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Kolumne: Halloween schön seltsam - Bizarre Spielerfahrungen

PortableGaming-Redaktion, am 31.10.2015, Seite 1 von 1

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Nicht nur mit gepflegtem Grusel lässt sich die derzeitige Saison feiern, auch das Abstrakte und Unerklärliche reizt gerade in diesen finsteren Stunden sehr. Manchmal sind es gerade diese skurrilen Dinge, die uns einen Schauer über den Rücken laufen lassen - eben weil wir uns nicht erklären können, wie das alles logisch zustande kommen soll. Häufig heitern uns diese schrägen Momente aber auch schlicht und ergreifend auf oder faszinieren uns mit ihrer Eigenartigkeit. Wie in jedem Medium gibt es auch in der Welt der Videospiele so einige Titel, bei denen man die Gedankengänge der führenden Köpfe dahinter infrage stellt. Welche Trips uns dabei besonders im Gedächtnis geblieben sind, verraten wir euch im folgenden Artikel.

Altin Bujupaj [Ailtin] kämpft sich durch sämtliche B-Movie-Klischees in…
Earth Defense Force


Keine Liste an skurrilen Spielen ist unvollständig ohne eines der skurrilsten Exemplare aus Japan - Earth Defense Force! Das Spiel ist wie ein schweizer Taschenmesser und passt in so ziemlich jede Ambiente. Viel Bier intus und auf der Suche nach einem lustigen Shooter? EDF. Einsame Nächte ohne Freundin? EDF. Halloweenstimmung und eine persönliche Abneigung gegenüber Ameisen und Spinnen? EDF ist die Lösung. D3 Publisher und Sandlot haben ähnlich wie bei Onechanbara einfach ein sehr schlichtes, aber effizientes Spiel entwickelt, das sicherlich nicht mit der heutigen AAA-Branche in puncto Technik und Grafikengine mithalten kann. Was aber Earth Defense Force schafft, ist es dem Spieler eine großartige Form von Spaß zu geben. Und wie bereits ein großer Mann unter der Firma Nintendo sagte, ist ein Spiel nur dann ein Spiel, wenn es auch Spaß macht.

Die Story in Earth Defense Force ist so durchsichtig wie ein Tesafilm, muss aber auch keine verstrickten Storylines nachweisen. „Du Mann oder Frau mit Waffe, da drüben Rieseninsekten, du töten“ müsste das nächste Slogan für das kommende EDF werden. Natürlich ist kein Spiel Käse, wenn die Sprachausgabe auch nicht komplett daneben wäre. Von unvergesslichen Zitaten wie „Do you like death? Then die!“ bis hin zu chaotischen Gekreische und einem japanischen Werbespot wie diesem hier, ist es schwer die Reihe nicht zu lieben. Natürlich ist kein Spiel komplett ohne seine Antagonisten. In Earth Defense Force sind das mal Alienraumschiffe, Flugdrohnen, Riesen-Mechs oder auch übergroße Reptilien. Wem das nicht ausreicht, darf seine Schadensfreude an Riesenameisen und Spinnen auslassen. Mal könnt ihr mit normalen Maschinengewehr oder mit Flammenwerfer gegen diese Ungetüme in die Schlacht ziehen, neuere Teile bieten jedoch auch die weiblichen Pale Wings mit Lasergewehr und Rock inklusive! Und noch besser: Nahezu jeder Serienableger besitzt Unmengen an Waffen, Missionen und Schwierigkeitsgraden, während neuere Teile sogar noch den lokalen Multiplayer besitzen. Earth Defense Force ist in vielen Ansichten ein Reise in die Vergangenheit in welcher Spiele keine wöchentlichen Updates und DLCs angeboten wurden, sondern ein ganzes Spiel mit extrem viel Inhalt, weswegen die Reihe selbst mindestens einmal von jedem Spieler angeschaut werden sollte.


Altin Bujupaj [Ailtin] wagt den Trip seines Lebens in…
LSD: Dream Emulator


Nun gut, ich nehme alles zurück: Wenn es ein Spiel gäbe, welches den Emmy für das skurrilste Stück Software auf der Welt verdienen würde und Chou Aniki nicht anwesend wäre, würde LSD: Dream Emulator haushoch absahnen. Die Hintergrundgeschichte dieses Werks ist so faszinierend wie das Spiel selbst. Osamu Sato, Entwickler und Komponist hinter dem verrückten PS1-Spiel entwarf den Dream Emulator nach dem Konzept: „Was würde der Spieler sehen wenn er in einem Rennspiel gegen etwas gecrasht wäre und nicht mehr leben würde?“ Natürlich versteckt sich noch mehr hinter dem Konzept des Spieles. So hat der Entwickler selbst über 10 Jahre ein Tagebuch geführt, in welchem er jegliche Träume aufzeichnete. Was natürlich noch besser verhalf war das Geständnis, dass Sato auch teils Drogen in Form von LSD zu sich genommen hat. Und mit diesem Grundgerüst fing dann die Idee an, dem Spieler eine Welt zu geben, welche wie ein Traum abrupt enden kann und ihn perplex zurücklassen kann.

Im Grund genommen kann man LSD: Dream Emulator schwerlich als Spiel bezeichnen. Als formloser Charakter wandert ihr in der Ich-Perspektive durch zahlreiche Landschaften in Form von Plateus, Wüsten, Höhlen, eine traditionell japanische oder auch eine modernere Stadt. Während sich die ersten Ingame-Tage als sehr normal ausgeben, fängt der Spieler spätestens nach dem siebten Tag an, jegliche Farben und Formen zu vergessen, und auch die Levels werden obskurer. Mal werdet ihr von einem Mann in schwarz verfolgt, der bei sehr nahem Kontakt verblasst, oder ihr seht Kamele im Himmel bzw. merkwürdige Gegenstände umhertanzen. Kommt ihr in Kontakt mit einem Gegenstand oder einer Person, teleportiert sich euer Charakter in ein neues Areal. In anderen Nächten hingegen seht ihr nur kleine Filmchen oder japanische Texte. Das Spiel an sich ist ein großes Rätsel, welches darauf wartet, vielleicht von euch gelöst zu werden. Natürlich kann ich nur reichen Leute die Suche nach einer Retail-Fassung des Spieles empfehlen, da diese im Regelfall für weniger als 150 Euro nicht in Frage käme. Wer aber zufälligerweise über ein japanisches PSN-Account hat, der kann es für gut 5 Euro als digitale Fassung herunterladen und es auf seiner PS3 oder Vita abspielen. Wer aber wirklich nach den skurrilsten Spielen sucht und sich nicht vor etwas komplett abstraktem scheut, der wird hier bei LSD: Dream Emulator definitiv fündig!


Nicola Hahn [501.legion] schießt mit Wörtern um sich:
Typing of The Dead


Wenn man beschreiben müsste, warum Typing of The Dead ein verrücktes Spiel ist, dann würde man wohl gar nicht mehr aufhören mit dem Tippen: Mit einer Sega Dreamcast auf dem Rücken und einer Tastatur in der Hand kämpfen wir uns durch Horden von wildgewordener Zombies und Monster. Während wir uns keine Gedanken ums Zielen machen brauchen, bringt das Schießen eine gewisse Schwierigkeit mit sich: Um den Abzug zu drücken, müssen wir das angezeigte Wort eintippen. Während wir uns also durch unser englisches Vokabular hacken, gilt es auch ein paar Extra-Ziele, wie bedrohte Menschen retten oder Leben einsammeln, zu erreichen, um den Highscore und unsere Abschlusswertung in die Höhe zu treiben. Wort für Wort nähern wir uns auch den Bossen, die ihren ganz eigenen Charme und Verrücktheit verbreiten. Klassisch in verschiedene Phasen eingeteilt und mit einem großen Lebensbalken ausgestattet hauen wir den meistens übergroßen Bossen unsere Tasten um die Ohren.

Wer seinen englischen Wortschatz zumindest auf geschriebener Sicht hin verbessern will, der hat in der Steam-Variante Typing of The Dead: Overkill (die in Deutschland leider nicht erhältlich ist) auch Zugriff auf den Steam Workshop. Dieser bietet aktuell über 300 von Spielern erstellte „Wörterbücher“, aber auch die DLCs des Spiels bieten ordentlichen Extra-Inhalten in Form von neuen Wörtern. Beispielsweise bringt die Erweiterung „Shakespeare“ Buchstaben-Munition aus alten englischen Romanen des berühmten Autors, „Love at First Bite“ konzentriert sich dagegen mehr auf die erotisch-romantische Seite des Spiels und „Make War not Love“ auf knallharte Balleraction in Wort-Form. In der neuen Version des Spiels lässt sich auch zwischen britischer und amerikanischer Sprache wechseln und die feurigen Wortgefechte zusammen mit einem Freund oder Fremden online über Steam austragen. Hier kommen auch die neuen Minispiele zur Geltung, denn hier gilt es gemeinsam, aber auch kompetitiv wenn es um die Punkte geht, beispielsweise um Verbündete lebend aus einem Gefängnis zu leiten und auf dem Weg nach draußen zu beschützen.


Nicola Hahn [501.legion] schließt sich in der Besenkammer ein:
The Stanley Parable


(Achtung, Spoiler! Wer das Spiel bis heute aber immer noch nicht kennt und gespielt hat, der ist selber schuld.) Allein im Büro, eigentlich eine ganz angenehme Situation. In The Stanley Parable macht sich Hauptcharakter Stanley jedoch Sorgen um seine Mitarbeiter, begibt sich auf eine Reise quer durch das riesige Bürogebäude und deckt so manches böses Geheimnis der Firma auf… Oder tut er es doch nicht und schließt sich einfach in sein Büro ein? Der Kniff an diesem Spiel ist nämlich, dass der Erzähler der Geschichte Entscheidungen von Stanley vorgibt und seine Story erzählen will, wie man es von anderen Spielen eigentlich auch kennt. Jedoch bleiben dem Spieler mehr Möglichkeiten, beispielsweise kann man sich gleich zu Beginn in seinem Büro einschließen und dem charmanten Erzähler zuhören, wie es mit Stanley wohl weiter geht. So entstehen urkomische Situationen, wenn Stanley einfach mal von einem Kran herunterfällt und stirbt oder sich der Erzählerstimme in seinem Kopf bewusst wird und durchdreht.

Überall im Netz wurde das Spiel in den Himmel gepriesen, sogar als Kunstwerk wird die ehemalige Half Life 2-Mod gefeiert. Tatsächlich nimmt sich der Titel die immer noch aktuelle Spieleindustrie vor und parodiert sie auf höchstem Niveau und in einer ganz neuen Art. Auch die Meilensteine Portal und Minecraft werden direkt im Spiel in einem Atemzug erwähnt und einem eigenen gemeinsamen „Ending“ gewürdigt. Schon einmal stundenlang einen Knopf gedrückt oder zu verschiedenen Türen im Büro gesprintet? Das Spiel hat einige solcher Enden auf Lager. Aber aufgepasst: Sogar Spoiler der eigenen Geschichte sind eingebaut und wer Pech hat, der landet beim ersten „Durchspielen“ schon in einem „Making Of“-Museum. Egal wie verrückt dieses Spiel am Ende sein mag, dieses geniale Stück Software hat sich eine Würdigung in unserer Sammlung auf jeden Fall verdient!


Sebastian Mauch [Paneka] steckt den Finger in die Nase in…
Wario Ware Touched!


Wer braucht schon Spiele mit ausgefeilter Story und traditionellem Gameplay, wenn es doch Titel wie Wario Ware Touched gibt? Das zeigt nämlich dass auch eine wahnwitzige Sammlung aus Minigames voll überzeugen kann. Zufälligerweise war Touched auch mein erstes Spiel für den Nintendo DS damals, oder zumindest eines der ersten Spiele. Der Vorgänger auf dem Gameboy Advance war schon einsame Spitze, doch hier wurden die damals im Gamingbusiness revolutionären Touch-Features astrein demonstriert. Das hatte der Nintendo DS aber auch bitter nötig, denn mussten die Kunden erst einmal von den neuen Möglichkeiten der Berührungssteuerung überzeugt werden, und das Launch-Lineup war damals ähnlich dürftig wie beim großen Bruder dem 3DS.

Aber wie schon gesagt war Wario Ware wie geschaffen dafür. Nie zuvor war die Auswahl der Spielchen so bekloppt und sinnlos. Mal musste man eine Bleistiftmine herausdrücken, mal ein Feuerwerk auslösen oder aber den Rotztropfen einer traurigen Dame abschneiden. Ihr seht, ein WTF-Moment jagt den nächsten, und dabei nimmt die Schnelligkeit stetig zu, weshalb die eigentlich total simplen Minispiele auch immer fordernder werden. Hat man darauf mal keine Lust gehabt, konnte man seine Zeit auch mit den vielen freigespielten Spielzeugen verbringen, und so zum Beispiel mit dem Mikrofon sein „Lungenvolumen“ testen. Einfach ein herrliches Spiel!


Sebastian Mauch [Paneka] zweifelt an der Menschheit wegen…
Pou


Bei diesem Spiel siedelt sich meiner Meinung nach der Spielspaß eher im negativen Bereich an, also das komplette Gegenteil von Wario Ware Touched. Mit dem Boom der Smartphones ploppten natürlich auch endlos viele Spiele aus dem Nichts auf. So auch Pou. Der Clou: Ihr müsst einen Scheißhaufen pflegen - ich meine, wer macht das nicht? Ich zumindest hebe mir meine Klunker immer auf und ziehe ihnen Kleider an und beschmeiße sie mit Bällen. Nein im Ernst, wie kommt man bitte auf so eine Idee? Aber die viel wichtigere Frage: Warum zur Hölle wurde dieses Spiel so berühmt und kam nie in rechtliche Streitereien mit anderen Entwicklern? Der Kotsimulator hat nämlich auch etliche Minispiele und davon sind nur die wenigsten aus der eigenen Feder. Der Rest wurde von allem, was Rang und Namen auf Smartphones hat, geklaut. Als Beispiel sei da einfach mal das noch viel bekanntere Doodle Jump genannt. Solche Spiele wurden gameplaytechnisch 1:1 kopiert und als Minigame hinzugefügt; meiner Meinung nach an Dreistigkeit nicht zu überbieten.

Teilweise kann ich es aber auch nachvollziehen, warum Leute so etwas spielen, denn Pou bietet auch ähnliche Aspekte wie etwa der DS-Dauerbrenner Nintendogs, mit dem ich als Knirps hunderte von Stunden verbracht habe. Man kann seinem Haufen Kleidung und Accessoires anlegen, mit ihm Ballspielen, ihn waschen, einfärben und dafür sorgen dass er gesund bleibt. Wenn unser brauner Freund müde wird, machen wir eben das Licht aus und beenden die App. Das kann vor allem jüngerem Spielern eine Menge Spaß bereiten, doch die Art und Weise das Spiel inhaltlich zu erweitern ist schon arg fragwürdig. Nichtsdestotrotz ist die Spielidee ziemlich skurril, weshalb Pou einfach in dieser Liste auftauchen musste.


Lisa Spitzer [mrscookie13] verliert sich in fantastischen Welten in…
Hohokum


Sobald ich von unserem Thema, also befremdlichen, skurrilen und bizarren Spielen, hörte, wusste ich recht schnell, worüber ich schreiben wollte. Manche Spiele bleiben einfach im Kopf und genau so eins war für mich Hohokum. Als ich das Testmuster bekam, wusste ich zuerst nicht, wo mir der Kopf stand. Keine Erklärungen, kein Tutorial, keine Ahnung! Stattdessen wird der Spieler einfach ins Geschehen geworfen, was bedeutet: Man fliegt als schlangenähnliches Wesen, welches je nach Richtung die Farbe wechselt, durch eine doch recht düstere Welt. Und was soll man dann bitte tun? Das muss man selbst herausfinden! Natürlich versucht man das ein oder andere und schon schaltet man nach und nach ein Tor frei, was sogleich in eine andere, ebenfalls bizarre Welt führt.

Erklärungen sucht man dort ebenfalls vergebens. Doch schnell erkennt man einige Dinge: Dass das einzige, was man tun kann, herumfliegen ist. Schnell oder langsam, wie man mag. Dass die Umwelt darauf reagiert. Dass man durch das Berühren von Objekten diese zum Klingen bringen kann, sodass sich im Hintergrund eine ganze Klangkulisse zusammensetzt, die wirklich wunderschön klingen kann. Und dass es in jeder Welt Rätsel zu lösen gilt. So kann man sich langsam durch eine ganze Reihe von einzigartigen, kreativen und wirklich abstrusen Welten bewegen, in denen nicht minder bizarre und merkwürdige Bewohner hausen.

Beunruhigend wirken die Welten jedoch nie. Genau das Gegenteil ist der Fall, denn sie beflügeln die eigene Fantasie, fordern einen immer wieder durch die Rätsel heraus, die man selber finden muss, und sind gleichzeitig durch die Gestaltung und die Musik beruhigend und harmonisch. Hohokum ist wahrlich nicht für jeden etwas, doch wer ein wunderschönes, kreatives und außergewöhnliches Spiel sucht, der ist hier an der richtigen Adresse.


Denis Wewetzer [Azure] entdeckt das innere Brot in sich in…
I Am Bread


Während an Halloween eher solche netten orangen Dinger vor dem Haus stehen und gruselig aussehen sollen, gibt es noch ganz andere, schauderhafte und essbare Dinge im eigenen Haushalt – Brot zum Beispiel. Wisst ihr, was euer Brot macht, während ihr gerade nicht im Haus seid? Ganz bestimmt nicht, außer ihr lasst es 24 Stunden am Tag von irgendwelchen Videokameras überwachen. Und was würdet ihr dabei entdecken? Einzelnene Scheiben Brot machen sich einfach auf den Weg zu jeglicher Wärmequelle, um zu Toast zu werden! Das Wandern der Brote? Die Reise des Brotes? Was steckt da nur hinter? So genau ist das nicht bekannt, vielleicht ist die Wissenschaft tatsächlich einfach nur zu weit gegangen, aber im Spiel I Am Bread übernimmt man die Kontrolle einer Scheibe Vollkorn-Brotes und hat nur ein Ziel: Toast zu werden.

Jeder weiß, dass es die Bestimmung eines jeden Brotes ist, Toast zu werden. Und um genau dies zu erreichen, gilt es jegliche Wärmequelle aufzuspüren, die einem dabei helfen kann, eine goldbraune Köstlichkeit zu werden. Aber der Weg vom Schneidebrett bis zum Toaster, Ofen, Heizofen, Bügeleisen oder auch Grill ist lang und wir dürfen unsere wichtigste Mission nicht vergessen: Genießbar zu sein! Also dürfen wir uns auf dem Weg zu der entsprechenden Hitze nicht durch Matsch bewegen oder sonst mit Unrat in Berührung kommen. Wohl aber ist es erwünscht, sich mit Marmelade oder Butter einzukleiden, was das Spielgeschehen auch noch ein wenig beeinflusst. Ihr könnt es euch schon denken nach diesen paar Zeilen, aber I Am Bread ist ein durch und durch verrücktes Spiel, das es mit der Physik im übrigen auch nicht immer so ernst nimmt. Dafür kann man eine ganze Menge an Spaß haben, während man sich als kleine Scheibe Brot durch das Wohnzimmer, die Küche oder eine Tankstelle schwingt, ohne ein bisschen Dreck abzubekommen. Yeah, Toast!


Denis Wewetzer [Azure] …Nanaaaa, nananananaaa naa naa nana na nana naaaaaaaa…
Katamari Damacy


Der König des Kosmos. Wahrlich eine beeindruckende Figur. Aber ein hart arbeitender Regent wie dieser imposanten Herrscher braucht auch mal Urlaub – was unserem Universum leider nicht gut tut. Ein kleiner Fehler und plötzlich fehlen die ganzen Planeten in unserer Galaxie. Und wer darf das ganze Sache ausbügeln? Sein nicht ganz so imposanter Sohn (der im übrigen lediglich eine Größe von fünf Zentimetern misst). Mit so einer Prämisse kann ein Spiel einfach nur schräg werden und wer hätte es gedacht: Katamari Damacy ist einfach nur wahnsinnig – dabei aber auch unglaublich spaßig. Wie denkt ihr wohl, werden die Planeten wieder ersetzt? Ganz einfach: Der Prinz sammelt alle möglichen Gegenstände eines Planeten mit Hilfe einer unglaublich klebrigen Kugel ein, die dann kurzerhand in neue Planeten umgewandelt werden. Kein Witz.

Die zuerst noch fünf Zentimeter große Kugel kann natürlich nicht sofort größere Dinge aufsammeln und so muss man sich damit begnügen, erstmal Stifte, Süßigkeiten oder ähnliches Kleintier aufzusammeln. Mit der Menge an Gegenständen wächst aber auch die Kugel und schnell ist man in der Lage, nicht nur kleine Tiere aufzunehmen. Menschen sind nicht mehr sicher vor der Kugel, bald sitzen diverse Häuser in ihr und bevor man sich versieht hat man schon mehrere Inseln aufgesammelt, bis sogar der Planet auf dem man sich selbst befindet einen nicht mehr halten kann und man durch die Galaxie rollt, um nach und nach noch weitere Galaxien aufzusammeln und so noch größer zu werden – nur für ein paar Planeten und Sterne. Aber naja, manchmal müssen eben auch mal Opfer gebracht werden. Doch nichtsdestotrotz ist Katamari Damacy eines der verrücktesten Spiele, die wir je erleben konnte und hat sich damit einen Platz in unserer Liste von skurrilen Spielen verdient.


Tjark Michael Wewetzer [Alanar] ist definitiv nicht der Milchmann. Aber dessen Milch ist köstlich!
Psychonauts


Sommercamps kennt man ja. Ein paar Tage in freier Natur, mit Zeltlager und allem drum und dran. Doch das Camp, das sich Adventure-Legende Tim Schafer für das Erstlingswerk seines Studios Double Fine erdacht hatte, bietet weitaus mehr als ruhige Naturkunde. Das übersinnliche Sommerlager am Flüsterfelsen bildet nämlich übersinnlich begabte Kinder aus, die möglicherweise auch zu Psychonauten aufsteigen können – Agenten, die in den wirren Gedankenwelten der Menschen für Recht und Ordnung sorgen. Und wenn ich „wirr“ schreibe, dann meine ich das auch so: In dem Jump 'n' Run hüpft man nämlich durch diverse ziemlich abgefahrene Astralareale. Der gut sortierte Würfel des Agenten Sasha Nein ist dabei noch verhältlnismäßig bodenständig – auch wenn dieser sich nach etwas Rumspielerei durch Raz, dem Helden des Spiels, von einer äußerst chaotischen Seite zeigt.

Im späteren Verlauf des Abenteuers werden die Szenarien zunehmend bizarrer. Der Kopf des Neffen Napoleons birgt ein Tabletop-Duell zwischen dem irren Nachkömmling und seinem berühmten Vorfahren, die unglückliche Gloria durchlebt innerhalb eines mentalen Theaterstücks ihre tragische Vergangenheit, die zudem ständig von einem großmäuligen Kritiker verrissen wird, und im Verstand des monströsen Lungenfisches, der im See nahe des Flüsterfelsen-Sommercamps lebt, stapft ihr als Godzilla-Verschnitt durch eine Lungenfisch-Metropole. Mit Abstand das Highlight dürfte allerdings die Milchmann-Verschwörung sein: Um dem paranoiden Wachmann Boyd zu helfen, müsst ihr euch durch eine chaotisch designte Nachbarschaft rätseln, die von Überwachungskameras gesäumt ist und wo an jeder Ecke Agenten irgendwelchen Nonsens von sich geben – beispielsweise die Tenchcoat-Träger am Friedhof, die mit einem Blumenstrauß in der Hand ständig und monoton behaupten, sie seien trauernde Witwen. Das muss sich Raz auch zunutze machen, indem er ähnliche Gegenstände einkassiert und sich so „tarnt“. Mit einer Winkerkelle in der Hand sieht er für die an der Baustelle stationierten Agenten wie ein einfacher Bauarbeiter aus, was sich auch anhand der Hellseher-Fähigkeit überprüfen lässt.

Und wenn ihr glaubt, dass sich die verrückten Ideen auf die geistigen Welten beschränken, täuscht ihr euch gewaltig. Das Sommercamp selbst birgt Bären mit übersinnlichen Fähigkeiten, die euch bei der kleinsten Provokation durch die Gegend schleudern, ein wahnsinniger Zahnarzt sorgt für Unruhe, indem er Kinder ihre Gehirne aus dem Kopf nießen lässt, und ganz wie die Agenten der Milchmann-Verschwörung euch mit ganz anderen Augen betrachten, sehen euch auch die weiteren Charaktere teils erschreckend unterschiedlich. Ranger Cruller, der den lieben langen Tag Laub harkt, nimmt Raz als Laubhaufen wahr, die erwähnten Bären halten ihn für einen Picknickkorb und Weiberheld Nils registriert lediglich, dass unser Held kein Mädchen ist. Es gibt so viele herrlich schräge Details zu entdecken, dass man auch nach mehrmaligem Durchspielen neue Dinge finden kann – und sich über die Abgedrehtheit köstlich amüsiert.


Tjark Michael Wewetzer [Alanar] macht Urlaub im Hotel…
Flower, Sun and Rain


Okay, ich geb's ja zu. Ein Spiel von Suda51 für eine Zelebrierung der bizarrsten Videospielerlebnisse zu wählen macht die Sache fast schon zu einfach. Doch unter all dem abgefahrenen Kram, den der japanische Kult-Designer zustande gebracht hat, ist Flower, Sun and Rain immer noch etwas Besonderes. Die Geschichte dreht sich um den Sucher Sumio Mondo, der am Flughafen von Lospass Island eine Bombe ausfindig machen muss. Die größte Herausforderung zu Spielbeginn ist es jedoch, überhaupt das titelgebende Hotel Flower, Sun and Rain zu verlassen. In den ersten paar Kapiteln wird er nämlich ständig wegen irgendeiner Kleinigkeit aufgehalten, woraufhin der sprengstoffbeladene Flieger abhebt und pompt in die Luft gejagt wird – bis Sumio am frühen Morgen erwacht und den Tag noch einmal durchlebt, nur um ein kleines Stück näher an sein Ziel zu kommen.

Als wäre das Szenario allgemein noch nicht ungewöhnlich genug, kommt da noch die Art und Weise der Rätsellösung hinzu. Flower, Sun and Rain ist nämlich ein Adventure und verlangt als solches einiges an Hirnakrobatik von euch. So sollen wir etwa einem augenscheinlich besessenen Hotelgast mit der idealen Waffe gegen Werwölfe aushelfen. Dazu brauchen wir ein Mixgetränk namens Silver Bullet, das im zu Beginn des Spiels ausgehändigten Reiseführer detailliert beschrieben wird. Wir stapfen also zur Bar rüber und stellen uns an den Mixer, um das Getränk zu produzieren – indem wir die Mischmengen in Catherine eingeben. So heißt übrigens der Koffer, den Sumio mit sich rumschleppt und als Allzweck-Hacking-Computer fungiert. Das allererste Rätsel des Spiels erfordert sogar, dass wir uns in das Auge eines Truckers einklinken! Wir könnten noch mehr Beispiele nennen, etwa einen rotzfrechen Bengel, der sich augenscheinlich etwas zu sehr darüber im Klaren ist, dass alles nur ein Videospiel ist, doch wir wollen euch das lieber selbst entdecken lassen. Wenn ihr das Spiel irgendwo günstig aufgabeln könnt, gebt es euch. Es gibt kaum Adventures, die so bizarr ausfallen wie dieses Suda51-Werk.


Das waren unsere schrägen Spielemomente. Doch ihr habt doch sicherlich auch schon den ein oder anderen Titel gespielt, der einfach nur bizarr, seltsam und doch irgendwie anziehend war, nicht wahr? Teilt uns doch in den Kommentaren mit, was bei euch so hängen geblieben ist und an der geistigen Gesundheit der Schöpfer hat zweifeln lassen!

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