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Sonstiges: Im Gericht mit der Realverfilmung von Phoenix Wright: Ace Attorney

Denis Wewetzer und Tjark Michael Wewetzer, am 23.06.2013, Seite 1 von 1

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Meine Damen und Herren, nehmen Sie bitte Platz. Das Gericht behandelt heute den Fall der Phoenix Wright: Ace Attorney-Realverfilmung. Ein bedeutender Fall, der die Anhängerschaft der demnächst fünfteiligen Adventure-/Visual-Novel-Reihe brennend interessiert - immerhin stehen die Verfilmungen von Videospielen praktisch nie unter einem guten Stern. Selten gibt es mal eine gelungene Ausnahme, doch die meisten erreichen höchstens das Prädikat „So schlecht, dass es schon wieder klasse ist“ oder schlicht und ergreifend „schlecht“. Kommt mit dem ohnehin auf die Handlung fokussierten GBA-Spiel aus dem Jahre 2001 bzw. dessen DS-Umsetzung von 2005 nun der Wandel?

Die Regie hinter dem Projekt ist dem Gericht nicht unbekannt. Takashi Miike hat als Skandal-Regisseur bereits einiges an Publicity ernten können. Seine bekanntesten Werke zelebrieren ungehemmte Gewalt und teils abstruse Geschichten. Damit mag er beileibe nicht der erste sein, der einem für die Film-Umsetzung einer Reihe von relativ handzahmen Krimi-Adventures in den Sinn kommt, doch selbstredend beschränkt sich seine Arbeit nicht nur darauf. So verhalf er zum Beispiel dem japanischen Superhelden-Duo aus Yatterman zu einem Leinwandauftritt und lieh dem Otter Johannes im Japan-exklusiven Animal Crossing-Spielfilm seine Stimme.

Ob Phoenix Wright: Ace Attorney in guten Händen war und das Publikum zu begeistern weiß oder ob man gut daran getan hätte, das Projekt gar nicht erst in Angriff zu nehmen: Dies soll diese Verhandlung klären. Ich übergebe das Wort an die Staatsanwaltschaft.



Wandel im Schnelldurchgang
Vielen Dank, euer Ehren. Wie Sie bereits erwähnt haben, handelt es sich bei dem Film um eine Adaption des ersten Ace Attorney-Videospiels. Er dreht sich um den aufstrebenden Anwalt Phoenix Wright, der sich anfangs natürlich noch ein wenig trottelig anstellt und auf die Hilfe seiner Mentorin Mia Fey angewiesen ist. Gleich bei Phoenix' zweitem Fall ist Mia allerdings das Opfer eines heimtückischen Mordes, ihre Schwester – das Geistermedium Maya – die Angeklagte und der brillante Staatsanwalt Miles Edgeworth Vertreter der Anklage. Schnell muss er also lernen, auf seinen eigenen Beinen zu stehen und vor Gericht selbstsicher seinen Klienten zu vertreten. Dass das alles andere als einfach ist, versteht sich von selbst.

Tatsächlich macht das bisher Beschriebene – eine Umsetzung der ersten beiden Fälle der Vorlage – lediglich die erste halbe Stunde des knapp mehr als zwei Stunden umfassenden des Films aus. Der Fokus liegt eindeutig auf dem vierten und zugegebenermaßen auch spannendsten Fall des Original-Ace Attorneys. Darin darf Phoenix nach seinen eher unglücklichen Anfängen zeigen, dass er tatsächlich das Zeug zu einem guten Anwalt hat und selbstsicher vor Gericht auftreten kann. Das muss er auch können, denn Staatsanwalt Manfred von Karma ist ein ernstzunehmender und gleichsam nobel wirkender Gegner, vor dem selbst Edgeworth allerhöchsten Respekt empfindet.

Stilistischer Wandel
Moment mal! Wollen Sie damit ernsthaft sagen, dass knapp fünf Stunden Material aus der Vorlage innerhalb von einer halben Stunde heruntergerattert werden? Das kann doch nicht gut enden! Zugegeben, wenn man ein textlastiges Adventure für einen Spielfilm adaptieren möchte, müssen irgendwo Federn gelassen werden. Ob das in diesem Fall wirklich klug war, darf jedoch angezweifelt werden. Innerhalb dieser ersten 30 Minuten schreitet die Handlung viel zu schnell voran, der Zuschauer kann den Ereignissen eher schwer folgen. Dieses Manko fällt vor allem dann auf, wenn man sich den auf dem vierten Fall beruhenden Rest ansieht, denn dieser bekommt die Ruhe, die er verdient. Klar, auch hier musste vieles gekürzt oder angepasst werden, damit es in die limitierte Spielzeit eines Films passt, doch man bekommt mehr Zeit, die Entwicklungen im Handlungsverlauf aufzunehmen.



Überhaupt fallen bei dieser Adaption so einige Ungereimtheiten ins Auge. Nehmen wir beispielsweise die grundsätzliche Atmosphäre des Werkes. Auf dem DS haben wir es mit einem Standard-Gegenwarts-Setting zu tun, welches nur durch sein ungewöhnliches Rechtssystem und Magie in Form von Geisterbeschwörung auffällt. Auf der Leinwand hingegen ist alles eine ganze Spur düsterer: Das Besuchszimmer der Strafanstalt? In Schatten getaucht und heruntergekommen. Der Gerichtssaal? Auf den ersten Blick normal, während der Verhandlung projiziert eine vielarmige Maschine Hologramme im Raum. Der überheblich wirkende, dauergrinsende Schmierlappen Redd White? Erinnert hier dezent an Ozzy Osbourne. Das wäre an und für sich gar nicht so schlimm, so ein kleiner, dystopischer Sci-Fi-Ansatz in einer Welt, in der die Verbrechensrate so hoch zu sein scheint, dass man ein Schnellverfahren für Gerichtsprozesse einführen musste. Allerdings ist die Crew um Regisseur Takashi Miike auf der anderen Seite der Vorlage zu sehr treu geblieben – genauer gesagt bei den Kostümen und einigen Gesten, die zwar im gezeichneten Manga-/Anime-Stil funktionieren mögen, in der Realität aber eher albern wirken. Phoenix' Igelfrisur ist dabei noch der glaubhafteste Teil. Es gibt immer wieder Situationen im Film, wo man über unfreiwillig komische Stellen lacht. Ohne zu viel vorwegnehmen zu wollen, werfe ich einfach mal das Wort „Vogelkäfig“ in den Raum. Wer den Streifen gesehen hat, wird wissen, worauf wir hier anspielen.

Wandel im Clownskostüm
Einspruch! Wer sagt denn, dass diese Komik unfreiwillig ist? Wir sprechen hier immerhin von Takashi Miike! Die von Ihnen zuletzt angesprochene Szene ist da wirklich ein Extrembeispiel, da sie inmitten einer höchstdramatischen Entwicklung vorkommt und zu Recht unpassend wirkt. Aber sonst? Die ungewöhnlichen Kostüme gehören zum Ace Attorney-Charme und die Charaktere wurden visuell zumindest ziemlich gut getroffen. Ja, mit der Zeit stört es einen sogar herzlich wenig, dass Edgeworth und von Karma wie Aristokraten im Gericht erscheinen und der Bart des Richters eindeutig unecht (wenngleich nicht weniger episch) wirkt. Auf der anderen Seite könnte man die visuelle Diskrepanz zwischen dem ernsten Setting und den comichaften Charakteren auch als Eigenheit des Films ansehen, die dem Werk erst eine eigene Seele, ja ihre Daseinsberechtigung gibt. Es ist das erste Ace Attorney, oder vielmehr das Finale eben jenen Spiels, neu, spannend und witzig zugleich erzählt.

Zumal die Kürzungen geschickt genutzt wurden, um die Umsetzung zu stärken. Man kann, wie die Verteidigung, damit argumentieren, dass die ersten Fälle der Vorlage zu kurz kommen. Auf der anderen Seite stellen sie die Charaktere, wie sie im Film vorkommen und auch die grobe Rahmenhandlung gekonnt vor. Die ersten fünf Minuten allein zeigen uns, auf welchem Niveau sich die beiden Hauptfiguren zu Beginn bewegen – Wright versagt beinahe bei seiner ersten Gerichtsverhandlung, bis Mia ihm mit einem rettenden Beweis aus der Patsche hilft, während Edgeworth parallel die Schuldige in einem anderen Mordprozess gekonnt überführt. Gleichermaßen werden wir mit dem Justizsystem vertraut gemacht und erleben in den darauffolgenden 30 Minuten, wie sich eben jene Kontrahenten im Gericht gegenüberstehen. All dies in Kombination mit kleinen erzählerischen Details wird dazu genutzt, den Bogen zum großen Showdown zwischen Wright und von Karma zu spannen.



Wandel der Sprache
Einspruch! Alle Punkte in Ehren, aber müssen wir uns dieses Werk nun wirklich schönreden? Es ist ja nicht nur der Ablauf und das Setting, das merkwürdig auffällt. Speziell die deutsche Version lässt leider einiges zu wünschen übrig. Die Sprecher klingen in ihren Rollen nämlich alles andere als überzeugend. Auch wenn Sie damit argumentieren könnten, dass dies zur Gesamtstimmung des Films passen möge, wäre es dennoch kein objektives Qualitätsmerkmal. Immerhin bietet die DVD auch die japanische Tonspur mit deutschen Untertiteln. Lobend muss bei der gesamten deutschen Version allerdings erwähnt werden, dass man bis auf in zwei, drei vernachlässigbaren Ausnahmen komplett auf den Lokalisierungsstil der DS-Spiele zurückgegriffen hat, so wie sie in Deutschland erschienen sind. Soll heißen: Phoenix Wright heißt auch Phoenix Wright und nicht Ryuichi Naruhodou.

Was bleibt, ist dennoch ein Film von eher gemischter Qualität, der sich teils zu sehr von der Vorlage abhebt und an anderen Stellen wieder nicht genug. Zusammen mit dem seltsamen Pacing – erst geht es viel zu zügig voran, danach schreitet der Plot nur langsam vorwärts – und anderen Kleinigkeiten kann man hier einfach nicht von einem rundum gelungenen Streifen sprechen. Er mag noch gut bzw. überdurchschnittlich sein und weit entfernt von 08/15-Material wie Doom oder Schund der Marke Mortal Kombat: Annihilation, aber es ist noch reichlich Raum nach oben. Oder wie sehen Sie das, euer Ehren?

Genug gewandelt
Beide Seiten haben viele nachvollziehbare Argumente vorbringen können. Leider sehe ich mich nicht in der Lage, das Urteil allein zu fällen. Deswegen habe ich zwei Personen hierher beordert, die aus ihrer Sicht schildern werden, ob der Film gelungen ist oder nicht. Auf der einen Seite haben wir jemanden, der sämtliche in Europa erschienenen Ableger der Videospielvorlage ausgiebig gespielt hat. Der andere ist nur flüchtig mit der Marke vertraut. Ich gebe hiermit das Wort an die beiden ab.



Urteil eines Ace Attorney-Fans
Als die Verfilmung von Phoenix Wright: Ace Attorney angekündigt wurde, freute ich mich einerseits, war aber selbstredend auch ein wenig vorsichtig. Man kennt ja das Leid mit den Videospielfilmumsetzungen. Was Takashi Miike hier auf die Leinwand gezaubert hat, kann sich allerdings sehen lassen. Zwar nahm man sich bei der Modellierung der Handlung zahlreiche künstlerische Freiheiten – verständlich, wenn man das umfangreiche Adventure auf einen 2-Stunden-Film komprimieren möchte – und der auf den ersten Blick düstere Ton wirkt befremdlich, doch hier pocht noch immer unverkennbar das Herz von Ace Attorney. Sei es der Humor, die teils zugegebenermaßen etwas deplatziert wirkenden Kostüme oder die Vielzahl an Gesten und Details, die Kennern der Vorlage sofort ins Auge fallen (achtet zum Beispiel mal auf Frank Sahwit zu Beginn!)… All das kulminiert in einer gelungenen Umsetzung des letzten regulären Falls der Spielvorlage. Aber machen wir uns nichts vor: Trotz allem muss man eine gewisse Toleranz für Albernheiten haben, um mit dem Film Spaß zu haben. Grandios ist er auch keineswegs und die deutsche Tonspur lässt leider ein wenig zu wünschen übrig. Wer sich daran nicht stört oder einfach mal schauen möchte, wie Phoenix' markante Haarpracht im realen Leben rüberkommt, sollte dem Film unbedingt eine Chance geben. Ich für meinen Teil hätte nichts dagegen, wenn Miike sich weiter mit der Lizenz beschäftigt!

Urteil eines Serien-Einsteigers
Eine Videospielverfilmung? Kann das denn überhaupt gut gehen? Meine Erfahrung hat mir gesagt, dass das eigentlich häufiger ein Desaster wird, als dass es dem Franchise gut tut. Aber was soll's, ich habe schließlich einen Bruder, der total verrückt auf diese Spielereihe ist und dementsprechend will er sich auch den Film nicht entgehen lassen. Und für mich Neuling muss dabei wirklich gesagt sein, dass es eine merkwürdige Erfahrung war. Vor allem, da die verschiedenen Kostüme unglaublich deplatziert wirkten und man sich wirklich fragen musste, was der ganze Kram eigentlich soll. Aber es muss ebenfalls gesagt sein, dass der Spaß dabei dennoch aufgekommen ist. Trotz der anfänglichen Schwächen in den ersten paar Minuten des Films, die einem irgendwie überhaupt nichts sagen und viel zu schnell vorbeigehen, kommt man mit der Zeit doch in Schwung und findet schnell heraus, worum es denn nun eigentlich geht und wie alles funktionieren soll. Auch konnte ich mich schnell mit dem doch sehr schrägen Humor des Films anfreunden, den Kenner der Spiele wohl schon häufiger zu Gesicht bekommen haben. Alles in allem ein Film, den ich durchaus genossen habe, allerdings darf man ihn nicht so ernst nehmen, wie er sich manchmal gibt. Tut man dies, verliert man zu fix den Faden und es kommt doch wieder die Frage auf, was dieser verrückte Kram auf dem heimischen Bildschirm eigentlich soll.

Es sagten vor Gericht aus: Tjark Michael Wewetzer [Alanar] und Denis Wewetzer [Azure] für Planet3DS.de

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2 Kommentare

profil 171 comments
[23.06.2013 - 12:15 Uhr]
erko:
Ich weiß nicht, aber irgendwie wirkt der Film auf mich einfach too much.
profil 380 comments
[23.06.2013 - 13:24 Uhr]
tunitu:
was war eig. der erste Planet 3ds Artikel?
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