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Kolumne: Gerechtfertigter Hype oder doch nur heiße Luft - Pokémon Go auf dem Prüfstand

PortableGaming-Redaktion, am 08.08.2016, Seite 1 von 2

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Teil 1: Das ist Pokémon Go | Teil 2: Das Fazit der Redaktion

Dass Smartphones nun auch für den einstigen Handheld- und Konsolenhersteller Nintendo ein ziemlich lukratives Geschäftsgebiet sind, ist ja bekanntlich seit Miitomo kein Geheimnis mehr. Wir schauen erneut über den Tellerrand und widmen uns erneut einer App. Zwar stammt diese nicht direkt von Nintendo, sondern von Niantic, doch über die namensgebende Marke verdient sich auch Big-N eine goldene Nase an dem Spiel. Offensichtlicher geht es kaum, die Rede ist natürlich von Pokémon Go. Wer bis jetzt noch nichts davon gehört hat, sollte dringend einen Arzt aufsuchen. Ist man nämlich bei allen körperlichen Sinnen, war es in den letzten Wochen quasi unmöglich, nichts von dem enormen Hype mitzubekommen. Mit der Kernfrage, ob das Spiel dem Hype gerecht wird, werden wir nun einige Aspekte des Spiels beleuchten und anschließend jeder für sich ein Fazit präsentieren. Kleiner Spoiler: Nicht alles was Gold ist, glänzt auch.

Kapitel Eins: Prolog
Um das Spielkonzept von Pokémon Go zu verstehen muss man zunächst wissen, wer Entwickler Niantic überhaupt ist, und wo der Zusammenhang zu deren erstem, großen Projekt Ingress besteht. Niantic Inc. (vormals Niantic Labs) fand seinen Ursprung als internes Startup-Projekt von Google. Später kapselten sich die Damen und Herren vom Mediengiganten Google ab und entwickelten sich als eigenständige Instanz weiter. Bekannt wurde die Softwarefirma vor allem durch das erste große Augmented Reality-Spiel Ingress. Dieses machte es den Spielern – zunächst nur auf Android – möglich, mit ihren Smartphones und aktiviertem GPS ihre Umgebung zu erkunden und mit anderen Leuten zu wetteifern und zu interagieren. Dabei konnten sogenannte Portale sichtbar gemacht werden, die sich vor allem an Baudenkmälern und anderen wichtigen Orten fanden. Genau diese „Portale“ dienen nun in Pokémon Go zusammen mit abstrahiertem Google Maps-Kartenmaterial als Grundlage für das nächste, große Smartphone MMO.

Kapitel Zwei: Das Spiel und seine Spieler
Das Ziel des Spiels sollte mindestens so klar sein wie Kloßbrühe. Immerhin reden wir hier von einem Spin-Off der weltweit beliebten Pokémon-Reihe. Ziel ist selbstverständlich das Komplettieren des Pokédex. Erneut schlüpft man in die Haut eines Trainers, den man nun sogar eingeschränkt individualisieren kann. Auf der Karte sieht man jedoch (noch) keine anderen Trainer, sondern lediglich Arenen, Pokéstops und die Taschenmonster selbst. Mit dem Smartphone in der Hand rennt man so also durch den Ort oder die Landschaft und hofft auf möglichst viel Beute. Dabei muss das Telefon wohlbemerkt stets aktiv sein, was den Akku innerhalb weniger Spielstunden an der frischen Luft vertilgen kann. Doch angehende Pokémon-Meister lassen sich nicht lumpen, daher versorgen sich derzeit etliche Menschen mit externen Zusatzakkus (Powerbanks), und tragen so eine Art „Nabelschnur für’s Smartphone“ durch die Gegend. Mit etwas Glück stößt man dann auch mal auf ein virtuelles Monster, welches man per Wischgeste mit einem Pokéball einfängt, sofern der Frechdachs nicht entwischt. Um nicht ohne helfende Items dazustehen, muss man sich den weiter oben erwähnten Pokéstops nähern, und dort jeweils eine Medaille mit einem kleinen Bild der Sehenswürdigkeit drehen, und schon ploppen einige Gegenstände in Seifenblasen aus einer antiken Vase oder einem besonders schönen Graffitigemälde. Natürlich ist dies nur ein Beispiel, denn auch irrelevantere Dinge wie ein rund um die Uhr geöffneter Club für Erwachsene in den USA dienen als Vorlage für einen Pokéstop. Fassen wir also zusammen: Mit dem Smartphone in der Hand läuft man umher, sammelt an wichtigen Orten Items ein und fängt dabei ganz viele Pokémon. Wer auf dem Land wohnt hat mit den Hauptaspekten des Spiels aber leider wenig Spaß, denn dort finden sich leider derzeit extrem wenige Pokémon und meist nicht mehr als ein, zwei Pokéstops bei den hiesigen Kirchen und Friedhöfen.

Kapitel Drei: Gewaltloser Revierkampf
Drei Teams sie zu knechten, oder so ähnlich. Erreicht man Level 5 im Spiel, so wird man aufgefordert sich einem der drei (anscheinend gutgesinnten) Teams anzuschließen, als da wären: Team Wagemut (rot), Team Weisheit (blau) und als Schlusslicht Team Intuition (gelb). Schlusslicht deshalb, weil dieses Team in den meisten Ballungsräumen schlichtweg in der Unterzahl ist, und selbst das Internet schon fleißig am Memesbasteln ist. Jedem dieser Organisationen steht entsprechend der Farbe jeweils eines der drei legendären Vogelpokémon der ersten Generation als Wappentier zur Seite. Im Namen seines Teams ist es nun oberstes Gebot, möglichst viele Arenen auf der Karte einzunehmen. Besiegt man die dort hinterlegten Pokémon eines fremden Teams, sinkt das Prestige-Level und irgendwann kann man selbst ein Taschenmonster dort stationieren. Trainiert man in einer Arena seines Teams, kann man den Level des Standortes steigern, was euren Teamkollegen ermöglicht noch mehr Monster dort zu platzieren. Erfahrungsgemäß sind aber selbst die vollgepacktesten Gyms relativ schnell und einfach eingenommen, da am Ende fast nur die Menge der vorhandenen Heilitems ausschlaggebend ist. Spaß macht das Erobern der Arenen aber trotzdem und sorgt (auch als Mitglied von Team Gelb) für eine gewisse Gruppendynamik. Auch ist uns noch nicht bekannt, dass es jemals bisher eine Schlägerei deswegen gegeben hat, das spricht also für eine recht besonnene Community. Die Einnehmerei könnte aber wesentlich motivierender sein, da es aktuell noch möglich ist, eine vom Gegner frisch heruntergekämpfte Arena mit seinem eigenen Pokémon zu spammen, ohne auch nur einen Finger krumm gemacht zu haben.

Kapitel Vier: Große Marke + Viele Bugs + Smartphonezombies = Hype
Wer jetzt glaubt, Pokémon Go ist nur so bekannt wegen der beliebten Marke, der hat sich gewaltig geschnitten. Das sorgte nämlich allerhöchstens für eine solide Grundzahl an Spielern. Der wahre Hype brach unserer Auffassung nach erst dadurch aus, dass nun tausende Spieler wie gelähmt auf ihr Telefon schauend haarscharf an Straßenlaternen vorbeilaufen und sonst so friedliche Friedhöfe und Denkmäler belagern. Sogar militärische oder staatliche Einrichtungen wurden schon überrannt und selbst Unfälle mit Verkehrsteilnehmern und Leichenfunde sind keine Seltenheit. Hinzu kommt, dass das Spiel nach dem (sehr holprigen) offiziellen Launch eher schlecht als recht funktionierte. Die im Vorfeld aus anderen Quellen bezogenen Versionen von Pokémon Go brachten schon genug Last für Niantics Kartoffelserver, doch der eigentliche Ansturm war einfach zu viel des Guten.

Der Frust beginnt schon beim Starten des Spiels. Der Ladebalken steht, und man hofft inständig darauf, dass er endlich weiterspringt und das Spiel startet. Ist man dann schließlich mal im Spiel, lädt die Karte nicht, das GPS springt von A nach B, Schrödingers Pokéball lässt die App einfrieren, man entwickelt unsichtbare Wesen, etc. pp. Die gesamte Palette hier aufzuzählen wäre die reinste Utopie. Aber eben diese Mankos sorgten für jede Menge Neugierde, Memes und fluchende Zombies auf den Straßen, und siehe da: Der Hype ward geboren - dabei bietet die App momentan im Grunde nicht mehr. Pokémon fangen, Arenen einnehmen, Items sammeln, das war es auch schon. Zur Serverschonung entschloss man sich bei Niantic sogar dazu, eines der bisher eher dürftigen Updates dazu zu verschwenden, ein elementares Feature zum Ausfindigmachen der Pokémon gänzlich zu entfernen. Selbst enorm praktische Webtools wie Pokévision wurden nun durch Einschränkung der API quasi ausgemerzt. Somit ist derzeit kein gezieltes Jagen seltener Pokémon möglich, sondern lediglich planloses Umherirren. Dafür wurde mit dem letzten Update ordentlich an der Serverstabilität und der Bedienbarkeit in den Menüs geschraubt, immerhin ein kleiner Trost für treue Spieler. Ein Großteil der vom Hype angelockten Zocker ist nämlich schon jetzt wieder abgewandert. Niantic betonte aber in einer Pressemitteilung, dass das jetzige Pokémon Go lediglich etwa zehn Prozent von dem sei, was das Spiel in Zukunft bieten soll. Angekündigt sind zum Beispiel Pokémon Center, Kämpfe und Tauschen zwischen Trainern sowie ein überarbeiteter Pokémon-Radar zum Aufspüren weiterer 1000 Karpador.


Das war nun zugegebenermaßen ziemlich viel Input, eingefleischte Trainer haben vieles davon aber sicher schon selbst herausgefunden. Interessanter dürften da die persönlichen Erfahrungsberichte unserer Redaktionen sein. Auf der nächsten Seite geht's weiter!


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5 Kommentare

profil 84 comments
[09.08.2016 - 04:05 Uhr]
SnakeTD:
Ich hatte bisher nie was mit Pokemon am Hut, aber die Meinung des zweiseitigen Schwertes teile ich voll und ganz. Ich find die App toll und hab viel Freude damit, aber man sollte es auch wirklich nicht übertreiben. So finde auch ich es absolut unschön, wenn Leute sich auf zB Friedhöfen einfinden um Pokemons zu suchen. Auch Verkehrsbeeinträchtigungen sollten möglichst nicht gegeben werden.

Hab heut mit Level 18 mein erstes Pikachu gefangen, das war schon irgendwie ein Glücksgefühl. Wenn mir das Spiel weiterhin solche Momente bereitet, bleibe ich gern am Ball (haha). Selbige gehen mir übrigens nie aus, da ich über einem Stop wohne und sich auf der Bahnstrecke richtung Innenstadt auch noch ca 10 befinden. Läuft somit ganz gut hier. Wirklich auf Jagd gehe ich damit aber nicht. Ich schaue mal drauf, wenn ich sowieso unterwegs bin. Komme damit bisher dennoch gut voran.

Auf jeden Fall ein gut geschriebener Text, freue mich auch auf kommende Updates.
profil 43 comments
[09.08.2016 - 11:33 Uhr]
POKIWOKI:
Das Prinzip von Pokémon Go gibt es schon seit Jahren und nennt sich Geocaching, was ich selbst ab und zu betreibe.
Der Hype liegt in meinen Augen einfach am Pokémon-Gewand...
profil 3157 comments
[09.08.2016 - 17:42 Uhr]
Iwazaru:
Ich finde Geocaching ist irgendwie ganz anders...
profil 43 comments
[09.08.2016 - 17:56 Uhr]
POKIWOKI:
Nunja, man hat ein Gerät in der Hand mit dem man ein Ziel erreichen und finden bzw. fangen soll. Vom Grundprinzip her ist es für mich dasselbe.
profil 3157 comments
[10.08.2016 - 11:29 Uhr]
Iwazaru:
Die Aufgaben die ich bei Geocaching kenne beziehen das Umfeld deutlich stärker ein. Man muss die Umwelt erkunden, Fragen dazu beantworten und aus den Fragen ergeben sich dann oft Rechnungen die die Location des Caches verraten. Ich würde also so weit gehen und sagen, dass man nicht nur mehr Hirn braucht, sondern bei mehreren Aufgaben auch nen Lerneffekt haben kann. Bei Pokemon nicht - da gehst hin, sammelst deine Viecher und das war's meistens auch schon. Zumindest spielen die Meisten die ich so sehen wohl nur nach dem Prinzip "Pokedex füllen".
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