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Kolumne: Gute Zeiten, schlechte Zeiten (für Prämienjäger)

Sebastian Mauch, am 03.12.2016, Seite 1 von 1

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Oft muss ich an Zeiten zurückdenken, da wurden Spieler noch wirklich dafür entlohnt, langjährig Kunde bei Nintendo zu sein. Die Rede ist natürlich vom guten, alten Club Nintendo. Daher legen wir nun zum Gedenken an ebendiesen eine kurze Schweigeminute ein. Eine Minute später: Ruhe in Frieden, oh du tolles Prämienprogramm. Sicher waren auch einige von euch eifrige Sternsammler und durften die eine oder andere Prämie ihr Eigen nennen. Um die schöne, alte Zeit nochmal aufleben zu lassen, möchte ich in dieser Kolumne einfach mal von meinen schönsten Erinnerungen an den Club Nintendo berichten und anschließend einen Vergleich zu Nintendos neuem Prämienprogramm My Nintendo ziehen. Zwar habe ich mit meinen derzeit 22 Jahren den Anfang des Club Nintendos nicht wirklich aktiv mitgenommen, da ich schlichtweg zu jung war, aber ich gratuliere all jenen die noch das Beweisdokument ultimativer Nerdhaftigkeit ihr Eigen nennen dürfen, nämlich den Club Nintendo-Mitgliedsausweis. Wohlgemerkt das Original, nicht den Fake, den einige Käufer/Tester des Mini-NES jüngst geschenkt bekamen.

Club Nintendo-Ära
Aufmerksam auf besagtes Prämienprogramm wurde ich erst zur Blütezeit des Nintendo GameCube, falls es so etwas überhaupt je gab. Bekanntermaßen verkauften sich die Spielewürfel ja leider nicht so gut wie gewünscht. Dennoch erschienen immer wieder tolle Spiele, wie der Ego-Shooter Geist oder die zahlreichen Blockbuster aus dem Hause Nintendo selbst. Gerade letzteren lag immer ein sogenannter Sternecode bei, auf dem man mit dem Fingernagel oder einer Münze ein kleines Feld freirubbeln durfte. Den dahinter verborgenen Code gab man anschließend auf der Website des Club Nintendo bzw. VIP 24:7, wie das Punkteprogramm davor hieß, ein und heimste dafür wertvolle Sterne ein. Diese tauschte man für echte Prämien ein, was wir aber an etwas späterer Stelle noch einmal näher beleuchten möchten. Jedenfalls, nach einigen eingegebenen Codes packte mich anschließend der Sammelwahn. Offenbar war ich der Einzige in meinem Freundeskreis, der überhaupt wusste, wozu die vielen „Sterne“ überhaupt gut waren. Also nahm ich mich der Aufgabe an, meine Freunde um ihre Codes zu erleichtern, natürlich aus reinster Nächstenliebe versteht sich! Wer braucht schließlich schon all dieses Altpapier im Innern der Spieleschachtel? Der Großteil meiner Freunde und Familie besaß ebenso stattliche Sammlungen wie ich und gaben die Codes bereitwillig her, bis sich schließlich ein immenser Berg an Codezetteln angesammelt hatte.


Fließbandarbeit im Kinderzimmer
An einem sonnigen Sommertag setzte ich mich also mit einem guten Freund zusammen. Was dann folgte, grenzte an Fließbandarbeit. Die gefühlten 100 Sternecode-Felder aufrubbeln, den ganzen Rubbeldreck loswerden und zuletzt alle Zettel wieder feinsäuberlich auf einen Stapel legen. Übrigens waren darunter sogar Codes von Spielekonsolen, die einen ordentlichen Punktebonus enthielten! Wer jetzt denkt, das klinge schon nach viel Arbeit, der hat sich geschnitten. Die meiste „Arbeit“ spielte sich nämlich in digitaler Form ab, auf der Einlöseseite im Club Nintendo. Das Prozedere lief wie folgt ab: Man gab den Code ein, wo schon mal die erste Hürde lauerte - Nullen und „O“s waren oft nur schwer voneinander zu unterscheiden. Nach jeder (!) Code-Eingabe durfte man außerdem an einer mehrseitigen Umfrage zum Spiel und zu der eigenen Person teilnehmen. Allein immer dieselben Daten in stets dieselbe Umfrage einzuklickern kostete uns etwa zwei Nachmittage. Immerhin sollte sich die Aktion aber lohnen, so war Punktestand letztlich auf etwas über 20.000 Sterne angestiegen – Holla, die Waldfee!

Prämien über Prämien
Was aber nun anstellen mit all den tollen Sternen? Die Frage stellte sich damals bestimmt ungefähr niemand. An tollen Prämien mangelte es nämlich nicht. Am prägnantesten hielten sich für mich persönlich die Erinnerungen an eine recht große Link-Statue und die zahlreichen Mario Kart-Pokale. Aber auch eine Luigi-Gedenkmünze, ein Super Smash Bros.-Puzzle, sowie ein Mariohut-Spielrack gingen im Laufe der Jahre in meinen Besitz über. Vollkommen kostenlos, einfach nur weil ich jahrelang in den Genuss diverser Nintendo-Spiele und Konsolen kam. Das waren Zeiten, sag ich euch! Da fühlte man sich noch wie ein wertvolles Mitglied einer höchstexklusiven Gesellschafft. Was dann folgte, glich einem Armutszeugnis…

My Nintendo-Neuzeit
Zugegeben, der letzte Satz mag etwas sehr reißerisch formuliert sein. Immerhin reden wir hier von einem Programm, das keinerlei Geldeinsatz der Konsumenten erfordert und damit eine reine Gefälligkeit seitens Nintendo ist. Für solcherlei Dinge sollte man grundsätzlich immer sehr dankbar sein, das möchte ich an dieser Stelle unbedingt hervorheben. Was ich aber mit Fug und Recht behaupten kann, ist, dass das neue My Nintendo auf gar keinen Fall an den guten, alten Club Nintendo herankommt. Zumindest trifft das auf den aktuellen Zustand der Plattform zu. Sicher, anfangs zum Start waren alle, darunter natürlich auf meine Wenigkeit, sehr euphorisch und es wurde sich viel erhofft. Hat sich die Euphorie aber erst einmal gesetzt, bleibt unter der Oberfläche leider Gottes nicht viel übrig.


Ein starker Start…
Dabei fing es so gut an. Das neue Konzept sieht nicht nur eine Entlohnung der Konsumenten durch den bloßen Kauf von Nintendo-Produkten vor, sondern auch für die Nutzung von Diensten wie dem Miiverse, den eShop oder Nintendos erste richtige Mobile-App Miitomo. Das klingt gut, ist es irgendwo auch, die großen Schwäche kommen aber schon wenige Monate nach Launch von My Nintendo zu tragen. Kritikpunkt Nummer Eins ist wohl das mäßige Angebot an Prämien. Zu Zeiten des Clubs waren Prämien nämlich hauptsächlich richtige, echte Gegenstände, die man gegen Sterne wie im Quelle-Katalog bestellte und ohne Zusatzkosten nach Hause geliefert bekam. Damit hatte man quasi kostenloses Merch direkt vor die Haustüre bekommen. Nun spielt sich alles rein digital ab, was ich sehr schade finde. Das digitale Dasein macht aber auch vieles leichter, so kann Nintendo beispielsweise viel günstiger ansprechende Prämien bereitstellen, welche auch sofort beim Kunden wären. Hätte, wäre, könnte! Der größte Kracher war wohl das vollwertige Rätselspiel My Nintendo Picross: The Legend of Zelda Twilight Princess, das uns im Test großen Spaß machte. Für genau 1000 Platinmünzen ist es eures, doch 1000 Platin sind schnell verdient. Was also danach anstellen mit den verdienten Münzen? Nun, da wären im Platinbereich zum Beispiel noch die zahlreichen Home-Menü-Designs aus der My Nintendo-Serie. Bis dato erschienen davon fünf Stück, unter andere mit Samus Aran, Mario, Donkey Kong und jüngst auch Melinda aus Animal Crossing.

…aber schwache Rundenzeiten
Jedes dieser Designs kostet aber nur läppische 200 Platin, was quasi in wenigen Tagen zusammenkommt. Summa summarum hat man die spannenden Inhalte schnell leergekauft, danach wird es einfach nur lahm. Sicher gibt es noch viele andere Prämien, diese stellen aber zum Großteil nur Ingame-Items für das ebenfalls schnell langweilig werdende Miitomo dar. Mag ja ganz nett für diejenigen sein, die es aktiv spielen, ich jedoch verlor schnell das Interesse und legte es beiseite. Als ich dann nach einiger Zeit mal wieder hereinschnuppern wollte, musste ich traurigerweise feststellen, dass mein gerootetes Smartphone nun auch noch ausgesperrt wurde. Gut, dachte ich mir, wenn Nintendo solche Handynutzer nicht als Kunden möchte, so sei es! Weiterhin gibt es ebenfalls für Platin (und alternativ Gold) einige Rabatte auf eShop-Spiele. Da die Rabatte aber nur auf eine sehr kleine Auswahl meist älterer Titel anwendbar ist und die Vergünstigungen meist sehr mäßig ausfallen, ist es oft günstiger, nach einer Retail-Variante Ausschau zu halten oder auf einen Sale im eShop zu warten. Doch selbst der „große“ Cyber Sale stimmte viele Nintendo-Jünger aufgrund von mäßigen und wenigen Rabatten etwas enttäuscht.


Mit der Zeit häuft man so auf der verzweifelten Suche nach attraktiven Prämien abertausende von Platinmünzen an. Nicht weiter schlimm, dann hortet man halt, mögen jetzt vielleicht einige denken. Dem eifrigen Horten hat Nintendo aber gekonnt den Riegel vorgeschoben, denn eingesammelte Punkte verpuffen nach kurzen 6 Monaten. Vor etwa sechs Monaten startete auch der Dienst, weshalb in meinem Account beispielsweise Ende Dezember stolze 1000 Platinmünzen einfach so ins Nirvana wandern. Da denkt man sich schon einen Moment: „Wozu dann die Mühe?“. Die verfallenden Münzen dann für allerlei Krimskrams rauszuschleudern den man eh nicht braucht kann ja auch nicht das Wahre sein. Hier sollte Nintendo echt ausbessern. Eine Möglichkeit wäre – ich kann selbst nicht fassen dass ich das nun sage – das Erhöhen der Preise von Prämien. So hat man ein Ziel worauf man nebenbei „sparen“ kann und zusätzlich ein Erfolgserlebnis, sollte man sich etwas gegönnt haben. Das machte zumindest für mich damals im Club einen großen Reiz aus. Zum anderen muss natürlich auch weiterhin toller Content bereitgestellt werden. Wie wäre es mit teureren, aber dafür höheren Rabatten? Wie wäre es mit einem Nachfolger der My Nintendo Picross-Reihe? Wie wäre es mit der Rückkehr einiger physikalischer Prämien? Wie wäre es mit mehr alten NES- oder SNES-Titeln als Download-Prämie? Wenn mir in zehn Sekunden schon so viel einfällt, kann es doch nicht so schwer sein, dass ein Entertainment-Gigant wie Nintendo sich etwas einfallen lässt, das die Leute bei der Stange hält.

Wertloses Digitalgold
Auf Seiten der Goldmünzen sieht es ähnlich mager aus. Diese halten immerhin ein ganzes Jahr bevor sie verfallen, was quasi nicht so schnell der Fall sein dürfte. Für das rare Gold, das man durch den digitalen Kauf von eShop-Spielen bekommt, konnte (!) man sich immerhin Vollversionen von Klassikern wie wie Punch-Out und anderen gönnen. Aus unerfindlichen Gründen hat man diese Möglichkeit aber auch entfernt, weshalb aktuell nur noch ein paar Rabatte und ein DLC-Paket für Mario Party 8 verfügbar sind. Das wäre ja alles noch verkraftbar, ist man es doch vom Platin gewohnt. Die eine große Frage ist aber: Warum nur digital, Nintendo? Hoffnungsvoll ruppte ich vor weniger Tagen meine Pokémon Mond-Steelbook-Edition auf und suchte vergeblich nach einem Punktecode für My Nintendo, ganz wie in alten Tagen. Doch was ich fand glich eher einem schlechten Witz. Neben dem üblichen Papierkram fand sich in der Schachtel nämlich noch ein recht großes entfaltbares Werbeplakat für die tolle My Nintendo-Plattform. Was auf dem riesigen Werbemittel jedoch nicht auffindbar war, war eine Punktecode. Damit werden traditionelle Käufe im Einzelhandel quasi undankbar abgestraft. Gerade unter Retail-Käufern finden sich noch die wahren Sammler, doch die gehen eiskalt leer aus.


Ziehen wir ein kleines Fazit: Es ist beileibe nicht alles schlecht. Einige interessante Belohnung gibt es auf jeden Fall. Hier und da lässt sich sogar eine Mark sparen. Das alles bringt den Kunden auf lange Sicht aber herzlich wenig. Statt Content hinzuzufügen, entfernte man die wichtigsten, und die wenigen Rabatte sind auch oft nicht mal der Rede wert. Alles in allem stagniert My Nintendo auf einem unerfreulich tiefem Niveau, wenn man mal einen dezenten Vergleich zum recht lohnenswerten Club Nintendo zieht.

Das ist aber wohlgemerkt nur die enttäuschte Meinung eines einzelnen Nintendo-Fanboys. Uns interessiert natürlich auch wie IHR dem Ganzen gegenübersteht. Ist es recht so, wie es aktuell ist, oder darf es ruhig etwas mehr sein? Wir freuen uns auf eure Kommentare!


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4 Kommentare

profil 26 comments
[03.12.2016 - 12:42 Uhr]
Grapefruit5000:
Die einzige Prämie, die mich interessiert hat, war das DS-Spiel Warioware Touched. Das konnte man anfänglich für 1000 Platinmünzen kaufen und das wars dann auch. Mehr bot die Seite für mich nicht. Ich verstehe auch nicht, wo das Problem liegt. Ist Nintendo wirklich zu geizig, um uns hin und wieder mal ein altes Spiel für Platinpunkte zu schenken, mit dem sie sowieso kein Gewinn mehr machen? Das mit dem Verfall der Punkte, habe ich auch noch nicht gewusst. Aber da wohl eh keine gute Prämie mehr kommen wird, können meine ~500 Punkte ruhig verschwinden. Für mich ist My Nintendo damit gestorben.
profil 275 comments
[03.12.2016 - 14:01 Uhr]
Roonex:
Mache mir darüber auch in letzter Zeit Gedanken. Bisher habe ich mir nur My Nintendo Picross und einen Rabatt für Mario & Luigi: Dream Team Bros. geholt. Die Rabatte fallen leider wirklich ziemlich marginal aus, letztlich verdient Nintendo daran noch am meisten. Wie es schon im Artikel steht, wären gerade Virtual Console Spiele oder andere eShop-Titel perfekt als Prämien geeignet. Ich hoffe dass sich das Angebot demnächst noch positiv verändern wird.
profil 19 comments
[03.12.2016 - 14:25 Uhr]
Atlanneo9:
wie wäre es eigentlich wen sie für den entsprchenden punktbetrag einen E-Shop Gutschein gäbe zb 5€ ?
Mfg
profil 66 comments
[04.12.2016 - 19:59 Uhr]
AsukaSeitou:
Finde das neue Prämiensystem auch nicht der Redewert, leider :(
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