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Kolumne: Selbstauferlegte Herausforderungen in Videospielen

PortableGaming-Redaktion, am 28.06.2015, Seite 1 von 1

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Wir regen uns zwar über einige extreme Frustmomente auf, doch nicht immer sind es die Entwickler, die es auf unsere Tränen abgesehen haben. Manchmal sind wir einfach selbst unser größter Feind und verlangen das Unmögliche von uns ab. Oder vielleicht suchen wir auch einfach Möglichkeiten, mit denen wir vermeintlich einfache Spiele, die wir im Schlaf und noch vor dem Frühstück mal eben so durchzocken, ein wenig spannender zu gestalten.

Deswegen schaffen sich diverse Spieler eigene Regeln, nach denen sie diverse Titel auseinandernehmen. Sei es auf Zeit, mit beschränkten Resourcen oder auf richtig schräge Art und Weise: Der Kreativität sind da fast keine Grenzen gesetzt. In unserem Artikel wollen wir daher einen Blick auf diverse Challenges für verschiedene Spiele werfen und sie euch vorstellen. Vielleicht ist da ja sogar etwas bei, woran ihr euch gerne versuchen möchtet?



(Fast) Herzloses Überleben
Three Heart Run (Zelda-Reihe)
Was wäre eines der legendärsten Franchises ohne eine echte Challenge für ihre Spieler? Auch wenn die Legend of Zelda-Reihe auch ohne zusätzliche Herausforderungen ihre Tücken hat und den Spieler ab und an fordert, so möchte man irgendwann vielleicht doch über sich hinauswachsen, oder etwa nicht? Wenn man wirklich an seine spielerischen Grenzen gehen möchte, dann eignet sich vor allem der populäre Three Heart Run für dieses Vorhaben. Die besagte Challenge ist allerdings leichter erklärt als gemeistert: Es geht schlicht und ergreifend darum, ein Spiel der Zelda-Reihe ausschließlich mit den drei Herzen, die man zu Beginn sein Eigen nennen kann, zu beenden. Es ist demnach verboten, weitere Herzcontainer zu sammeln, da diese bekanntlich für weitere Herzen und fast schon problemloses Überleben sorgen würden. Was sich grundsätzlich simpel anhört, kann gerade im späteren Spielverlauf eine schweißtreibende Angelegenheit werden - vor allem, wenn die dann doch etwas mächtigeren Bossgegner auf den armen Link einprügeln oder wenn man keine Möglichkeit zur Heilung (zum Beispiel Tränke) hat. Fähige Spieler, die die Angriffe der Gegner im Schlaf voraussehen können, werden allerdings auch mit diesem knackigen Survival-Mode fertig werden, denn um eine "Mission Impossible" handelt es sich hier definitiv nicht. Unmöglich ist die Challenge lediglich in einigen Ablegern der Reihe - The Adventure of Link, A Link to the Past, Link's Awakening, Skyward Sword und das Crossover Hyrule Warriors machen die Idee aus verschiedensten Gründen zunichte. Da kann es schon mal sein, dass das Spiel mit vier Herzen beginnt oder dass ein Herzcontainer verpflichtend eingesammelt werden muss, um eine Tür zu öffnen.

Noch fordernder wird der Three Heart Run, wenn man ihn zu einer Low% Three Heart Challenge ausweitet. Hier geht es darum, zusätzlich zu den Herzcontainern auch auf optionale Items, jegliche Upgrades, Feen etc. zu verzichten. Vor allem beiharte Zelda-Maniacs, die auch vor den härtesten Prüfungen nicht zurückschrecken, dürfen hier gerne einen Blick - oder auch Versuch - wagen. Wer sich also keinerlei Erleichterungen gönnen möchte und ein Fan von wahrem Nervenkitzel ist, der sollte sich die zahlreichen Ableger der Zelda-Reihe mal aus einem anderen, fast herzlosen, Blickwinkel anschauen.


Waffen? Wer braucht denn sowas?
Low Gear Runs (z.B. in Monster Hunter)
Wer schon einmal einen Ableger der immer beliebteren Spielereihe Monster Hunter gespielt hat wird wissen, dass der Fokus neben dem Jagen von Monstern vor allem auf den prolligen Waffen und Rüstungen liegt. Ohne diese Ausrüstung sind normale Spieler nämlich zumeist überfordert, da man gegnerischen Angriffen schutzlos ausgeliefert ist und selber kaum Schaden verursacht. So viel zum Normalfall.

Die Jungs und Mädels von Team Darkside sehen das allerdings etwas anders. Steht ein Mitglied kurz vor dem maximalen Jägerrang 999, denkt sich die Truppe immer etwas ganz besonderes aus. Ein aktuelles Beispiel: Man nehme einen furchterregenden G-Rang Shagaru Marala und vier Spieler mitsamt Insektenglefe. Aber anstatt mit den flotten Kampfstäben auf das Bossmonster einzuhauen, dürfen die Kinsekten die gesamte Arbeit verrichten. Für Laien unvorstellbar, für Team Darkside in unter zehn Minuten kein Problem.



Das ist aber noch lange nicht alles an Unfug, den man in Monster Hunter-Spielen treiben kann. Zur Feier des 5000. Abonnenten ihres Youtube-Kanals hat die Truppe einfach mal einen Seregios zu Tode getreten. Erinnert ihr euch noch an Fatalis? Wohl einer der ältesten Drachenältesten der Reihe, der im neuesten Ableger auch wieder einen Auftritt hat. Der Auftritt war aber leider auch nicht allzu lang, denn Team Darkside schnappte sich kurzerhand vier Boomerangs und bewarf den Riesendrachen damit bis er umkippte. Tja, so kann es in der Welt von Monster Hunter laufen.

Dabei sind diese witzigen Spezialjagden nicht einmal das Steckenpferd des Teams, denn eigentlich sind Speedruns ihre Spezialität. Auch das ist ja schließlich eine Art von Minimalismus, nämlich möglichst wenig Zeit für einen Kill zu benötigen. Dabei boosten sie ihre Angriffswerte mit sämtlichen Kniffen auf ein unvorstellbares Maximum, nutzen Fallen-Timings und andere Hilfsmittel genaustens aus, und schlagen dann auf die Schwachpunkte der Monster ein. Da kann selbst ein robuster Uragaan auch schon mal in 28 Sekunden zu Boden gehen. Doch zu Speedruns kann euch Denis sicher mehr erzählen!


You're too slow!
Speedruns
Wenn es eine besondere Herausforderung gibt, die sich insgesamt vermutlich am meisten herumgesprochen hat, ist es garantiert diese: Speedruns. Mit einer inzwischen unglaublich großen Community und diverse Aktionen haben sich Speedrunner einen festen Platz unter den Spielern gesichert. Sie kombinieren unglaublich viel Geschick und dazu noch faszinierendes Wissen über die Art, wie die Spiele programmiert worden sind. Es wird versucht, dieses Wissen mit dem richtigen Timing einzusetzen, um sich Vorteile zu schaffen, die sich kein Entwickler vorher hätte ausdenken können.

Um es also kurz zu fassen: Speedruns sind viel, viel mehr als das einfache Auswendiglernens eines Titels. Natürlich spielt das auch eine gewisse Rolle, aber um einen perfekten Run hinzulegen, bedarf es einfach auch den Fähigkeiten. Als einfaches Beispiel möchte ich hier einmal The Legend of Zelda: Ocarina of Time nennen. Um hier 100% zu erlangen, braucht der normale Spieler ganz bestimmt um die 20 Stunden Spielzeit. Der momentane Weltrekord ist bei etwas über vier Stunden, was ein erfahrener Spieler also gerne einmal in einer Sitzung hinlegt. Sei es die Ausführung eines HESS (Hyper Extended Super Slide) zum schnellen Bewegen über ein großes Feld oder die Manipulation der Angriffskraft vom Schwert durch den ISG (Infinite Sword Glitch). Und das alles, nur für eine gute Zeit.

Im Bezug auf Speedruns sollte außerdem erwähnt werden, dass sich die Community unglaublich engagiert zeigt, um auch ein paar gute Zwecke zu unterstützen. Jährlich finden zwei große Events statt, bei denen sich diverse Speedrunner einfinden, um ihr Können zu zeigen und Zuschauer zu begeistern. Das ist aber noch nicht alles: Während dieser Marathons, die sich Awesome Games Done Quick und Summer Games Done Quick nennen und über mehrere Tage gehen, wird für Spenden geworben. Unterstützt wurden hierbei meist Institutionen, die sich der Forschung gegen bisher unheilbare Krankheiten wie Krebs gewidmet haben. Nicht genug, dass diese Leute also faszinierende Fähigkeiten innerhalb eines Spiels zeigen, sie helfen indirekt auch noch der Medizin und anderen Forschungen mit Geldspenden, die in der Vergangenheit bereits ein paar Millionen Dollar betragen haben. Gibt es einen besseren Grund, um sich mal an Speedruns zu versuchen?


Der Schlüssel - eine doch echt schwache Waffe
Level 1 Run (Kingdom Hearts)
Zwar haben wir diese Möglichkeit noch nicht in den ersten beiden Kingdom Hearts-Spielen bekommen, allerdings ist sie seit Kingdom Hearts 2 mit von der Partie: Einen Level 1 Run hinlegen. Mit den mehreren Schwierigkeitsgraden war es ohnehin eigentlich nicht so schwer, sich mal eine Herausforderung zu schaffen. Mit der Anzahl an Titeln kamen weiterhin auch immer härtere Schwierigkeitsgrade hinzu, die es zu meistern galt. Da wir hier von einem Action-Rollenspiel reden, ist das grundsätzlich nicht so schlimm und absolut abhängig von den eigenen Fähigkeiten, also alles Trainingssache. Das klingt dennoch leichter, als es ist, denn in den späteren Titeln wurden die normalen Bosskämpfe schon zur Herausforderung und man musste höllisch darauf aufpassen, was man gerade macht. Diverse ausgerüstete Fähigkeiten erleichterten einem das Überleben (manchmal waren diese auch gut, um überhaupt überleben zu können), doch es geht immer noch ein bisschen schwieriger.

Wenn man die besondere Herausforderung haben möchte, hat SquareEnix einem eine Fähigkeit an die Hand gelegt, mit der man vorsichtig umgehen sollte: "Null Exp". Üblicherweise lediglich in Kombination mit einem höheren Schwierigkeitsgrad überhaupt auswählbar, kann man sich hiermit weiter das Leben schwer machen. Keine Erfahrungspunkte mehr zu erhalten bedeutete viele Einbußen in Kauf zu nehmen, was ganz unterschiedlich von Titel zu Titel ist. Während man in Kingdom Hearts 2 in diesem Zusammenhang komplett auf andere hilfreiche Fähigkeiten verzichten musste, geben einem neuere Titel wie Dream Drop Distance wenigstens diese noch weiterhin. Allerdings muss man dann immernoch damit leben, weniger Angriffskraft zu haben und mit einem Schlag wesentlich mehr Schaden einzustecken.

Jetzt denken sich diverse Leute bestimmt: Ach, so schwer kann das doch gar nicht sein. Dann laufe ich eben herum und schaffe das schon irgendwie. Wieder einmal: Leichter gesagt, als getan. Viele Bosse haben die blöde Angewohnheit, durch Angriffe nicht zurück zu schrecken, sodass eine fast unmenschliche Reaktionszeit notwendig ist, wenn man nicht getroffen werden möchte. Hinzu kommt die Tatsache, dass sich die Kämpfe durch die niedrige Angriffskraft des Helden in die Länge ziehen. Somit wird diese Herausforderung nicht nur eine Probe des allgemeinen Könnens, sondern auch der eigenen Geduld. Ein paar tausend Schläge müssen so schonmal auf den Gegner niederregen, bevor er endlich aufgibt. Wir haben es noch nicht ausprobiert, wünschen aber jedem viel Spaß, der sich mal daran versuchen möchte.


Im Tagesprogramm: Schwache Waffen und One-Hits en masse!
Level 1 Run (Dark Souls und Konsorten)
Jeder, der mit den Souls-Spielen vertraut ist, weiß über eine Sache im Spiel definitiv bescheid: Das Sammeln von Seelen. Diese können für neue Waffen, Rüstungen oder am wichtigsten fürs Aufleveln benutzt. Wenn man dieses Feature herausnehmen würde, hätte man die Definition von Level 1 Soul-Runs. Dabei wird das ganze Spiel abgeschlossen, ohne einen einzigen Attribut aufzustufen oder eine Klasse auszusuchen, welche bereits einen bestimmten Seelenlevel besitzt. Das Problem? Euer Charakter kann sehr leicht sterben. One-Hit-Kills und zu leichtes Taumeln werden in so einem Run definitiv auf dem Programm stehen.

Jeder Titel ist auch in eigenem Maße unheimlich schwierig und kann dem Spieler auf verschiedene Arten und Weisen das Leben im Spiel zur Hölle machen. In Dark Souls II werden beispielsweise mit dem Attribut Agility die Invincibility Frames (auch iFrames genannt) eures Rollens, in anderen Worten kleinsten Sekunden/Frames, in welchem euer Charakter keinen Schaden von Angriffen nimmt, erhöht. Durch einen niedrigen Wert von 6 müssen alle Ausweichversuche nahezu perfekt mit dem Angriff des Gegners übereinstimmen. Natürlich sind in einem SL1-Speedrun auch die Items wichtig. Müsst ihr einen stärkeren Boss bezwingen, werdet ihr nicht dran vorbeikommen eurer Waffe sämtliche Buffs zu geben und diese auf die bestmöglichste Stufe upzugraden.

Die Challenge kann nur Spielern empfohlen werden, die sich wirklich mit ihrem Souls-Titel auskennen. Hier muss er das Ausweichen im Blut haben, die Angriffsmuster des Gegners im Schlaf auswendig kennen und vor allem viel Geduld mit sich bringen. Die Challenge kann zudem durch New Game+ in noch schwierigere Höhen steigen.


Nuz...was?
Nuzlocke Run (Pokémon)
Während viele Challenges, die man sich in Videospielen selbst auferlegen kann, einen recht eingängigen Namen haben (wie zum Beispiel der No Death Run), ist der Sinn der Nuzlocke Challenge in Pokémon doch nicht sofort ersichtlich. Dabei sind die Regeln, die diese Herausforderung ausmachen, gar nicht so schwer zu verstehen.

Zunächst mal der größte Schock: alle eure Pokémon, die besiegt wurden, müsst ihr freilassen. Wem das zu hart ist, der kann sie auch einfach dauerhaft in den Boxen lagern. So oder so, benutzen darf man sie dann nicht mehr. Ein weiterer Knackpukt ist, dass man in jedem Gebiet, das man im Spiel so durchstreift, nur das erste Pokémon fängt, das man trifft. Und jedem davon muss man einen Spitznamen geben. Wem das noch zu simpel ist, der kann sich der vielen weiteren möglichen Regeln bedienen. So kann man beispielsweise sein Starter-Pokémon freilassen, sobald man das erste eigene gefangen hat. Wenn man besiegt wird, beginnt man von vorne (oha). Oder man darf jedes Pokémon Center nur einmal benutzen - oder besser noch, überhaupt nicht.

Und warum macht man das Ganze nun? Masochismus? Eigentlich geht es natürlich größtenteils um die Challenge und darum, Pokémon noch einmal ganz anders zu erleben. Darum, eine besondere Beziehung zu seinen Pokémon aufzubauen. So wird das Spiel nur noch spannender, oder? Ach und wer sich jetzt fragt, was dieser Name nun eigentlich bedeutet: Er basiert auf dem englischsprachigen Comic, der die Geschichte von Brix erzählt. Dieser möchte sich nämlich selbst testen und stellt einfach mal die grundlegenden Regeln dieser Herausforderung auf, die ihm bestimmt schon viele nachgemacht haben.


I killed people, smuggled people, sold people. Perhaps here, things will be different.
Pacifist Run
Diese Kategorie beschreibt sich relativ einfach: Niemanden töten. Besonders spannend wird dieses Ziel aber erst wenn es um Action-Spiele wie Grand Theft Auto oder sogar Dark Souls geht, denn hier kommt man auf dem ersten Blick nicht um Kills vorbei. Auf dem zweiten Blick bringt es aber auch den Reiz schon längst abgeschriebene Spiele wieder hervorzuholen und sich selbst am friedlichen Durchspielen versuchen. Als Einstiegskost bieten sich natürlich besonders Jump'n'Runs wie Mario an, bei denen sich das "Überspringen" der Gegner anbietet.

Eine ganz spannende Kiste dieser Challenge ist das Finden neuer Spiele, die sich mit dieser Spielweise möglichst weit spielen lassen. Natürlich gibt es in einem GTA oder in einem Call of Duty irgendwann eine Grenze, an der man eine virtuelle Figur verletzen muss. Aber bis dahin oder sogar noch weiter lässt sich so manches Spiel treiben, oft mit Methoden, die die Entwickler nicht geplant haben. So lassen sich wie in anderen Challenges Glitches finden und nutzen und so das Spiel austricksen. Andere Titel wie zum Beispiel Deus Ex oder Fallout sind sogar ziemlich berühmt dafür, non-lethale Spielweisen zu ermöglichen und zu unterstützen.

Die Challenge ist besonders zu empfehlen für Neulinge, die hier alte Spiele wieder ausgraben und auf ihre moralischen Grenzen testen wollen. Allerdings sollte man sich dann auf einen Typ entscheiden: Eher Skill-lastig sind Platformer, die das Ausweichen vor Gegnern erfordern, oder eben das Erkunden von Spielen wie in GTA, um Wege um Kills herum zu finden, gerne auch Glitches.


Niemand wird zurückgelassen!
No Death Run (etwa in Fire Emblem)
In Videospielen genießen wir einiges an Luxus, der uns in der wirklichen Welt leider verwehrt bleibt. Während das reale Leben Fehlschläge in gewissen Bereichen massiv straft, können wir in virtuellen Welten ungebändigt rumprobieren, austüfteln und bei Misserfolg einfach unseren Spielstand neu laden. Wenn in vielen RPGs unsere Helden das Zeitliche segnen, ist das auch kein Problem. Ein kurzer Besuch im Gasthaus und schon ist der Racker wieder auf den Beinen! Oder vielleicht haben wir ja auch eine Phönixfeder in der Tasche, mit der wir ihn wieder ins Leben zurückholen können.

Aber dann gibt es Spiele, die nicht so funktionieren. Bei denen Fehler ebenfalls stark abgestraft oder zumindest sichtbar vemerkt werden. Und da macht sich unser Instinkt zur Perfektion wieder bemerkbar. Denn wer möchte schon, dass sein liebgewonnener Streiter, den er über mehrere Schlachten hinweg liebevoll hochgezogen hat, durch einen einfachen Zufallstreffer ins Gras beißt und für immer verloren ist? Richtig, niemand. Aber der dauerhafte Charaktertod ist etwas, das keine Gnade kennt.

So beispielsweise auch in Fire Emblem. Eines DER Merkmale dieser Reihe ist besagtes endgültiges Ableben gefallener Helden. Da hilft, von wenigen Ausnahmen abgesehen, kein Beten und auch kein Betteln: Sinken die KP auf Null, ist die Einheit raus. Das tut schon allein aus taktischen Gründen weh, immerhin verliert man auf diese Weise vielleicht einen äußerst guten Kämpfer, dem man einfach in einem Anfall von Übermut zu viel zutraute. In Fire Emblem wiegt dies aber umso schwerer, da jede Figur einzigartig ist, über eine persönliche Hintergrundgeschichte verfügt, Freundschaften mit anderen Gruppenmitgliedern schließen kann und sogar einen kurzen Epilog-Absatz im Abspann spendiert kriegt – vorausgesetzt, sie überlebt bis dahin. Von daher ist es keine Seltenheit, dass der geneigte Fire Emblem-Spieler den Tod eines einzigen Nebencharakters quasi als Game Over ansieht und lieber die ganze Schlacht erneut startet, als einen Kameraden zurückzulassen.

Jüngere Serienableger wie New Mystery of the Emblem oder Awakening sind weniger frustanfälligen Spielern gegenüber mit der Einführung eines Anfänger-Modus' zwar durchaus gnädiger, doch die wahre Fire Emblem-Erfahrung spürt man nur mit aktiviertem Permadeath. Denn dann überlegt man sich jeden Zug zweimal, rechnet sich Chancen aus, geht die Gesamtangriffsstärke der potentiellen Angreifer durch, überprüft mögliche Lücken in der Verteidigung und erlebt hochspannende Strategie-Partien, die uns jedes Mal den Schweiß auf die Stirn treiben.


Gnade dir Gilgabot!
Four Job Fiesta (Final Fantasy V)
Es mag jetzt nicht das populärste Final Fantasy sein, das sich mit den anderen großen Serienablegern wie Teil 4, 6 und 7 regelmäßig in Fan-Streitereien misst, doch Final Fantasy V hat eine eingeschworene Anhängerschaft. Das verdankt das RPG nicht zuletzt seinem flexiblen Job-System, über das eure vierköpfige Heldentruppe nahezu jederzeit ihre Rolle ändern und sich der aktuellen Situation anpassen kann. Da ihr gewisse Fähigkeiten sogar klassenübergreifend nutzen dürft, lassen sich mit ein wenig Einfallsreichtum sehr mächtige Skill-Kombinationen auf die Beine stellen, mit denen selbst die größten Zusatz-Bosse keine allzu große Herausforderung mehr darstellen.

Und wie macht man die ganze Sache nun kniffliger? Klare Sache, mit Einschränkungen! Das ist der Hintergedanke der Four Job Fiesta, einem alljährlichen Wohltätigkeitsevent unter FFV-Fans, bei dem Geld für die Organisation Child's Play gesammelt wird. Die Regeln dieser Veranstaltung sind dabei recht simpel: Per Zufallsgenerator werden jedem Spieler vier Job-Klassen zugeschrieben – eine pro Kristall. Diese – und auch nur diese – müssen dann das ganze Spiel über verwendet werden. Eure Charaktere können nach belieben zwischen den Klassen wechseln, sofern ihr schlussendlich immer noch von jeder mindestens eine in der Gruppe habt. Je nachdem, wie das Glück euch hold ist, könnt ihr dabei potentiell starke Klassen wie etwa den Alchemisten ziehen oder mit einem schwer zu bändigenden Berserker in eurem Team enden. In meinem Fall muss ich beispielsweise jetzt mit einem Dieb, Barden, Rotmagier und Dragoon den Rest des Spiels erledigen.

Die wilden Berserker sind sogar Inspiration für eine von vielen Modifikationen geworden. So könnt ihr bei der Vorab-Registrierung für das Event „BERSERKERRISK“ mit angeben. Für alle 10 gespendeten US-Dollar vor Fiesta-Beginn wird ein Berserker in den Topf geworfen, der dann nach Start unter allen Spielern mit besagtem Eintrag verteilt wird. Existieren mehr Berserker als Spieler mit Risiko? Dann kriegen alle einen und einige vielleicht sogar einen zweiten! Darüber hinaus gibt es noch Spielvarianten wie den Natural-Run, bei dem jeder Charakter nur auf einen Job seines Kristall-Elements zugreifen kann, den 750-Run, der euch lediglich Magier mit der Fähigkeit zur Stab-Nutzung in die Hand drückt, oder den Classic-Run, bei dem die Jobauswahl auf die Klassen beschränkt ist, die auch im allerersten Final Fantasy vorkommen.

Falls ihr selbst offiziell mitmischen möchtet, schaut einfach mal auf der offiziellen Homepage der Four Job Fiesta vorbei. Dieses Jahr fiel der Startschuss am 22. Juni, mitmachen könnt ihr aber selbstverständlich immer noch, da die Veranstaltung bis Ende August läuft. Die Anmeldung und Abwicklung erfolgt über das Social Network Twitter. Auch könnt ihr diese Herausforderung in Eigenregie ganz ohne soziale Netzwerke wagen, indem ihr einfach über einen Zufallsgenerator eure Klassen manuell auswürfelt.

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1 Kommentar

profil 3141 comments
[29.06.2015 - 09:17 Uhr]
Iwazaru:
Ich finde sowas ja immer toller als diese vorgegebenen, teils absurden Trophies. Besonders toll auch deshalb, weil die persönlichen Erfolge bezogen auf den SPieler sind und "von keinem genommen werden können". Sie sind für mich sowas wie eine Herzensangelegenheit, wobei man sich über Level-1-Runs oder "ich spiele das Spiel mit verbundenen Augen"-Sachen freilich streiten kann.

Vielleicht sehe ich das aber auch alles so, weil ich aus der Zeit komme wo es Trophies eben noch nicht gab und man nicht jede Aufgabe vorgekaut bekommen musste. :)
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