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Kolumne: 1. Advent: Spiele mit bewegenden Storys

PortableGaming-Redaktion, am 27.11.2016, Seite 1 von 1

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Viele Spielen, um einfach den Alltag zu vergessen, abzuschalten und Spaß zu haben. Doch Videospiele können noch viel mehr Emotionen hervorrufen. Sei es Unbehagen, Furcht oder Trauer. Und dann gibt es Spiele, die uns auf vielfältige Art und Weise rühren. Weil sie uns durch eine harte Zeit unseres Lebens begleiteten oder uns in eine Welt entführen konnten, in der wir uns wohlfühlten. Oder weil wir die fiktiven Figuren auf dem Bildschirm dermaßen liebgewonnen haben, dass wir ihnen am Liebsten zum Happy End verhelfen wollen. Und genau diese Spiele wollen wir zum 1. Advent hervorheben, indem wir euch zeigen, welche Videospielgeschichten uns besonders bewegt haben. Dabei liegt es übrigens in der Natur der Sache, dass wir unweigerlich auf Spoiler zu sprechen kommen werden. Betrachtet dies also als allgemeine Spoiler-Warnung!


Altin Bujupaj [Ailtin] mixt Drinks und ändert Leben in…
VA-11 HALL-A



Wer nach packenden Stories in Spielen sucht, der greift meist zu Genres wie Rollenspielen oder widmet sich Büchern oder auch D&D. Verständlich, denn selten schaffen es Entwickler, eine packende Story in weniger als zehn Stunden zu erzählen. Ein ganz anderes Genre, welches durch packende Geschichten besticht, ist die Visual Novel und dieses Jahr wurden Enthusiasten des fließenden Textes mit Bild mit einer ganz besonderen Bescherung beglückt: VA-11 HALL-A.

Von Sukeban Games entwickelt, werdet ihr in VA-11 HALL-A in das Jahr 207X befördert und schlüpft in die Rolle von Bartenderin Jill. Der Entwickler setzt das Spiel auch mit dem Begriff „Cyberpunk Bartending Action“ gleich. Ihr mixt also Drinks, Cocktails und - ganz besonders wichtig – lernt alle Charaktere im Spiel kennen. Mit einer faszinierenden Retro-Grafik und einem passenden Cyberpunk-Setting wird der Spieler passiv zum Empfänger der Charaktere und wie diese miteinander interagieren. Es fühlt sich an vielen Stellen wirklich so an, wie als würde man den trinkenden Gästen zuhören und erfahren, wie deren Tage verliefen und was es an Neuigkeiten in der neon-zentrischen Stadt gibt. Das Mixen von Getränken verläuft meistens schnell und je nachdem was für Cocktails ihr dem Gast mischt, ändern sich auch bestimmte Teile der Geschichte sowie natürlich, welches Ende ihr sehen werdet.

Was neben der klassichen Grafik und dem reizenden Zeichenstil den Spieler außerdem in den Bann ziehen wird, ist die Musik. Inspiriert von Snatcher, Policnauts und dem Musikgenre Vaporwave zaubert VA-11 HALL-A einen fantastischen Soundtrack, welchen ihr per Jukebox in der Bar frei auswählen könnt. Neben den zahlreichen Charakteren, die der Spieler in der Bar bedienen wird, stellt zudem die Protagonistin Jill einen sehr faszinierenden Charakter dar, da der Spieler zu Beginn sehr wenig über sie weiß und durch die Interaktionen mit ihr und den Gästen Stück für Stück mehr herausfindet. Durch die vielen Endings und Handlungsstränge sind auch wiederholte Partien des Spieles durchaus erfrischend und facettenreich. Mit circa zehn Stunden an Inhalt (15 für die Perfektionisten) bietet VA-11 HALL-A viel Material, ich empfehle jedoch dringlichst, es eher Stück für Stück anzugehen. Mit einer passenden Ambiente und einem netten Getränk neben der Tastatur (und bald hoffentlich neben der Vita!) macht das Spiel gleich doppelt so viel Spaß!


Michael Grönert [BadToxic] ist der letzte Mensch auf Erden:
Everybody's Gone to the Rapture



Mit Everybody's Gone to the Rapture hat The Chinese Room nach Dear Esther ein weiteres Ausnahmespiel erschaffen, welches durch seine Besonderheiten als „Walking Simulator“ heraussticht. Man findet sich im Jahre 1984 im idyllischen und nur spärlich besiedelten Shropshire County (England) wieder. Schnell hat man das Gefühl die Vorgeschichte verpasst zu haben, denn alles deutet darauf hin, dass etwas Großes passiert sein muss. Diese Vermutung wird auch sofort bekräftigt, sobald man den Vorposten einer Sternwarte zu Beginn verlässt, um die detaillierte offene Welt zu erkunden. Egal in welche Richtung man läuft, man trifft auf keinen einzigen Menschen. Stattdessen sieht alles so aus, als wären die Dörfer und Felder eben noch bevölkert gewesen. Überall liegen Gegenstände herum, als wurden sie erst vor Minuten benutzt. Türen von Autos und Häuser stehen offen. Selbst in dem einen oder anderen Aschenbecher glimmt noch eine Zigarette. Die vermittelte Einsamkeit und Angst könnte einen schnell übermannen, wären da nicht plötzlich schwebende kugelförmige Lichtwesen, die hier und da auftauchen und anscheinend möchten, dass man ihnen folgt.

Neugierde durchflutet den Spieler und verlangt nach Aufklärung. Hinweise finden sich überall. Alle Uhren sind auf der exakt selben Zeit stehen geblieben. Immer wieder stößt man auf mathematische Formeln und andere verdächtige Kritzeleien. Es gibt Radios und Telefone, die überall verteilt sind und vermeintliche Aufnahmen der Vorgeschichte häppchenweise abspielen. Doch vor allem spielen einem die Lichtwesen immer wieder Flashbacks von Gesprächen von Menschen vor. Dies geschieht wie in einer Form von räumlichen Licht-Projektionen, die das ganze sehr distanziert vermitteln, da keine Gesichter erkannt und Statur und Gesten nur schwer erahnt werden können. Auf diese Weise werden vorrangig die Geschichten von sechs Charakteren erzählt.

Wie sich bereits vermuten lässt, sollte man kein Happy End erwarten und das ist auch von vornherein offensichtlich. Was genau passiert ist, wird aber dennoch nicht vollkommen aufgeklärt. Es gibt Spielraum für viele mögliche Erklärungen. Von einem Besuch von Außerirdischen, die die Menschen aus Versehen ausgerottet haben, bis hin zu göttlichen Wesen, die gekommen sind um die Menschen zu befreien. Doch während Gefühlsvermittlung hier groß geschrieben wird, mag manch einer das „Spiel“ vermissen. Auch wenn es sich „Walking Simulator“ nennen möchte, kann das aufgezwungene Schneckentempo doch sehr belastend sein. Interaktionen fallen ebenfalls so gering wie möglich aus. Es gibt keine Rätsel oder dergleichen, nur lassen sich ab und zu Türen öffnen. Die Grafik und die passende Hintergrundmusik machen ihre Arbeit aber sehr gut.


Nicola Hahn [501.legion] hat Tränen in den Augen:
Metal Gear Solid 3: Snake Eater



In der Metal Gear-Serie geht so einiges drunter und drüber und das ein oder andere Tränchen musste ich mir auch schon vorher verdrücken. Was aber der dritte Metal Gear Solid-Teil mit meinen Nerven anstellte, ist schon allerhand: Als frischgebackener Elite-Soldat mit dem Decknamen Naked Snake stürzen wir uns während den Wirrungen des Kalten Krieges in die feindliche Sowjetunion um einem Wissenschaftler beim Wechsel der Seiten zu helfen. Leider geht die Mission komplett schief: Snake wird von seiner ehemaligen Mentorin The Boss betrogen, der Wissenschaftler entführt und ein nuklearer Sprengkopf auf die Forschungsanlage des Wissenschaftlers abgefeuert. Wir starten also den zweiten Anlauf, dieses Mal mit dem Ziel, The Boss und den Drahtzieher GRU-Oberst Volgin auszuschalten.

Gleich zu Beginn treffen wir auf die beiden einzigartigen Charaktere EVA und Ocelot, die uns noch lange auf unserer Reise durch den sowjetischen Dschungel begleiten werden. Mit dem Verlauf der Story entpuppt sich EVA als Agentin der chinesischen Volksbefreiungsarmee, die Snake anfangs an der Nase herumführt, aber dann doch letztendlich die Wahrheit und ihre Liebe zu Snake gesteht. Auch Ocelot ändert sich vom fiesen, unbeherrschten Anführer einer Elite-Einheit zu einen ehrenhaften Rivalen und treuen Freund. Sogar The Boss, die eigentlich Eliminierungsziel unserer Mission ist, zeigt ihre wahren, ehrbaren Interessen, die von einem vermeintlich hinterlistigen Verrat getarnt sind. So sieht sie die Sinnlosigkeit im Krieg zwischen den USA und der Sowjetunion und wünscht sich eine Welt, in der Ethnie und Religion keine Rolle spielen und in der sich jeder gegenseitig respektiert.

Und an dieser Stelle weiß Kojima und sein Entwicklerteam, wie man Musik, Grafik, Text und Gameplay so zusammenbringt, dass jeder Spieler am Ende des letzten Bosskampfes in Tränen ausbricht: Das wunderschöne Snake Eater-Theme kombiniert mit einem Blumenbett aus weißen Blüten sowie den letzten Worten „There's only room for one snake and one boss“ und der Zwang, als Spieler selbst den Abzug drücken zu müssen, bricht wirklich jeden noch so harten Spieler. Danke Kojima Productions, ihr habt hier fantastische Arbeit geleistet!

Alexander Schneider [Gardevoir ex] versetzt sich in die Lage der Ultrabestien:
Pokémon Sonne/Mond



Was Pokémon Sonne und Pokémon Mond - das erst vor wenigen Tagen erschienene Editionspaar der siebten Pokémon-Generation - angeht, so kann man getrost behaupten, dass aller Anfang idyllisch ist. Friedlich kommt die kunterbunte Alola-Region daher, die scheinbare Seelenruhe lässt uns das begonnene Abenteuer fast als erholsamen Inselurlaub begreifen. Aber nur fast! Schließlich steht einem schon bald die erste Inselprüfung auf Mele-Mele bevor, und Captain Elima legt es in der Vegetationshöhle förmlich darauf an, unser ganzes Können zum Vorschein zu bringen. Doch wie wir in unserem ausführlichen Testbericht bereits erwähnten, stellt das Kampfgeschehen nach ein paar Trainingssessions im hohen Gras und gegen die Trainer, die sich euch im Laufe eurer Reise in den Weg stellen, keine allzu große Herausforderung mehr dar - ein Punkt, in dem sich auch die neuen Spiele des weltweit erfolgreichen Pokémon-Franchises an das jüngere Publikum richten.

Doch wo hitzige Gefechte fehlen, da muss die Storyline im Hintergrund einiges wettmachen - und wo Pokémon X und Pokémon Y mit ihrer inhaltsleeren Geschichte rund um Team Flare krachend scheiterten, glänzen Sonne und Mond auf ganzer Linie! Schon bald nach eurer Ankunft auf der zweiten Insel, Akala genannt, werdet ihr im Dimensionsforschungsinstitut von Professor Burnett (übrigens die Ehefrau von Professor Kukui!) mit den sogenannten Ultrabestien konfrontiert - mysteriöse Wesen, die aus anderen Dimensionen stammen und doch in die reale Welt gelangen, um dort für Chaos und Verderben zu sorgen. Noch wissen die Bewohner Alolas kaum etwas über die mächtigen Eindringlinge, doch die Bedrohung ist allgegenwärtig. Als die ersten Risse im Himmel sichtbar werden - leuchtende Dimensionstore -, stellt sich einem natürlich die Frage nach den Auswirkungen der gegenwärtigen Ereignisse. Zwar führt euch eure Reise zuerst ganz friedlich weiter und durch bildschöne Städte wie Ohana, das fernöstliche Malihe City und das Dorf des Seevolkes auf der Insel Poni, doch holt die Erzählung gegen Ende zum großen Schlag aus! Lilly - Professor Kukuis Assistentin, die euch sozusagen auf eurem Weg durch die Alola-Region begleitet - umgibt nämlich eine tragische Geschichte und ein Geheimnis, an welches man zuvor nie zu glauben gewagt hätte. Kurzum: Sie ist die Tochter von Samantha, der Präsidentin der Æther Foundation, und damit der Zögling einer Wahnsinnigen. Natürlich versucht sie nach allen Kräften, ihr geliebtes Cosmog zu beschützen, weshalb sie ihren niedlichen Partner immerzu in ihrer Tasche zu verstecken versucht. Und wenn dann noch Gladio, dem ersten Anschein nach lediglich ein weiteres Mitglied des minderbemittelten Team Skull, hinzukommt, dann ist das Drama perfekt. Denn auch der einsame Gladio ist ein Kind von Samantha und ebenso wie Lilly der eigenen Mutter entlaufen, um sein Pokémon Typ:Null zu schützen. Warum die Pokémon vor Samantha geschützt werden müssen? Die Führerin der scheinbar so wohltätigen Æther Foundation ist besessen von den Ultrabestien, insbesondere von UB-01 Schmarotzer: Anego, und möchte die Kräfte von Cosmog und Typ:Null dazu nutzen, sie in die Welt der Menschen zu befördern. Koste es, was es wolle! Selbst den Tod der beiden Pokémon, die ihren eigenen Kindern so ans Herz gewachsen sind, nimmt sie dabei billigend in Kauf.

Wer nun eins und eins zusammenzählt, der wird schnell darauf kommen, dass das Team Skull lediglich ein Instrument ist, um die Drecksarbeit für Samantha zu erledigen. Eines Tages nämlich beauftragt sie ihre dümmlichen Schergen, Cosmog zu entführen, und setzt das sanfte Wesen solch großem Stress aus, dass in Alola gleich mehrere Ultrapforten geöffnet werden. Sie selbst verschwindet sogleich in die Ultradimension und Bromley, der Boss von Team Skull, begleitet sie dorthin. Eigentlich würde nun jeder verstehen, wenn sich Lilly von ihrer grauenvollen Mutter abwenden würde, da sie plant, die ganze Welt in den Abgrund zu reißen, doch hier kommt die emotionale Komponente der Spiele zum Tragen: Lilly und Gladio lieben ihre Mutter all ihrer Schandtaten zum Trotz noch immer und versuchen alles Menschenmögliche, um Samantha aus der Ultradimension zu befreien. Dies soll mithilfe des legendären Pokémon - je nach Edition Solgaleo oder Lunala - auch gelingen. Doch angekommen in der fernen Welt der Ultrabestien müssen die sorgenvollen Kinder die Feststellung machen, dass sich ihre Mutter weiter von der Realität entfernt hat als je zuvor. Samantha nämlich vereinigt sich mit ihrem selbst gefangenen Anego und stürzt sich in den Kampf gegen uns, den Hauptcharakter von Sonne und Mond. Natürlich verliert sie ihr letztes Gefecht, so siegessicher sie vorher auch ist, und völlig entkräftet gleitet sie zu Boden. Dank Solgaleo oder Lunala wird die Fusion mit Anego wieder rückgängig gemacht, doch Restgifte verbleiben in ihrem geschundenen Körper. So wird sie von Lilly, die sich aufopferungsvoll um ihre Mutter kümmert, nach Kanto begleitet. Bill, der jedem Pokémaniac als Erfinder des Lagerungssystems bekannt sein dürfte, hat sich nämlich auch mal mit einem Pokémon vereinigt und weiß somit, wie man Samantha endgültig heilen kann. Vor allem für Lilly ein Moment, der zu Tränen rührt: Im Sinne ihrer Mutter verlässt sie die Region, in der sie solch prägende Abenteuer erlebt hat, und mit ihr ihre Freunde Tali und euch, den Spieler. Gerade man selbst baut im Verlaufe des Abenteuers eine tiefe Bindung zu Lilly auf, ist sie es doch, die einem andauernd zur Seite steht und sich entgegen ihrer eigentlich schüchternen Grundhaltung immer wieder traut, uns ihre Emotionen zu gestehen.

Erst im Post-Story-Content, der sich voll und ganz den Ultrabestien widmet und mit dem aus früheren Generationen bekannten Ermittler LeBelle aufwarten kann, erfährt man vom wahren Ausmaß der Ultradimensionen und ihrer Bewohner. Kommt ein Mensch nämlich mit Ultrabestien in Kontakt oder ereilt ihn sogar das Unglück, in ihre Welt zu gelangen, dann wird er von ihrer unheilvollen Energie gezeichnet. Als Gezeichneter jedoch zieht man automatisch weitere Ultrabestien an, was die Polizei einst auf die Idee gebracht hat, Gezeichnete zur Aufspürung von Ultrabestien zu verwenden. Ein schier unmenschliches Gebaren, da man die Betroffenen unermesslichen Gefahren aussetzt, doch von Erfolg gekrönt ist der Wahnsinn allemal. Letztlich sollte man sich aber vor allem eine Frage stellen: Was sind Ultrabestien eigentlich? Sind sie im Grunde nichts anderes als Pokémon, die nach der Ankunft in Alola in einer fremden Welt gefangen sind? Wie müssen sie sich fühlen, wenn sie unerbittlich gejagt und ermordet werden? Der Schlüssel seid am Ende wie immer ihr.

Sebastian Mauch [Paneka] steckt seinen Kopf in den Himmel:
BioShock Infinite



Zugegeben, bei der Auswahl des Spiels zu diesem Thema schossen mir dutzende Spiele auf einen Schlag durch den Kopf. Letztlich entschied ich mich dann aber für genau den Titel, der besagten Kopf fast zum Platzen gebracht hätte: Bioshock Infinite. Zwar handelt es sich dabei oberflächlich nur um einen durchschittlichen Ego-Shooter, das Besondere sind aber die unvergleichliche Atmosphäre und die hirnzermürbende Story. Die ersten Schritte in der Himmelsstadt Columbia waren dabei ähnlich mitreißend wie das erste Mal durch die Hallen von Rapture zu streifen. Anfangs noch recht ruhig, spitzt sich die Story um den Säufer Booker DeWitt, die rätselhafte Elizabeth und den fanatistischen Comstock immer mehr zu und verläuft sich immer mehr in offenen Fragen. Das liegt vor allem daran, dass sich die Handlung von Bioshock Infinite in zwei leicht unterschiedliche Zeitlinien aufteilt.

Nach dem ersten Durchspielen, sei man auch noch so gründlich, ist es schier unmöglich, die gesamte Tragweite der Geschichte zu erfassen. Um ehrlich zu sein beseitigte selbst der dritte Durchgang nicht alle Fragezeichen. Zwar gibt es etliche Videos, die die Story strukturiert auflösen, aber wo bleibt da der Spaß? Sich all die Puzzleteile zusammen zu suchen und einigermaßen passend zusammenzusetzen hat meiner bescheidenen Meinung nach den größten Reiz des Spiels ausgemacht. Dabei war die Geschichte nicht einmal sonderlich emotional oder traurig oder brutal spannend, sondern schlichtweg fesselnd und rätselhaft. Storys dieser Art gibt es in Spielen leider viel zu selten, wenn ihr mich fragt.


Lisa Spitzer [mrscookie13] findet den Vogel ihrer Träume in…
Hatoful Boyfriend



Die unter euch, die das Spiel kennen, denken sich gerade vielleicht: „Ist das ihr Ernst? Hatoful Boyfriend als Spiel mit bewegender Geschichte?“ Aber ja, das ist mein voller Ernst. Für die, die noch nicht die Ehre hatten: Man schlüpft in diesem bewegenden Titel in die Rolle des einzigen menschlichen Schülers an einer Akademie voller Vögel (das ist mein voller Ernst), und hat dort verschiedenste interessante Mitschüler, mit denen man anbandeln kann. Das hört sich – zu Recht – ziemlich verrückt an.

Ist es auch. Aber sobald man sich auf die Geschichte einlässt, gibt es die ein oder andere Wendung, die man diesem Spiel vielleicht gar nicht so zugetraut hätte. Und die Vögel, das kann ich euch sagen, wachsen einem auch mehr ans Herz, als man sich hätte träumen lassen. Es gibt wirklich unheimlich viele Charaktere und Routen – und Pudding! Klar, vielleicht sind die anderen Spiele in dieser Liste ernsthafter, mit düstereren, epischeren Geschichten. Aber mit Tauben und diversen anderen Vögeln zur Schule zu gehen, sich mit diesen anzufreunden, und dabei das ein oder andere dunkle Geheimnis zu enthüllen – das kann einen durchaus ebenfalls mitreißen. Und ist auf eine so verrückte Art neu und anders, dass es meiner Meinung nach den Platz in dieser Liste auf jeden Fall verdient hat.


Denis Wewetzer [Azure] setzt sich für seine Liebsten ein in…
The Last of Us



Naughty Dog hat es geschafft, mit der Uncharted-Reihe einen Kracher nach dem anderen landen zu können – ein wenig zum Nachteil von The Last of Us, das von Kritikern zwar immer hoch gelobt wurde, allerdings im Glorienschein seines Geschwisterchens etwas unter zu gehen scheint. Durch seine bewegende und unfassbar gut erzählte Geschichte bleibt es allerdings noch genug Leuten im Kopf. Dabei ist die gesamte Geschichte von Anfang ein eine ungeheuerliche Achterbahnfahrt. Noch nicht aus der Perspektive des Hauptcharakters, Joel, sondern aus der seiner Tochter, erleben wir, wie quasi die gesamte Welt von einem Tag zum nächsten zusammenbricht. Menschen greifen sich gegenseitig an und das Militär ist auch nur darauf aus, alles zu töten, was sich noch bewegt. Um den Ganzen noch einen drauf zu setzen, wird Joels Tochter direkt vor seinen Augen kaltblütig umgebracht, ohne dass er etwas dagegen tun kann.

Doch damit beginnt erst die emotionale Fahrt, die wir in diesem Meisterwerk erleben dürfen. Jahrzehnte später begeben wir uns wieder mit Joel auf die Reise. Die Welt hat sich stark verändert, die ausgebrochenen Sporen, durch die die Menschen mutierten, sind immer noch unter ihnen und die Gefahr ist allgegenwärtig. Vorher noch der liebevolle Vater, hat sich Joel nun fast komplett von der Menschheit zurückgezogen – bis er auf Ellie trifft. Das 14-jährige Mädchen stellt anfangs lediglich einen Kurier-Auftrag für ihn dar, doch wächst nach und nach nicht nur an sein Herz, sondern auch an das Herz des Spielers. Unzählige Male kämpft man zusammen um das nackte Überleben und durch diverse Dialoge wird das Verhältnis zwischen den beiden immer weiter aufgebaut. Sei es nun der Kampf durch eine fallenbesetzte Stadt, das Treffen und Verlieren weiterer Menschen oder aber die Szene, in der Ellie den schwer verletzten Joel umsorgt, wobei sie dann allerdings selbst Opfer einer Entführung wird, nur damit sich Joel wieder auf die beschwerliche Reise begibt, sie zu retten.

Das Ganze bekommt noch ein großes Finale mit der letzten Sequenz: Das Krankenhaus, in dem Ellie „behandelt“ werden soll, damit eventuell ein Impfstoff gegen die Infektion entwickelt werden kann. Das Problem: Ellie wird den Eingriff nicht überleben, was Joel weiß, Ellie aber nicht. Nach allem, was man zusammen durchgemacht hat, kämpft man sich also auch durch das schwer bewachte Krankenhaus, um das kleine Mädchen zu befreien, das einem dermaßen ans Herz gewachsen ist. Und nicht nur das: Naughty Dog bietet damit sogar eines der kontroversesten Enden, die wir erleben durften. Setzt man die gesamte Menschheit aufs Spiel, um nur ein kleines Mädchen zu retten? Kann man mit der Verantwortung leben, dieses Mädchen auch noch anzulügen, um sie in Schutz zu nehmen? Die gesamte Reise durch dieses Abenteuer ist einfach wunderschön erzählt und die zwischenmenschlichen Aspekte, die hier behandelt werden, sind fantastisch dargestellt, sodass auch ich von mir behaupten kann, dass ich von dieser Story tief bewegt worden bin.


Tjark Michael Wewetzer [Alanar] sieht die Welt mit ganz anderen Augen:
Dragon Quest: Die Hand der Himmelsbraut



Als Grundsteinleger des Genres hat die bekannterweise traditionell veranlagte Dragon Quest-Reihe in ihrer Laufzeit auch einige Experimente gewagt – mitunter bei der Erzählweise der häufig eher klischeebehafteten Handlung. Gerade Teil IV und V sind mir in den DS-Inkarnationen im Gedächtnis geblieben, doch während Die Chronik der Erkorenen mich irgendwie kalt ließ, klickte es bei Die Hand der Himmelsbraut umso lauter. Im Großen und Ganzen dreht sich die Handlung um die klassische Heldengeschichte, die einen finsteren Oberschurken mit Welteroberungshang, eine ganze Staffel Dämonen unter seinem Kommando und einer Prophezeihung rund um einen sagenumwobenen Helden, der mit legendärer Ausrüstung ausgestattet die bevorstehende Zeit der Finsternis abwenden soll, beinhaltet. Zeitgleich ist der fünfte Teil der Dragon Quest-Saga aber auch die Geschichte eures Spielercharakters, dessen wichtigste Eckpunkte des Lebens ihr durchlebt. Das Spiel beginnt wortwörtlich mit der Geburt des zukünftigen Welterkunders und bereits im zarten Kindesalter erwarten ihn große Abenteuer.

Doch nach dem Spukausflug mit der aufgeweckten Bianca und dem unliebsamen Treffen mit dem großmäuligen Prinzen Harry folgt gleich der erste Schicksalsschlag, der die Versklavung besagten Königssohns und des Spielers zufolge hat. Jahre später schmieden die beiden – mittlerweile beste Freunde – einen erfolgreichen Fluchtplan und erkunden die deutlich veränderte Welt. Und hier machen sich immer mehr Details bemerkbar, die speziell die DS-Version von Die Hand der Himmelsbraut zu einem besonderen Erlebnis gemacht haben. Die neueren Versionen erlauben es euch nämlich, jederzeit eure Gruppenmitglieder anzuquatschen – und eure menschlichen Begleiter haben praktisch für jeden noch so kleinen Dialog oder gar diverse Gegenden einen passenden Kommentar auf Lager. Nach der Flucht erfahren wir zum Beispiel, dass Harrys Mutter augenscheinlich zur Tyrannin geworden ist und die Bürger des Landes unterdrückt. Harry selbst beißt sich ob der kritischen Kommentare nur noch sprachlos auf die Lippe – er will es nicht wahrhaben. Derartige Momente gibt es viele und so wuchs mir der einst aufmüpfige Racker geschwind ans Herz.

Dieser Effekt zieht sich praktisch durch das ganze Spiel. Im letzten Drittel – das wieder einige Zeitsprünge später stattfindet – zieht man etwa mit seinen Kindern durch die Welt, die man schon in den vorherigen Zeiten ausgiebig erkundet hat. Und abermals haben die Begleiter für alle Gegenden Kommentare parat. Sei es die Bewunderung der Kleinen, wenn sie feststellen, wie weit ihr Vater rumgekommen ist, oder einfach nur die Bitte des Töchterleins, beim Überqueren einer ziemlich hoch gelegenen Brücke an die Hand genommen zu werden, ließen mein Herz erweichen. Das alles kulminiert in einer Ehrenrunde am Ende eines siegreichen Kampfes gegen den großen Oberbösewicht, bei dem die aktive Truppe erneut alle wichtigen Orte des Abenteuers abklappert, um sich nach der Lage zu erkunden und auch ein wenig Ruhm einzuheimsein. Und auch wenn dieser Epilog aufgrund seiner Vielzahl an Dialogen gut und gerne eine weitere Stunde eingenommen hat, so war es das für mich wert. Denn in diesem 40 Stunden langen Abenteuer habe ich so viele liebenswerte Menschen dieser Welt kennengelernt, so viele Facetten von ihnen gesehen und meine kleine Familie dermaßen lieb gewonnen, dass mir dieser lange Abschied ein wohliges Lächeln aufs Gesicht zauberte.

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5 Kommentare

profil 20 comments
[27.11.2016 - 12:57 Uhr]
Ryoji:
Gut, der Artikel hat mich überzeugt und ich würde gerne Dragon Quest V zocken. Ich habe einen DS Lite und bald einen 3DS.
Wie komme ich nun an das Spiel ran? Die Ebay-Preise sind ja sehr hoch. Gibt es das auch im eShop?
profil 84 comments
[27.11.2016 - 14:05 Uhr]
SnakeTD:
Das bewegendste Spiel was ich je gespielt hab befindet sich im Titelbild dieses Artikels.
Rapture war allerdings auch sehr geil.
profil 66 comments
[28.11.2016 - 07:42 Uhr]
AsukaSeitou:
Ich finde "Fragile Dreams" ist ebenfalls ein sehr bewegendes Games. :)

Guter Artikel, The Last of Us hätte ich auf jeden Fall ebenfalls rein genommen.
VA-11 HALL-A würde ich echt gerne Mal spielen. :o
Und Dragon Quest: Die Hand der Himmelsbraut jetzt auch. xD
profil 935 comments
[28.11.2016 - 09:03 Uhr]
Alanar Tjark Michael Wewetzer
@Ryoji: Als jemand, der Dragon Quest V Ende 2015 teuer bei ebay erstanden hat: Es gibt leider keine wirklich kostengünstigere Beschaffungsmethode der DS-Version. Wenn dir englische Texte nichts ausmachen, sollte die US-Version etwas günstiger aufzutreiben sein, aber selbst dann dürftest du noch reichlich blechen müssen. Ansonsten gäbe es höchstens noch die (ebenfalls englischsprachige) Smartphone-Version.

https://itunes.apple.com/de/app/dragon-quest-v/id933113994
https://play.google.com/store/apps/details?id=com.square_enix.android_googleplay.dq5&hl=de
profil 3162 comments
[28.11.2016 - 15:45 Uhr]
Iwazaru:
@ Ryoji: Guck doch mal im Müller vorbei (wenn du einen hast). Bei meinem standen eigentlich fast immer noch die DS-Versionen von allen DQ Teilen herum - zuletzt für 25 Euro. Überhaupt ist der Müller immer wieder ein guter Anlaufpunkt für ältere Spiele zu günstigen Preisen!
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