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Spielname:
Phoenix Wright: Ace Attorney - Spirit of Justice

Typ:
3DSWare Spiel

eShop Preis:
29,99 €

Publisher:
Capcom

Developer:
Capcom

Genre:
Adventure

Release:
08.09.2016 (erschienen)

Multiplayer:
nicht vorhanden

Altersfreigabe:
Frei ab 16 Jahre

Screenshots:
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Phoenix Wright: Ace Attorney - Spirit of Justice

Review: Phoenix Wright: Ace Attorney - Spirit of Justice

Tjark Michael Wewetzer, 12.09.2016

2713°

5

Test mögen: Weitersagen:

Wer sich den lieben langen Tag für seine Klienten einsetzt und dabei nicht selten hoffnungslosen Situationen ins Auge blickt, hat hin und wieder auch mal etwas Urlaub verdient. Genau den gönnt sich der Anwalt Phoenix Wright zu Beginn von Phoenix Wright: Ace Attorney – Spirit of Justice, aber man kennt das Spielchen: Erstens kommt alles anders und zweitens als man denkt. Es wird erwartungsgemäß also alles andere als ruhig, denn um Phoenix' Reiseziel ranken sich so einige Geheimnisse. Im Laufe unseres Tests sind wir diesen auf die Schliche gekommen und verraten, ob sich der nunmehr sechste Teil des Gerichtsdramas lohnt.

Wie weit würdest du gehen, um deinen Klienten zu verteidigen?
Wohin es unseren Lieblingsanwalt mit der markanten Igelfrisur verschlagen hat? Ins beschauliche Königreich von Khura'in, wo Phoenix' alte Weggefährtin Maya ihre Ausbildung zum Geistermedium abschließt. In der ersten Episode des Spiels wird der vermeintlich kurze Höflichkeitsbesuch allerdings schnell wieder ernst, denn der junge Fremdenführer Ahlbi Ur'gaid, der unserem Protagonisten zuvor noch die Hauptstadt zeigte, wird flugs des Mordes an einem Wachmann bezichtigt. Im Gerichtssaal stellt Phoenix mit Entsetzen fest, dass es bei der Verhandlung keinen Strafverteidiger gibt – was der gutherzige Anwalt natürlich nicht einfach so durchgehen lässt. Die Gründe dafür werden im Laufe der Verhandlung jedoch schnell ersichtlich: Dank einer mysteriösen Séance, durch die man die letzten Momente von Mordopfern aus ihren Augen erleben kann, seien klassische Gerichtsverfahren unnötig, der radikale Defense Culpability Act schreckt zudem jeden potentiellen Anwalt ab. Warum? Na, weil der verantwortliche Strafverteidiger mitschuldig gesprochen wird, sollte sein Klient verurteilt werden – mit einer gleichwertigen Strafe. Und hatten wir erwähnt, dass in Khura'in noch immer die Todesstrafe verhängt werden kann?

Schon allein in der ersten Episode zeigt Ace Attorney: Spirit of Justice damit auf, was eigentlich alles auf dem Spiel steht. Die Visual Novel mit leichten Adventure-Elementen weckt auf diese Weise aber auch Interesse: Was ist der Grund für dieses barbarische Gesetz? Hängt es damit zusammen, unter welch schlechten Ruf Anwälte in diesem fremden Land leiden? Und sind die Séancen wirklich ausreichend, um ein faires Urteil zu erlauben? All das wird zu Beginn nur angeschnitten, im Laufe der restlichen Episoden des Spiels folgen aber regelmäßig Antworten. Aufmerksame Rätselfreunde können sich einige der Plotpunkte im Laufe des rund 35 bis 40 Stunden tragenden Spiels auch schon selbst zusammenreimen, doch sogar dann wird die letzte Episode sicherlich auch für euch noch einige Überraschungen im Schlepptau haben. Hinzu kommt, dass Spirit of Justice einige Dinge erfrischend anders angeht, als es für die Ace Attorney-Reihe üblich ist, aus Spoilergründen wollen wir an dieser Stelle aber nicht ins Detail gehen.

Feldversuche mit allem, was die Anwaltskammer zu bieten hat
Auch wenn Teil 6 in Sachen Handlung teils neue Wege einschlägt, beim eigentlichen Gameplay bleibt im Großen und Ganzen alles beim Alten. In der Ermittlungsphase klappern wir nach und nach alle uns zur Verfügung stehenden Gebiete nach Hinweisen ab und befragen gelegentlich anwesende Personen. Die Marschrichtung ist dabei in der Regel deutlich vorgegeben, eine automatische Notizfunktion weist euch zudem in die richtige Richtung, solltet ihr bei den recht linearen Ermittlungen doch mal verloren gehen. Zwar könnt ihr euch dabei häufig immer noch recht frei bewegen, Interaktionspunkte gibt es dennoch nur an einer oder maximal zwei Stellen – die nächste wird erst freigeschaltet, wenn ihr alles Bisherige abgeklappert habt.

Auf diese Weise fühlen sich die immer wieder eingestreuten Minispiele leider etwas unbefriedigend an. So bringen Phoenix und sein heißblütiger Lehrling Apollo Justice zwar wieder ihre speziellen Fähigkeiten mit, dank der strikten Linearität wisst ihr allerdings schon von Anfang an, dass ihr die damit verbundenen Rätsel sofort knacken könnt. Kam es zum Beispiel beim Lösen von psychischen Blockaden in früheren Spielen noch dazu, dass ihr erst später wiederkommen musstet, bis ihr die nötigen Beweise für die Schlösser habt, könnt ihr in Spirit of Justice jede Hürde beim ersten Anlauf überwinden. Überhaupt fühlen sich manche der Aufgaben – gerade das Untersuchen von Objekten mit dem Touchscreen oder forensische Ermittlungsmethoden, bei denen ihr mit Luminol nach Blut sucht – leidlich unterfüttert an, was wohl der hohen Anzahl an verschiedenen Minispielen geschuldet ist. Es sind nämlich so ziemlich alle aus den bisherigen Spielen mit an Bord und ein neues, auf das wir später zurückkommen werden, ist ebenfalls am Start. Eine anständige Lernkurve mit zunehmendem Schwierigkeitsgrad kommt da leider nur in den wenigsten Fällen bei rum, immerhin sind dafür ein Großteil der dazugehörigen Tutorials für Veteranen und Wiederholspieler überspringbar.

Beweise, Wendungen, Sensationen!
Sind alle Beweisstücke gesichert, geht es in das Kernstück der Ace Attorney-Reihe über: Die Gerichts-Phase! Hier ist es eure Aufgabe, die Unschuld eures Klienten zu beweisen – und das ist nicht selten ein richtig langer und harter Kampf! Im Prinzip folgt ihr einer sehr langen Verkettung von Dialogen, die hin und wieder von kompakten Zeugenaussagen unterbrochen wird. Dann geht es zum Kreuzverhör über, wo ihr die Zeugen unter Druck setzt, um neue Details zu erfahren. Fällt euch ein Widerspruch zu einem eurer gesammelten Beweise ein? Mit einem beherzten „Einspruch!“ könnt ihr dies aufzeigen. Die Rätsel sind dabei teilweise schon ziemlich tückisch und erfordern eine gute Auffassungsgabe. Frust kann aber leider trotzdem noch aufkommen, denn in ganz wenigen Fällen ist die Lösung nicht so eindeutig, wie sie sein sollte. Immerhin dürft ihr – ganz wie im Vorgänger Dual Destinies - nach ein paar Patzern euren Partner auf der Anwaltsbank um Rat fragen und euch so einen kleinen Tipp abholen.

Neu im Gerichtsverfahren – zumindest in denen von Khura'in – ist die Séance. In Form einer kurzen Zwischensequenz erlebt ihr die letzten Sekunden des Opfers und müsst diese mit einer Interpretation der jungen Priesterin Rayfa abgleichen. Fällt euch etwas auf, was nicht so recht zur Faktenlage passt, gilt es, das entsprechende Statement auszuwählen und den Widerspruch im pausierbaren Filmchen aufzuzeigen. Das Verfahren dient in der Regel als Ersatz für die Zeugenaussage des zuständigen Ermittlers und fügt sich gut in den Prozess ein – eine willkommene Abwechslung im dialoglastigen Anwalts-Alltag. Um dieses Feature schneidern die Macher einige interessante Puzzles, auch wenn selbst diese in ganz seltenen Fällen nicht immer einhundertpozentig eindeutig sind. Die Gerichts-Therapie von Psychologin Athena Cykes, bei der ihr Emotionen mit Aussagen vergleicht, ist übrigens auch wieder mit von der Partie - da die Dame in Spirit of Justice allerdings eine entscheidend geringere Rolle spielt, kommt dieses Verfahren leider sehr selten zum Einsatz.

Steuerung:
Da ihr euch primär durch Textboxen klickt, gibt es meistens außer stetiger A-Taste-Malträtierung nicht sonderlich viel für euch zu tun. Bei den Ermittlungen dürft ihr aber auch Tatorte mit dem Circle Pad nach Hinweisen abgrasen, was dank einer leichten Eingabeverzögerung nicht ganz so geschmeidig funktioniert, wie es sollte – bloß gut, dass das Spiel so gut wie nie absolute Präzision voraussetzt. Und selbst wenn doch, dann könnt ihr den Fingerzeiger auf dem 3D-Bildschirm auch per Stylus-Bewegung auf dem Touchscreen bewegen, was deutlich angenehmer funktioniert.

Grafik:
Schon Dual Destinies hinterließ mit seinen detaillierten Umgebungen und gelungenen Charaktermodellen einen guten Eindruck, Spirit of Justice steht diesem in nichts nach. Die Areale – ob wüste Tatorte, malerische Tempelgelände oder der mystisch angehauchte Gerichtssaal von Khura'in – laden zum Staunen ein, während die Figuren mit ihren verspielten, ausführlichen Animationen richtig lebendig wirken. Selbst sich ständig wiederholende Animationsphasen wirken dank der Detailverliebtheit selten nervig. Leider geht all das ein wenig zu Kosten der Bildrate, die gerade bei den 3D-Zwischensequenzen sichtbar niedriger ausfällt. Apropos 3D: Während der stereoskopische Tiefeneffekt bei den Umgebungen in der Regel weiterhin gut rüberkommt, wirkt er gerade in den Cutscenes schlichtweg enttäuschend – entweder fällt er nämlich so überhaupt nicht auf oder er zeichnet sich durch Ebenenfehler aus, dank derer schon mal eine Person in der Luft schweben kann.

Sound:
Das Drama im Gerichtssaal wäre nichts ohne seinen famosen Soundtrack und so einen weiß auch Spirit of Justice vorzuweisen. Fans werden sofort die Kennmelodien diverser Charaktere wiedererkennen, diverse weitere altbekannte Songs wurden neu eingespielt und auch die neuen Musikstücke können durch die Bank weg überzeugen. Gerade bei den Prozessen sorgt die musikalische Untermalung richtig für Stimmung: Der zunehmend energetischere Soundtrack bringt euer Blut in Wallung, wenn ihr der Wahrheit auf die Schliche kommt, während eine verräterische Stille gefolgt von bedrohlichen Klängen unliebsame Wendungen vorausahnen lässt. An der Sprachausgabe hat man allerdings weiterhin gespart. Nur wenige, ausgewählte Zeilen der englischen Texte sowie die Anime-Zwischensequenzen sind in englischer Sprache vertont – und natürlich die „Einspruch!“-Rufe der Anwälte.

Fazit:
Phoenix Wright: Ace Attorney – Spirit of Justice mag auf den ersten Blick wie eine routinierte Fortsetzung der Adventure-Reihe von Capcom wirken. Und allein aufs Gameplay runtergebrochen ist das natürlich auch wahr, denn das Spiel nimmt am grundlegenden Ablauf praktisch keine Änderungen vor. Noch immer klickt ihr euch recht linear durch umfassende Dialoge und untersucht einen Ort nach dem anderen, bis ihr das nächste Ereignis auslöst. Die gesammelten Minispiele aus allen vorherigen Ace Attorney-Hauptteilen sorgen dabei zwar für Abwechslung, erscheinen durch diese schiere Masse aber auch ein wenig flach und vereinfacht. Doch lasst euch davon nicht täuschen, denn der sechste Teil der Reihe zeigt schnell, dass er die Dinge in Sachen Story merklich anders angeht. Das Königreich von Khura'in mit seinem drakonischen, strafverteidigerfeindlichen Gesetz bietet einen spannenden Hintergrund für die neuen Fälle, welche einige vernachlässigte Figuren zudem so richtig erstrahlen lassen. Die Ereignisse laden zum Mitdenken ein und auch wenn man einige Wendungen mit etwas Aufmerksamkeit bereits voraussehen kann, zaubert Spirit of Justice nur zu gerne Details aus dem Hut, die man nicht kommen sehen hat. Zudem sind die Knobeleien, mit denen ihr es im Gerichtssaal zu tun bekommt, trotz kleinerer Stolpersteine moderat anspruchsvoll und unterfordern nur selten. Anfänger wie Veteranen kommen hier also voll und ganz auf ihre Kosten, weswegen wir euch die neuen Fälle der Wright-Alles-Agentur wärmstens ans Herz legen können!

Setzt sein Leben für die Wahrheit aufs Spiel: Tjark Michael Wewetzer [Alanar] für Planet3DS.de

Vielen Dank an Capcom für die freundliche Bereitstellung des Reviewcodes.

Leserwertung:

Noch keine
Deine Wertung:

-
Spannende Fälle, gelungene Rätsel, liebenswürdige Charaktere: Ein Prozess, für den es sich zu kämpfen lohnt!

Wertung

STORY:

9.0

RÄTSEL:

8.0

PRÄSENTATION:

8.0
8
von 10

Spannende Fälle, die laufend zum Mitdenken einladen

Interessantes Setting

Anständiger Schwierigkeitsgrad

Reichlich Umfang

Herrlich detailverliebte Charaktere

Bildhübsche Umgebungen

Antreibender Soundtrack

Stellenweise ausufernde Dialoge

Einige Minispiele wirken unausgereift

Kleinere Technik-Macken

Sehr wenig Sprachausgabe

Keine deutsche Übersetzung

Wie werten wir?

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5 Kommentare