff ausholen und eurem Gegner noch vor dem ersten richtigen Spielzug Schaden zufügen. Ein paar gewöhnungsbedürftige Eigenheiten gibt es aber dennoch. So sind recht viele verschiedene Tasten notwendig, wenn ihr einem Dämonen bei der Fusion Skills nach eigenem Ermessen anstelle von vorgefertigten Empfehlungen verpassen wollt. Kurioserweise könnt ihr zudem bei euren Streifzügen durch die Welt nur dann irgendwo hinauf- oder runterklettern, wenn ihr zuvor mit dem Steuerkreuz euren Blickwinkel anpasst. An diese Kleinigkeiten habt ihr euch aber ruck-zuck gewöhnt.

Grafik:
Ähnlich wie sich der Story-Verlauf manchmal etwas ungleichmäßig anfühlt, ist es auch um die optische Aufmachung bestellt. Atlus verlässt sich nämlich auf einen Mix aus 2D-Dämonen in den Kämpfen und 3D-Arealen, durch die ihr marschiert. Leider sieht man bei den Monster-Artworks, dass einige schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben – direkt neben den neueren Pendants wirkt das unschön. Von diesen Ungereimheiten abgesehen schafft es das Spiel jedoch wunderbar, eine bedrückend-düstere Atmosphäre auf euren 3DS-Bildschirm zu zaubern. Auch der 3D-Tiefeneffekt wirkt bei den Erkundungen nett. In den Kämpfen jedoch kommt die Ebenenspielerei praktisch gar nicht zur Geltung.

Sound:
Und was gehört zu einem finsteren Szenario wie dem von Shin Megami Tensei IV dazu? Natürlich der passende Soundtrack! Die musikalische Untermalung ist ohne jeden Zweifel gelungen und unterstreicht die Atmosphäre hervorragend. Wir empfehlen allerdings unbedingt den Gebrauch von Kopfhörern. Shin Megami Tensei IV ist nämlich eines dieser Spiele, deren Klangkulisse mit den schwachen Lautsprechern des 3DS nicht ganz so gut rüberkommt wie sie sollte. Ach ja, natürlich gibt es bei den zahlreichen Dialogen auch englische Sprachausgabe. Die kann sich auch größtenteils hören lassen, eine japanische Ausweich-Tonspur für Freunde des O-Tons gibt es allerdings leider nicht.

Fazit:
Ähnlich wie der Titelbildschirm mit seiner prominenten Aufteilung in Schwarz und Weiß einen Zwiespalt vorahnen lässt, ist es auch ein wenig um Shin Megami Tensei IV selbst bestellt. Das Rollenspiel von Atlus vermengt nämlich stilistische Elemente moderner und klassischer Titel der Reihe und wirkt dabei stellenweise auch unschön zusammengesetzt. Die Story in der ersten Hälfte fühlt sich beispielsweise seltsam fragmentiert an, einige Dämonen-Designs sind hoffnungslos veraltet und die Erkundung der zunächst etwas undurchschaubar wirkenden Weltkarte ist noch längst nicht so schön wie das Durchkämmen der düsteren Gebiete, die ihr hautnah durchstreift. Und doch machen vielleicht diese Eigenheiten in Kombination mit dem knallharten Kampfsystem ja den Reiz des Spiels aus - denn neben den zahlreichen NPC-Dialogen sind es vor allem die Gefechte, die das Gefühl eines wahren Überlebenskampfes gekonnt vermitteln. Es ist fast schon erstaunlich, dass trotz der hohen Einstiegshürde selten wirklicher Frust aufkommt – immerhin darf jederzeit gespeichert werden und wenn ihr mal wirklich partout nicht weiterkommt, könnt ihr auch auf einen einfacheren Schwierigkeitsgrad ausweichen. Kurzum: Shin Megami Tensei IV ist ein zweischneidiges Schwert. Aber es ist eines, das man unbedingt mal erlebt haben sollte und mit dem man viele Stunden Freude haben kann!

Würde in einer echten Apokalypse keine zwei Minuten bestehen: Tjark Michael Wewetzer [Alanar] für Planet3DS.de

Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung des Reviewcodes.

Leserwertung:

Noch keine
Deine Wertung:

-
Knallhartes, düsteres RPG mit ungewöhnlichen Eigenheiten, die es aber erst recht spielenswert machen.

Wertung

STORY:

7.0

SPIELWELT:

8.0

HERAUSFORDERUNG:

9.0
8
von 10

Fordernder Schwierigkeitsgrad…

…mit Zugeständnissen für Einsteiger

Viele Anpassungsmöglichkeiten

Vielfältiges Dämonen-Repertoire

Atmosphärische Umgebungen

Reichlich Nebenbeschäftigungen

Gelungene Soundkulisse

Ein erfrischend eigenwilliges RPG

Trotz Hilfen vllt. ZU gnadenloser Anfang

Einige Story-Hänger

Stilistische Ungereimtheiten

Teils veraltete Kreaturen-Designs

Keine deutschen Texte

Wie werten wir?

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6 Kommentare