PlanetSwitch Planet3DS PlanetVita PSP.de PlanetiPhone Classics Forum

PGN-ID:[?] (Nicht eingeloggt)
Login
Registrieren
PlanetDS PlanetGameboy N-Page.de

3204°

10

Kolumne: 3. Advent: Der Erstkunde als Beta-Tester

PG-Team, am 16.12.2012, Seite 1 von 1

Artikel mögen: Weitersagen:


Es ist schon eine schöne Sache. Das schwerverdiente Geld liegt auf der hohen Kante und nach einem langen Entscheidungsprozess entschließt man sich dazu dies in die Software eines großen Gamingriesens zu stecken. Dabei soll das Endprodukt hochwertiger Natur sein und man möchte etwas für sein Geld bekommen. So fällt der Entschluss auf das heißeste Spiel im Eisen, den Newcommer am Sternenhimmel. Gerade bei den Day-1 oder Limited Editions warten doch so viele DLC-Boni auf den Käufer, da kann man doch nur belohnt werden und rein gaaaar nichts falsch machen...

Viel zu testen du noch hast!
... weit gefehlt. Die gar nicht so neue Masche der Entwickler ist das bekannte Outsourcing. Produktionskosten senken, indem man in Niederlohnländern sein Glück versucht. Dabei interessiert es uns, dem leichtgläubigen Kunden, doch nur sekundär ob unser Perserteppich vom landesgenössischen Prinzen von Kinderhänden aus Tibet gewebt wurde, oder? Egal in welchem Land man seine Fleischbulette am größten Fertigfraßabfertiger kauft, es schmeckt doch gleich. Dabei spielt Zeit und Geld sowohl eine übergeordnete Rolle, wenn es darum das Qualitätsmaß zu bestimmen. Dabei ist es eigentlich egal in welche Richtung ich schaue, ich kann jedem den schwarzen Peter an die Stirn malen.

Da gibt es Fernost-Konsorten, die über Jahre Hinweg es nicht geschafft haben Übersetzer aus Muttersprachenländern einzustellen. Es gibt Assassinen, die schlichtweg ihren Fortschritt vergessen und dem Spieler ihre Demenz anhängen. Es gibt Revolverhelden, die auf Tostern durch Wände gleiten. Es gibt Fußballstars, die schon im letzten Jahr über ihre eigenen Turntreter gestolpert sind. Es gibt Kartfahrer, die schneller sind als andere, weil sie suizidgefährdet sind. Es gibt die Jäger und Sammler, die nicht alles finden können, weil dies zuvor nicht existierte. Es gibt, fliegende Krokodile, rückwärts strauchelnde Drachen, tanzende Schweine oder stumme Diener. Und diese Auflistung könnte ewig so weiter gehen.



Die Fragen, die bleiben sind:
Lassen wir uns als Erstkäufer, Fans oder Sympathisanten eigentlich so leicht aufs Ohr hauen? Sehen wir es ein Vollpreis für Titel zu bezahlen, beidem wir zudem den Beta-Tester spielen dürfen. Sind und Zeit und Geld so belanglos für uns, dass wir mutwillig korrupten Speicherständen ins Auge schauen?

Die Industrie fragt sich, warum das Gebrauchtgeschäft so viel kaputt macht, ihre Einnahmen schmälert, Online-Pässe heraufbeschwört und Spieler bei Käufen warten lässt. Doch eigentlich sollte sich die Industrie sich selbst an die eigene Nase fassen. Wenn die Qualität stimmt, wird auch ein höherer Preis bezahlt. Wer diesen erzielen möchte, muss im Austausch investieren. Der Kunde muss merken, dass sich die Anschaffung gelohnt hat. Wenn wir dann jedoch nur Einzelteile in den Händen halten, die wir gegen mehr Geld zusammenfügen, oder das Produkt vielleicht gerade mal so läuft und für mehr Frust als Lust sorgt – dann verliert man Kunden, anstatt sie zu binden. Es wird auf späte, funktionale Versionen gewartet, der AAA-Titel aus der Grabbelkiste gefischt. Denn Beta-Testing ist ein Job, für den man im professionellen Bereich eigentlich bezahlt wird, und kein Privileg, für das man zahlt.

Dabei ist das Phänomen des fehlerhaften Spiels gar kein neues. Schon seit der erste Game Code auf einen Datenträger gebannt wurde, existieren nervige Bugs, die beizeiten auch bis zum Spielerkontakt bestehen bleiben. Die Arbeitsbedingungen sind allerdings auch anders gewesen. Die Entwicklerteams waren klein, der Quellcode vergleichsweise übersichtlich und mangels geeigneter Kanäle zur Patch-Distribution musste das Produkt so fehlerfrei wie möglich bis Erscheinen sein. Bei Konsolen aufgrund fest programmierter Cartridges umso mehr. Schlichen sich dann Spielspaßtöter in den Code, war das Spiel zum Scheitern verdammt – zumindest nachdem der Unmut der ersten Opfer die Runde gemacht hat.

Der Fall der letzten Bastion
Und heute? Einen Patch für Kleinigkeiten oder große Patzer rauszuhauen ist so leicht wie nie zuvor. Wenn ein Event in einem Spiel nicht richtig ausgelöst wird, wandert es trotzdem auf den Markt. Kann man ja alles noch mit einem Day-1-Patch richten! Wozu haben die Kunden denn das Internet? Um sich über solch dubiose Taktiken zu informieren? Blödsinn! Auch ist es absolut nicht weiter schlimm, wenn mal ganze Spielinhalte vorübergehend weggesperrt werden, weil der Code unfertig ist und man eine Verschiebung nicht riskieren will. Warum sollte man denn wegen ein paar popeliger Modi auf das wichtige Weihnachtsgeschäft verzichten? Eben.



Lange Zeit wehrte sich aber eine letzte Instanz gegen diesen Patch-Trend. Nun ist diese auch gefallen. Mit der Veröffentlichung von Mario Kart 7 V1.1 ist Nintendo offiziell ins Beta-Business eingestiegen. „Moment!“, schalmeit es uns entgegen. „Das waren doch nur ein paar Exploits. Von weitläufigen Betas und unfertigen Produkten kann doch gar nicht die Rede sein!“ Für die haben wir nur ein Wort und einen Buchstaben: Wii U. Der bekannte 1GB-Monsterpatch zum Release war es erst, der viele Funktionen der Konsole – unter anderem die Wii-Emulation – freischaltete. Sowas darf nicht sein und sollte definitiv nicht Schule machen. Aber auch im Handheld-Business kennen wir das: Der jüngste Features- und Performance-Patch der PS Vita brachte viele Komfortfunktionen und Optimierungen mit sich, die bei Version 1.0 bereits hätten dabei sein müssen. Der 3DS startete ohne Browser und eShop, (un)rühmlicherweise wurde beides erst später durch Updates nachgeliefert. Der Early Adopter agiert als Versuchskaninchen. Als soziales Experiment. Wieviel hält er aus, bevor er abspringt oder explodiert?

Schöne neue Welt?
Wir stecken mittlerweile viel zu sehr in diesem Patch-Sumpf drin, als dass wir da einfach rauskämen. Solange die Produkte trotzdem gekauft werden, ändern die Konzerne ihr Verhalten auch nicht. Und wenn sie es nicht tun, wird das Problem woanders gesucht: Raubkopien, Gebrauchtmarkt, da waren wir ja schon eingangs. Es ist ein Teufelskreis. Und wir schwimmen mit, immer auf der Welle zum nächsten Update.

Aber wie seht ihr das? Fühlt ihr euch auch wie ein Versuchskaninchen im Stall der Entwickler? Oder wird hier viel Wirbel um ein vernachlässigbares Phänomen gemacht, das nur einen geringen Prozentsatz der Spieler tatsächlich betrifft?

Kampf den Käfern! Kevin Jensen und Tjark Michael Wewetzer für PortableGaming.de

Kommentare verstecken

10 Kommentare

profil 295 comments
[16.12.2012 - 21:55 Uhr]
Meta-Knight2000:
Ich will mich nicht unbeliebt machen,aber ich versteh nicht was an dem "Patch-Sumpf" so Schlimm ist.Ich fände es nur schlimm,wenn es erst nach was weiß ich wie vielen Monaten gepatcht wird.Aber ein "1Day-Patch" ist doch eigentlich nicht schlimm.Wenn man das Spiel erst einen Tag hat,gibt es eh noch nicht viele Daten,die man so plötzlich verlieren kann:Klar ist es blöd,dass dann vielleicht ein paar Modi fehlen,aber einen Tag hält man das doch wohl aus.Und in den Fällen,wo der ganze Fortschritt gelöscht wird:Solange es ein 1-Day Patch ist,nicht schlimm,ich denke so weit kommt man an einem Tag nicht,dass man so viel wiederhohlen muss.Aber wenn es erst nach ein paar Monaten gepatcht wird,ist es schon Schlimm.Ich will nicht sagen,dass der Artikel schlecht ist,der ist eigentlich wirklich gut geschrieben.

profil 291 comments
[16.12.2012 - 22:05 Uhr]
Homer 999$:
Ich denke, wenn bei sehr umfangreichen Spielen der ein oder andere Bug drinn ist, ist es schön wenn ein Patch kommt. Ich kann auch verstehen, dass so etwas vorkommt. Jeder macht Fehler. Doch die Entwickler sollten immer versuchen ein Spiel zu veröffentlichen, das bugfrei ist.
Bei Spielen die in der Entwicklung einfach sind, darf man aus meiner sicht aber nicht so viele Fehler machen, dass sie einem nicht auffallen würden, wenn man dannach sucht. Und wenn man ein fertiges Produkt nicht nach Bugs durchsucht und das den Kunden überlässt um Geld zu sparen, ist das für mich nur dreiste Abzocke.
Gegen Patches an sich hab ich nichts, es dürfen aber nicht zu viele werden.
profil 350 comments
[16.12.2012 - 22:41 Uhr]
Lemon96:
Wenn einmal ein Bug drin ist, ist ein Patch Pflicht. So war es zum Beispiel bei Mario Kart 7, wo sich alle nach dem überfälligen Patch gesehnt haben. Allerdings sollte ein Bug wenn möglich gar nicht erst vorkommen. Das Produkt muss schon von Testern sorgfältig unter die Lupe genommen werden, bevor es auf den Markt kommt. Negativbespiel ist hier EA, die ihre Spiele von den Verbrauchern testen lassen und dann erst nachträglich patchen. Sowas darf natürlich nicht passieren.
profil 116 comments
[17.12.2012 - 05:54 Uhr]
Bloody Frost:
Ich habe schon was gegen diese nachgereichten Patches, da mein Daenvolumen pro Monat nicht gerade unendlich ist.
profil 45 comments
[17.12.2012 - 08:12 Uhr]
Cooper3D:
Patch gegen Bugs sind ya noch ok.
Aber wegen Zeitdruck oder aus "purer absicht" Modis bzw. Extras rauszulassen
und diese gegen Geld später zu verlangen finde ich übel.

Aber wegem dem ersten Update für den 3Ds.
Das konnte man, glaube ich, noch gut verschmerzen.
Mich hats gestört das der Preis danach gesunken war, aber die Botschafterspiele habens eignt. wieder rausgehauen.

Und das mit der Wii U ist die größte verarsche überhaupt.
Das ist etwas was mich auch stört, eine unfertige Konsole rauszuhauen.

Guter Text übrigens ich liebe die Kolumnen von hier =)
profil 69 comments
[17.12.2012 - 09:03 Uhr]
Defuso:
Auf mich wirkt das hier so, als wenn man sehr eloquent wirken möchte und dann aber vergessen hat noch mal Korrektur zu lesen. Da sind stellenweise ganze Wörter zu viel oder fehlen schlichtweg. :( Erst dadurch wirkt das auf mich ziemlich aufgesetzt und nicht mehr frei geschrieben, hat mir am Ende leider den Spaß genommen. :(

Und ich mag die Bugs. Die Leute von speedrunslive.com gibt es ja nur, weil die ganzen Mario, MegaMan und Zelda Spiele so voller Bugs sind. Allein WrongWarp in OoT ist herrlich. Gannon als Kind besiegen hat schon was für sich und das dann auch noch in unter 25 min. :D
profil 173 comments
[17.12.2012 - 14:00 Uhr]
JanZmus:
Ich habe 4 Jahre als Softwareentwickler bei einer Spielefirma gearbeitet und spreche daher aus Erfahrung. Was viele immer vergessen ist folgendes: Durch das Beheben eines Fehlers kann ein neuer Fehler entstehen oder ein bestehender, bislang unentdeckter Fehler hervortreten. Das bedeutet, theoretisch muss man ein Spiel bei jeder kleinen Änderung in der finalen Phase komplett von vorne durchtesten. Das ist selbst mit viel Ressourcen ein unglaublicher Aufwand. Und mit jedem weiteren behobenen Fehler fängt das ganze wieder von vorne an. Selbst mit hundert Testern kann es dann sein, dass ein Fehler übersehen wird, dem dann irgendjemandem auffällt, wenn das Spiel erstmal von tausenden von Leuten gespielt wird.
profil 237 comments
[17.12.2012 - 17:52 Uhr]
blablub:
Heutige Software ist einfach viel zu komplex, als dass man sie komplett Bug-frei erwarten kann - jeder der schonmal an einem Software-Projekt gearbeitet hat, weiß das (es muss nichtmal ein Monster-Projekt wie ein ganzes Betriebssystem inklusive Bootloader, Kernel, Treiber, GUI, usw. sein - was die Wii und 3DS-Firmwares ja sind).

Zudem auch erst ab dem Release-Tag wirklich jedes Use-Case auftritt (wer weiß, was Käufer Nummer 15.423 von insgesamt 250.000 Käufern anstellt, damit der Bug auftritt).

Selbst alte Spiele (NES bspw.) hatten Bug - nur da gab's aus technischen Gründen keine Patches. Und somit nieman d, der sich über Patches aufregen konnte. ;)
profil 527 comments
[17.12.2012 - 18:32 Uhr]
CeSp-oNe:
Im Grunde habe ich nichts gegen Patches..

Kleinere Bugs die einem zwar aufallen.. aber nicht das ganze Spiel ruinieren... Als erstes fällt mir Skyrim auf der PS3 ein... das da alle Drachen rückwerts flogen... usw. Das muss doch jemanden aufallen..

Da ist Nintendo trotz den jüngsten ereignissen immernoch ein Vorbild. Die Spiele sind meist von wirklich hoher Qualität in diesem bereich. Und wenn es Bugs gibt/gab.. dann nicht solche das einem die Speicherdateien gelöscht werden oder das Bowser bei MarioKart nur noch Rückwerts fährt.
profil 291 comments
[17.12.2012 - 19:01 Uhr]
Homer 999$:
@ CeSp-oNe: Außer bei Skyward Sword. Da wird einem der Speicherplatz gelöscht, wenn man kurtz vorm Endgegner nicht aufpasst mit wem man spricht. Aber da hat man ja auch was unternommen (so gut es ging)
Du hast recht, Nintendo ist da immernoch ein Vorbild.
Um Kommentare zu schreiben, bitte oben einloggen oder jetzt Registrieren!