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Kolumne: Schlimmer geht immer - Dystopische Videospielwelten

PortableGaming-Redaktion, am 31.10.2016, Seite 1 von 1

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Videospiele können uns in fantastische Welten eintauchen und uns Dinge erleben lassen, die in der Realität nicht möglich wären. Doch wie bei jedem Medium mit erzählerischen Möglichkeiten muss man es ja nicht immer auf die Kuscheltour tun. Manchmal wollen wir ergründen, zu was eine Gesellschaft fähig sein könnte, wenn gewisse Moralvorstellungen nicht existieren oder wahnwitzige Verschwörungstheorien vielleicht doch einen Funken Wahrheit beinhalten. Das Ergebnis sind Welten, die bei uns für Ungemach sorgen, die uns Sorgen bereiten - und letztenendes doch irgendwie faszinieren. Zur heutigen Nacht der Geister und Ghoule wollen wir euch eine Auswahl unserer liebsten, dystopischen Videospielszenarien vorstellen. Dabei sei übrigens angemerkt, dass wir den Begriff der Dystopie seeeeeeeeehr großzügig auslegen und uns nicht exakt auf die klassische Wortdefinition versteifen.


Altin Bujupaj [Ailtin] reist durch alle Zeitalter Nosgoths bei…
Legacy of Kain


Wer von Halloween spricht, kommt mit Sicherheit nicht an den gefräßigen, blutgierigen Knoblauch-Hassern, also den Vampiren, vorbei. Sei es Bram Stoker's Dracula, Nosferatu oder - Gott bewahre! - Twilight, in der heutigen Zeit findet man sie an wirklich jeder dunklen und hellen Medienecke. Das war in den 90ern nicht anders. Silicon Knights setzte den ersten Stein, welcher in baldiger Zukunft die Säulen Nosgoths bilden würde: Legacy of Kain und alle nachfolgenden Spiele bestehen wahrlich den Test der Zeit und sind für finstere Halloween-Nächte mehr als empfehlenswert!

Im ersten Titel schlüpft der Spieler in die Rolle des noblen Genossen Kain, welcher durch ein Unglück (das zugunsten von Nosgoth wohlgemerkt) in einen Hinterhalt gerät und als Vampir wiederbelebt wird. Gierig nach Rache bereist ihr die zweidimensionale Welt von Nosgoth und geratet dabei in alle möglichen Konflikte. Natürlich kommt auch die Zeitreise in diesem Titel nicht zu kurz und ihr nehmt schnell an großen Kriegen teil und beeinflusst so nicht nur das Schicksal des baldigen Vampirlords, sondern das der ganzen Welt. Mit vielen Waffen, Gegnern und riesigen Gebieten ist der erste Teil ohne Frage der umfangreichste Titel, direkt neben Soul Reaver. Zeit, die Klinge zu schärfen und Menschen und Hylden niederzumetzeln. Vae Victis!!!

Wer jedoch nicht das teure Glück hatte, Legacy of Kain zu besitzen, der wurde mit Legacy of Kain: Soul Reaver beglückt! Vampirlakaie Raziel gehört zu den Dienern Kains. Eines Tages jedoch entwickelt er sich weiter als sein Boss und so wird er wie jeder andere nette Boss von seinem in einen Whirlpool des Todes befördert. Dank des Sprunges in die dreidimensionale Welt bereist ihr mit Raziel die Ruinen des einst schönen Landes und werdet zugleich von einer der packendsten und auch komplexesten Stories mitgerissen. Die Dialoge sind nahezu klassisch, das Gameplay hat den Test der Zeit bestanden und die Spiele sind auch heutzutage sehr günstig via PSN/GOG/Steam zu finden.

Einen Lieblingstitel in der Reihe zu finden ist definitiv kein leichtes Unterfangen: Während Legacy of Kain mit seiner großen Spielwelt überzeugt, punktet Soul Reaver mit umwerfenden Dialogen und grandioser Musik! Soul Reaver 2 ist etwas dünner im Spielumfang, behält dennoch sämtliche Qualitäten vom Vorgänger bei, während Legacy of Kain: Defiance beide Charaktere spielbar macht sowie das Action-Gameplay deutlich verbessert und somit unterhaltsamer macht. Wer also noch Popcorn und genug Zeit hat, der wird mit dieser wunderbaren Reihe definitiv seine Freude haben!


Michael Grönert [BadToxic] räumt richtig auf in…
Deponia


Die Story von Deponia wirkt, als wäre sie der Definition einer Dystopie selbst entsprungen. In den bereits vier Teilen des Point'n'Click Adventures schlüpft man in die Rolle des chaotischen Rufus, der mittels eigener durchgeknallter Erfindungen versucht, dem Müllplaneten Deponia zu entfliehen und das paradiesische Elysium zu erreichen, um dort ein besseres Leben zu beginnen. Bei einem dieser unzähligen fehlgeschlagenen Fluchtversuche kommt Rufus den korrupten Plänen der Regierung auf die Schliche, bei denen es darum geht, ganz Deponia zu sprengen, um so genügend Energie zu gewinnen, damit Elysium gerettet werden kann. Dieses so paradiesische Raumschiff, als welches sich Elysium entpuppt hatte, geht nämlich selbst langsam den Bach herunter und muss einen neuen Planeten finden, um weiter bestehen zu können. So wird Cletus, sozusagen der Gegenspieler unseres Protagonisten, zusammen mit seiner verlobten Goal nach Deponia geschickt, um dort in Erfahrung zu bringen, ob noch menschliches Leben auf dem Müllplaneten vorhanden ist, was den verwöhnten Bewohnern Elysiums nicht bekannt ist. Sollte sich herausstellen, dass dieser noch bewohnt ist, müsste die Regierung von der Sprengung absehen und es bliebe nur noch, selbst nach Deponia umzusiedeln. Cletus möchte mit allen Mitteln erreichen, dass der Bericht über die Bewohnbarkeit des Planeten negativ ausfällt, wozu er auch Goal davon überzeugen wollte. Doch kommt hier Rufus mit seiner Tollpatschigkeit ins Spiel und sorgt durch ein Missgeschick dafür - der Flucht so nah wie noch nie -, dass Goal und er wieder zurück auf die deponianische Oberfläche befördert werden. Durch diese Aktion verliert Goal auch noch ihr Gedächtnis, was das weitere Vorgehen stark verkompliziert und dazu gehören auch die Sprengungscodes, die übrigens in Goals Gedächtnis-Datasette gespeichert sind.

Es ist schwer, noch mehr über die Spiele zu berichten, ohne zu viel zu verraten und vor allem ohne enorme Verwirrungen zu verursachen. Mit der Zeit wird die Geschichte immer verworrener und das nicht nur, weil Klone mit Verwechslungsgefahr auftreten und schließlich Zeitreisen mit enormen Paradoxen zum Standard-Ablauf gehören. Die Abenteuer sind immer für einen Lacher gut, verlangen etwas Gehirnschmalz, da man doch öfter um die Ecke denken muss und noch dazu sollte man sich nicht vor unerwarteten Wendungen scheuen. Auch wenn man besser nicht zu sehr auf ein Happy End hoffen sollte - ich war begeistert von diesem humorvollen, aber auch künstlerischen Tiefgang in einer unterhaltsamen Erzählung.


Nicola Hahn [501.legion] kämpft gegen fiese Aliens und natürlich auch für die Freiheit in…
XCOM 2


Die XCOM-Operation zur Rettung der Menschheit ist ziemlich schlecht gelaufen: Während der ersten Mission in Hamburg verliert XCOM fast das komplette Einsatzteam beim Erstkontakt mit Aliens. Wenig später wird die komplette XCOM-Untergrundbasis überrannt und die Aliens erobern den Planeten. Die Ereignisse resultieren in der Gründung von ADVENT, einer Schein-Kooperation von Menschen und Aliens, die versucht, der restlichen Menschheit ein friedliches Zusammenleben zu verkaufen, indem sie die Technik der Menschheit verbessert und sogar Genlabore einrichtet, um Krankheiten zu heilen. Natürlich haben die Aliens nur ihren eigenen Vorteil im Sinn und missbrauchen die wehrlosen Patienten für fiese Genexperimente und verschiffen die leblosen Körper in geheime Forschungseinrichtungen, um an ihrem eigenen großen Ding zu arbeiten: Dem Avatar-Projekt.

Wer durch die großen Städte streift, der trifft an jeder Ecke auf Soldaten, die wie Menschen aussehen, aber hinter ihrer Rüstung unheimlich verformt wurden. Die komplette Koordination der Streitkräfte läuft über Gehirnwellen ab, geleitet vom ehemaligen XCOM-Commander, der sich jetzt im Tiefschlaf und in der Hand der Aliens befindet und unbewusst die letzten Widerstände der Menschheit gegen die Aliens beseitigt. Ein weiterer gemeiner Propaganda-Trick ist auch die Einführung des ADVENT-Burgers, der selbst den Rebellen ein Begriff ist und der vermutlich kein Gramm Fleisch enthält - eine Horrorvorstellung!


Sebastian Mauch [Paneka] geht auf Tauchgang mit…
BioShock


Eines vorweg: Bioshock spielt nicht wirklich in der Zukunft, wie es der Begriff „Dystopie“ eigentlich vorschreibt - viel eher im Jahre 1960. Versetzen wir uns gedanklich aber einfach mal in die Zeit vor dem Aufbau Raptures zurück. Geplant war die Unterwasserstadt eigentlich als Rückzugsort für all jene Menschen, die sich in der „Oberwelt“ nicht so recht einzuordnen wussten. Andrew Ryan erdachte und erbaute also dieses neue Utopia namens Rapture, welches anfangs auch ziemlich zu florieren schien. Ein schlauer Fuchs entdeckte dann aber das Adam und die Plasmide, das große Splicen begann und alles - wirklich alles - ging den Bach runter. Zur Story möchte ich aber jetzt nicht zu viel verraten - wer jetzt neugierig ist, der sollte sich das Remaster dringend mal anschauen!

Das Spannende ist jedoch, dass Ryan es tatsächlich schaffte, eine so riesige Stadt weit unterm Meeresspiegel zu errichten und sogar zahlreiche passende Bürger dazu bewegen konnte, sich ein Leben unter Wasser aufzubauen. In einer so isolierten Gesellschaft muss aber früher oder später etwas passieren, und genau so geschah es. Eine zivilisierte Bevölkerung, die vor nicht allzu langer Zeit erst entstand, war quasi schon von Beginn an dem Untergang geweiht. Blöd gelaufen für den Protagonisten Jack, der dummerweise mit seinem Flugzeug über dem offenen Meer abstürzte. Einzige Zuflucht ist ein Leuchtturm, der noch dazu den Zugang zu Raptures Hallen darstellt.

Das erste Mal aus der Tauchkapsel zu steigen und direkt von einem Splicer belagert zu werden war schon sehr krass. Nach einer kurzen Spielpassage aber Rapture in seiner vollen Pracht zu sehen, das war einer der eindrucksvollsten Momente, die ich je in einem Videospiel erleben durfte. Die Stimmung dieses Spiel war einfach unbeschreiblich, mal abgesehen von bekannten Gameplay-Patzern. Getoppt wurde das nur noch durch den Nachfolger Bioshock Infinite, in dem man in einer gläubig-fanatischen Himmelstadt auf Erkundung geht. Aber zurück zum Ur-Bioshock. Dieser Titel hat den Begriff einer Dystopie, also einer fehlgeschlagenen "perfekten Gesellschaft" meiner Meinung nach perfekt eingefangen, definitiv ein Meilenstein der Videospielgeschichte.


Alexander Schneider [Gardevoir ex] geht dem Hexerhandwerk nach in…
The Witcher 3: Wild Hunt


Die gigantische Spielwelt von The Witcher 3 spielt in einem derart weitläufigen Epos ganz sicher eine mindestens genauso wichtige Rolle wie die in ihr lebenden Protagonisten, allen voran Geralt von Riva, die von ihm geliebten Frauen Yennefer von Vengerberg und Triss Merigold sowie seine Ziehtochter Ciri, welche die Ausbildung zur Monsterjägerin unter seiner Ägide ableisten durfte. Doch so dystopisch die Verhältnisse im Witcher-Finale auch sein mögen, sie rücken angesichts der wendungsreichen Hauptstory und angesichts der beeindruckenden Bildgewalt, die wunderschöne Regionen wie das frostige Skellige, das sumpfige Velen und die pulsierende Großstadt Novigrad ausstrahlen, immer weiter in den Hintergrund. Wo wir aber schon bei Novigrad, das als freie und unabhängige Hafenstadt in Redanien gilt, wären: So malerisch die lebendige Metropole auch zu sein scheint, sie ist das Paradebeispiel für die dystopischen Anklänge im Fantasy-Spektakel. So unterhält Novigrad einen eigenen Geheimdienst, der eng mit der fanatischen Kirche des „Ewigen Feuers“ verbandelt ist, und lässt diesen mit eiserner Hand das Regiment führen. Als höchste Instanz in Novigrad steht der spirituelle Kult noch über dem Geheimdienst, obwohl dieser ohnehin von Chappelle, dem Oberhaupt der Kirche, geführt wird. Jene, die dem wahnhaften Kult angehören, glauben an das Symbol der unsterblichen Flamme, die ihnen das Überleben ermöglicht und Wege in der Dunkelheit aufzeigt. Gut, man mag sich nun denken: Was ist an einer paranoiden Sekte so gefährlich? Es ist ihr militanter Arm, der sogenannte „Orden der Flammenrose“. So behauptet der Orden öffentlich, seine Aufgabe sei der Schutz der Menschen vor Ungeheuern, doch hinter dem vermeintlich edlen Motiv verbirgt sich unfassbares Grauen: Die Kirche und ihre Ritter des Ordens machen brutal Jagd auf Magier, Andersgläubige und Scoia'tael, eine Gruppe von Rebellen, die zumeist aus Elfen besteht und gegen die Diskriminierung von Anderlingen kämpft. Im Mittelpunkt des Handelns stehen dabei die Indoktrination des Volkes, rassistische Hetze gegen die verhassten Minderheiten und öffentliche Hinrichtungen. Da viele Bürger verarmt sind und keinerlei Perspektive haben, klammern sie sich verzweifelt an die korrupte Kirche und sind so ein leichtes Ziel für Manipulation und Aufwiegelei. Auch Hexer wie unser Hauptcharakter Geralt von Riva - einst eine stolze Zunft von Monsterschlächtern - werden vom Mob geächtet und müssen einsam durch die Welt ziehen, um die wenigen Aufträge, die ihnen noch bleiben, annehmen zu können. Wahrlich ein schweres Los…

Allerdings versinkt die Welt von The Witcher 3 auch abseits des religiösen Wahns und rassistischer Vorurteile im Chaos. So hat das Kaiserreich Nilfgaard unter seinem skrupellosen Führer Emhyr var Emreis tatsächlich die Nördlichen Königreiche angegriffen, und jener blutige Einmarsch sorgte nicht nur für unzählige Tote, sondern auch für Verwüstung inmitten der eigentlich so hübschen Welt. Als wäre dieser grundlegende Konflikt noch nicht genug, streifen auch noch Ungeheuer wie Alghule, Ertrunkene, Moderhäute, Gruftweiber, Vampire und geisterhafte Mittagserscheinungen umher (Happy Halloween!) und sorgen in den einst so friedlichen Dörfern für Tod und Verderben. Von den Deserteuren und Banditen, die die Unruhen nutzen und plündern, wie es ihnen gefällt, mal ganz abgesehen... Sollte man also ein Anderling sein, kein menschliches Wesen, ist man in der oft so grausamen Welt des weitläufigen RPGs absolut verloren - Elfen, Zwerge, Gnome, Halblinge und auch Dryaden werden von vielen Menschen als Abschaum betrachtet. Vielleicht sogar eine dystopische Anspielung auf unsere Realität? In Zeiten, in denen Rechtspopulismus um sich greift, sicherlich einen Gedanken wert.

Und doch ist The Witcher 3 ein magisches Spielerlebnis, welches sich niemand, der auch nur annähernd für Rollenspiele, Open World-Erlebnisse und Phantastik zu begeistern ist, entgehen lassen sollte! Zwar mögen all die Missstände wie etwa die Verrohung der gesamten Gesellschaft recht betrüblich wirken, inmitten einer hochspannenden Story, einer riesigen Vielfalt an Monstern, märchenhaften Landschaften und außergewöhnlichen Charakteren wirken die beschriebenen Ungeheuerlichkeiten aber gleich weniger belastend. Wer mag sich schon den Blick auf das endlos schöne Skellige, eine Partie Gwint oder ein Schäferstündchen mit der holden Weiblichkeit verhageln lassen? Die Ausnahmeentwickler von CD Projekt RED verbinden die Dystopie also mit einer wahrlich ergreifenden Art von Zauber, wie ich sie zuvor noch nie erlebt habe. Unzählige Hexeraufträge, Nebenquests, Items, Monster und Charaktere warten darauf, von euch entdeckt zu werden - und das kann gut und gerne mehrere hundert Stunden in Anspruch nehmen! Es ist absolut bemerkenswert, wenn jede noch so unwichtige Spielfigur bis ins letzte Detail ausgearbeitet wird und von der ersten Sekunde an meine Aufmerksamkeit gewinnt, wenn jeder Grashalm und jeder Hügel einen Blick oder einen Marsch wert ist, wenn man mit Hauptakteuren mitfiebert, als seien sie die eigenen Freunde und wenn einem so mancher Moment des opulenten Soundtracks die Tränen in die Augen treibt… Wer also tief in eine Dystopie eintauchen und dabei womöglich die virtuelle Reise seines Lebens erleben möchte, dem sei The Witcher 3 - seinem Ruf nach das Spiel des Jahrzehnts - guten Gewissens und dringend ans Herz gelegt!


Lisa Spitzer [mrscookie13] kämpft für ihre Freiheit in…
Freedom Wars


Die Welt, die man in diesem Spiel vorfindet, sorgt beim treuen Fan von 1984 wohl für Ekstase. Da die Ressourcen der Erde sich dem Ende geneigt haben, grenzt schon die bloße Existenz an eine Sünde. Das ist noch nicht mal im übertragenden Sinne gemeint, sondern schon ganz wörtlich: Die meisten Charaktere des Spiels, wie auch der Spieler selbst, haben lediglich den Rang eines Sünders, der keinen wirklichen Wert hat, und auf Schritt und Tritt kontrolliert und befehligt wird. Jeder kleinste Fehltritt sorgt für gut und gerne tausend Strafjahre, und nur wenn man all seine Jahre abgearbeitet hat, kann man sich zum Rang des Bürgers hocharbeiten, welche als wichtige Ressource angesehen werden. Belanglose Gespräche? Verboten. Zu viele Schritte auf einmal gehen oder gar laufen? Wird geahndet. Ach, Big Brother wäre so stolz.

Doch wie kann man sich nun aus der Misere befreien? Indem man der Gesellschaft etwas zurückgibt – sprich: Indem man die so dringend benötigten Ressourcen heranschafft. Bei diesen handelt es sich um echte Ressourcen, die man einsammeln soll, jedoch häufig auch um die so angesehenen Bürger, welche nicht selten von anderen Gemeinschaften (in diesem Spiel: Panoptiken) entführt werden. Um diese aus den Fängen des Feindes zu befreien, muss man sich in guter Hunter-Manier gewaltigen, monsterähnlichen Maschinen stellen und gegen diese kämpfen. Zum Glück stehen einem die anderen Sünder sowie auch der persönliche Roboter, der einem als Aufpasser überall hin folgt und jeden Regelverstoß rigoros ahndet (ich habe nicht übertrieben mit dem Überwachungsstaat), zur Seite.

Trotz all dieser dystopischen Aspekte muss ich sagen, dass ich gut und gerne viele Stunden in der Welt von Freedom Wars verbracht habe. Die Grundidee des Spieles ist interessant, die Monster sind beeindruckend gigantisch, die Kämpfe temporeich, die Grafik überzeugt durch viele Details, die Musik ist abwechslungsreich und macht richtig Lust auf die Missionen. Alles in allem eine Dystopie, die ich (nun zum wiederholten Male) allen ans Herz legen möchte. Besonders zu Halloween kann man sich die bedrückende Wirklichkeit dieses Spiels ruhig mal geben.


Denis Wewetzer [Azure] kämpft auch für eine zerstörte Welt weiter in…
God(s) Eater


Die Welt verwüstet durch Kreaturen, die man einfach nicht auslöschen kann - was kann eine Dystopie besser beherrschen, als genau dieses Bild? In God Eater finden wir uns in einer Welt wieder, in der es nur noch wenige Zufluchtsorte für die Menschheit gibt. Alle anderen Bereiche werden durch die Aragami beherrscht – wilde Monster, die Menschen recht weit oben auf ihrer Speisekarte haben. Was so tödlich an ihnen ist? Die unfassbar schnelle Adaptionsfähigkeit an alle möglichen Szenarien, die Menschen ihnen entgegenbringen könnten. Aber das ist noch nicht alles: Sie bestehen aus sogenannten Orakel-Zellen - Mikroorganismen, die selbst nach dem Absterben größter Teile der Kreatur weiterleben und sich erneut aufbauen können. Das Resultat: Aragami können immer nur für eine kurze Zeit ausgelöscht werden, bevor sich die Zellen wieder neu ansammeln und somit wieder ein neues Monster erschaffen, das eventuell resistent gegen vorher verwendete Angriffe ist.

Und dennoch: In dieser Welt ist nicht alles verloren. Schließlich gibt es die sogenannten God Eater: Kämpfer, die speziell dafür ausgebildet werden, die fürchterlichen Wesen zu vernichten und durch das Entfernen ihrer Kerne eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Doch selbst diese Fähigkeit hat ein enormes Risiko: Die einzigen Waffen, die gegen die Aragami wirken, sind nämlich die God Arcs – Waffen, die selbst aus Orakel-Zellen bestehen. Da es sich bei diesen allerdings um Parasiten handelt, ist das Verwenden der God Arcs für die God Eater fast schon lebensgefährlich, wenn sie nicht gerade besonders kompatibel mit ihnen sind. Und selbst dann ist die Verbindung mit einer God Arc mit enormen Schmerzen verbunden – wie uns nur zu gerne in beiden Teile des Spiels dargestellt wird.

Die Verwüstung ist in God Eater sehr offensichtlich dargestellt, denn außer dem Hub sind alle Gebiete, in denen man sich zur Jagd begibt, restlos zerstört und man bewegt sich eigentlich nur noch durch verwüstete Gegenden (mit kleinen Ausnahmen im zweiten Teil). Auch die Gefahr, die die Aragami darstellen, wird immer wieder demonstriert, wobei das auch durch den zweiten Teil besonders hervorgehoben wird, was ich an dieser Stelle jedoch aus Spoiler-Gründen nicht weiter darstellen möchte. Trotz der großen Gefahr, in der sich die Menschheit befindet, schaffen es die Charaktere allerdings, einem immer wieder Mut zu machen, sich in den Kampf zu begeben und für die Menschheit zu kämpfen – auf dass man doch endlich eine Möglichkeit findet, seine Liebsten für immer zu beschützen und nie wieder mit einem Verlust durch die blutrünstigen Aragami leben muss. Die gesamte Handlung setzt auf ein kleines bisschen Hoffnung, verlorene Menschen wiederzusehen oder die Aragami ein für alle Mal zu vernichten. Mut und Hoffnung sind ein dermaßen starkes Leitbild in den Spielen, die sich trotz der ohne Zweifel dystopischen Rahmenhandlung durchsetzen und einen immer wieder dazu bringen, sich den Göttern in den Weg zu stellen.


Tjark Michael Wewetzer [Alanar] erlebt erstaunlich wahrscheinlichen Cyberterror in…
Mega Man Battle Network


Ja wie, bitte was? Die superknuddelige Welt von Mega Man Battle Network, deren Spiele eine Altersfreigabe ab 0 oder 6 Jahren genießen, soll dystopisch sein? Eine Welt, in der man mit hochentwickelten KI-Kameraden den Cyberspace von Viren befreit, indem man sie abknallt? Das soll doch wohl ein Witz sein! Zugegeben, auf den ersten Blick wirkt das tatsächlich so. Immerhin ist das Nahzukunftszenario der Reihe, die eine alternative Zeitlinie zur klassischen Mega Man-Saga darstellt, schon in gewisser Weise traumhaft. Viele Vorgänge sind vollautomatisiert, der Schulunterricht findet in hochtechnisierten Klassenräumen mit einem PC an jedem Tisch statt und um die persönlichen Cyberkämpfer, die das Leben vieler Leute begleiten, hat sich sogar eine Turnierszene entwickelt, bei denen die fähigsten Netzkrieger ihre Fähigkeiten zur Schau stellen können. Aber das ist alles nur die Oberfläche. Unter der Haube wird es ziemlich düster und erschreckend.

Schon der Serieneinstand bietet ein paar ungemütliche Szenarien. Beispielsweise ist das Verkehrssystem der Welt komplett über ein Netzwerk gesteuert, Fahrzeuge fahren vollautomatisch nach den Angaben der Ampelcomputer – die sich augenscheinlich problemlos von außen hacken lassen. Das Ergebnis? Das Ampelsystem gerät außer Kontrolle, Autos krachen mit gewaltigen Explosionen ineinander und ein mit reichlich Passagieren beladener Bus rast im Affenzahn quer durch die Stadt. Überhaupt ist erschreckend viel an das Internet angebunden. Im dritten Teil verschafft man sich zum Beispiel auf einem Umweg über die Datenautobahn Zugang zum nächtlich verschlossenen Schulgebäude. In so einem Fall natürlich harmlos, weitaus weniger witzig wird es jedoch, wenn militärisches Kriegsgerät über das Netz gehackt und gesteuert wird – auch das passiert in dieser ach so niedlichen Zukunftsvision!

Durch diese Züge, die sich durch die gesamte Reihe ziehen, baut sich in gewisser Weise ein ziemlich mulmiges Gefühl auf. Und das heute eigentlich noch mehr als damals, als die Spiele ursprünglich erschienen sind. Wer heutzutage die sechs Battle Network-Titel spielt, wird merken, wie viel davon nach heutigen Maßstäben äußerst realistisch ist. Der Begriff „Internet der Dinge“ steht für die vielen Alltagsobjekte, die wir mittlerweile mit Internetanschluss kriegen können – von Kühlschränken über Barbie-Puppen und Überwachungskameras bis hin zu Sexspielzeug. Besser noch: Die meisten Gegenstände dieser Art sind miserabel abgeschirmt und ein beliebtes Ziel für die Installation von Botnetzen. Erst vor wenigen Wochen gab es sogar eine groß angelegte DDoS-Attacke, die zahlreiche Seiten lahmlegte! Man könnte also sagen, dass wir auf eine Zukunft im Stile der Battle Network-Spiele zusteuern. Blöd ist nur, dass wir keine NetNavis haben, mit denen wir Hacker bekämpfen können. Stattdessen haben wir Siri und Cortana, die irgendwie mit keinem unserer Battle Chips klarkommen und auch sonst nicht sonderlich kämpferisch drauf sind. Man kann auch nicht alles haben.

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